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Erinnerungsarbeit auf großflächiger Leinwand
Erinnerungsarbeit auf großflächiger Leinwand
12.07.2019 - 00:00 Uhr
Von Conny Hecker-Stock

Baden-Baden - Das Künstlergespräch mit dem Baldreit-Stipendiaten Christophe Ndabananiye macht Lust auf mehr. Der bildende Künstler verarbeitet eigene Erinnerungen in Themen wie Heimatlosigkeit, Zerstörung und Verlustangst. Erste Arbeiten sind bereits während seines Aufenthaltes in Baden-Baden entstanden.

In Vertretung von Oberbürgermeisterin Margret Mergen, die als Schirmherrin fungiert, sprach der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Baden-Baden/Gaggenau, Lothar Volle, die mittlerweile 30-jährige Tradition der Künstlerförderung durch das Baldreit-Stipendium an. Viel Zeit sei von der Jury investiert worden, um bei der Auswahl allen 184 Bewerbern gerecht zu werden.

Mit Christophe Ndabananiye, der als Sohn ruandischer Eltern 1977 in der Demokratischen Republik Kongo geboren wurde, kommt seit April ein bildender Künstler zum Zug. Als Neunjähriger zog er mit seiner Familie nach Ruanda, wo er bis 1994 die Kunstschule besuchte. Seinen Abschluss an der Hochschule für bildende Künste legte er 2008 in Saarbrücken ab. Der Stipendiat bestückte zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland und genoss ei n zehnmonatiges Stipendium der Villa Romana in Florenz im vergangenen Jahr. Die Erinnerungsarbeit in seiner Kunst manifestiert sich beispielsweise sehr anschaulich in einer dort gefertigten Serie, für die er ausgemusterte Türen und Fensterläden, "genau elf Stück, wie die Zahl meiner Geschwister", zu einem Kunstwerk verarbeitete. Diese entstünden zumeist durch entdeckte kleine Spuren, über die andere hinwegsehen, wobei er im Gespräch mit Bernd Künzig bewusst den Ausdruck Banalität benutzte. Diese Geschichten eignet er sich unter anderem dadurch an, dass er genau die Koordinaten seines jeweiligen Standortes bestimmt, wie etwa Küche oder Eingang seiner Baldreit-Wohnung, und diese als kleine Zahlenreihen in seinen Bildern festhält.

Zu dieser Erinnerungsarbeit zählt für ihn auch eine Reihe mit Schuhen im Wüstensand, teils schon wieder halb verweht, die damit eine eigene Geschichte entwickeln. Ndabananiye arbeitet seit etwa fünf Jahren fast nur noch seriell: "Da fühle ich mich wohl." Wichtige Stätten seiner künstlerischen Entwicklung wie Ruanda, Detmold, Florenz oder sein heutiger Wohnort Berlin haben seine Kunst geprägt. Er versteht selbst die abstrakten, von Künzig als plastisch-installative Geschichten mit einem kleinen Schlag in Richtung Konzeptkunst gesehenen Arbeiten, als Selbstporträt. Sogar seine verwendeten Materialien, industrielle Lackfarben aus dem Baumarkt, hängen - neben der Vorliebe für die Fotografie und den Laborgeruch - mit seiner Kindheit zusammen. Der Künstler erinnert sich lebhaft an Spiele mit giftigen Materialien in der "Natur", in Minengebieten oder alten Kupferminen des Kongo, die er dennoch rückblickend als schönste Zeit seines Lebens sieht. Die verwendeten Leinwände spannt er nicht wie üblich zuvor auf einen Keilrahmen, wodurch sie uneben werden und zu eigenem Leben erwachen. Dass sich die Farbgebung in seinen Arbeiten laut Künzig "nicht so wahnsinnig ändert", liegt an Ndabananiyes Vorliebe für dezente Töne. So inspirierte ihn der Geroldsauer Wasserfall zu einem hängend gemalten und nach dem Verlaufen der Farben umgedrehten Bild in zartem Hellblau.

Bei der lebhaften Fragerunde wurden seine drei gezeigten, hier entstanden Werke sowohl als musikalisch wie auch beängstigend empfunden.

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