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Conchita Wurst: Nur der Bart erinnert an die Diva
02.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Veruschka Rechel

Baden-Baden - Es hat schon was, über einen roten Teppich zu gehen. Man streckt automatisch den Rücken, hebt den Kopf und versucht, hoheitsvoll zu schreiten. Rund 450 Gäste des Grand-Prix-Balls flanierten an der schaulustigen Menge vorbei ins Kurhaus. Die Baden-Baden Events hatte auch in diesem Jahr wieder keine Mühen gescheut, um ihren Ball-Besuchern einen abwechslungsreichen, stimmungsvollen Abend zu bieten.

Der Treppenaufgang war in festliches, rot-goldenes Licht getaucht und von Hostessen in goldenen Paillettenkleidern flankiert. Die Damen der Ballgesellschaft hatten es sich nicht nehmen lassen, ihr langes Kleid aus dem Schrank zu holen, oder sie hatten gleich zur ganz großen Robe gegriffen. Und wo lässt sich diese eindrucksvoller präsentieren als beim langsamen Hinaufgehen Stufe für Stufe?

Ob das Ambiente oder das Glas prickelnder Champagner zum Empfang auf der Empore - es herrschte eine auffällig gute Stimmung, was vor allem die Paare zeigten. Da wurde Händchen gehalten, verstohlen Küsschen gegeben oder zärtlich die Hand auf den Rücken gelegt.

Die Eröffnung des Balls im prachtvoll dekorierten Bénazetsaal übernahm traditionsgemäß die Philharmonie Baden-Baden unter Chefdirigent Pavel Baleff gemeinsam mit den Debütanten der Tanzschule Gutmann aus Freiburg. Diese präsentierten einen besonders inszenierten Eröffnungswalzer und baten anschließend die Gäste zum Tanzen, was sich so manche Dame der älteren Generation nicht zweimal sagen ließ. "Wann hat man in meinem Alter noch mal die Chance, mit einem hübschen jungen Mann zu tanzen", fragte eine Besucherin augenzwinkernd.

Anschließend übernahm Fernsehmoderatorin Birgit von Bentzel die Bühne und führte durch das Programm. Andreas Jacobs, Präsident von Baden-Racing, begrüßte zusammen mit Bürgermeister Alexander Uhlig die prominenten Gäste aus Galopprennsport, Medien, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Wie seit vielen Jahren auch dieses Mal wieder dabei: Lady Hermé de Wyman-Miro aus Florida. Als 17-Jährige kam sie vor dem Zweiten Weltkrieg zum ersten Mal nach Baden-Baden und gehört seitdem zu den treuesten Stammgästen von Brenners Park-Hotel. Sie brachte etwas vom alten Glanz der Zeiten mit, in denen die Amerikaner noch einen großen Teil der Gäste in der Kurstadt ausmachten.

An diesem Abend war es ein bunt gemischtes Publikum aus einheimischen und ausländischen Gästen. Es einte sie der gemeinsame Spaß am Tanzen, was auch der Thilo-Wolf-Big-Band zu verdanken war. Ob swingend, sentimental oder temperamentvoll, sie hatte alles drauf und bewies mit ihren Melodien, dass sie nach wie vor zu einer der führenden Big Bands in Deutschland gehört.

Um Temperament ging es ebenso bei dem Vollblüter "Iquitos", der mit großer Mehrheit nach 2016 zum zweiten Mal zum "Galopper des Jahres" gewählt worden war. Nicht nur seine Erfolge, vor allem die filmreife Lebensgeschichte machten das nur 1,57 Meter große Pferd mit dem enormen Kämpferherz zum Publikumsliebling. Der Hengst mit dem Spitznamen "Krümel" (die Durchschnittsgröße eines Galoppers liegt bei 1,65 Meter) gewann seine Rennen auf spektakuläre Weise, indem er mit großem Speed das Feld meist von hinten aufrollte. "Es gibt viele gute Pferde, aber nur wenige wie dieses", sagte sein Trainer Hans-Jürgen Gröschel einmal. Ohne ihn hätte sich der 75-Jährige schon zur Ruhe gesetzt, doch die Chance, Iquitos zu trainieren, wollte er sich nicht entgehen lassen. "Auf einen wie ihn habe ich mein Leben lang gewartet."

Mit Spannung erwartet wurde Stargast Conchita Wurst. Der österreichische Sänger und Travestiekünstler Tom Neuwirth erschuf die Kunstfigur, die 2014 als bärtige Diva den Eurovision Song Contest mit "Rise like a Phoenix" gewann. Wer dieses Bild vor Augen hatte, war irritiert, als ein junger Mann auf die Bühne kam. Außer seinem Bart erinnerte nichts mehr an die Diva. Doch Conchita Wurst ist bekannt für komplette Verwandlungen innerhalb weniger Wochen.

Nur eins war unverändert: diese unglaubliche Stimme, mit der er schon nach dem ersten Song begeisterte Pfiffe und Zurufe auslöste. Nach seinem fulminanten Auftritt war der Abend aber noch nicht zu Ende. Zumindest bei denen nicht, die zu der fetzigen Musik von "Noble Competition" noch das Parkett rockten.

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