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Tafelhelfer mit viel Charme und großem Fanclub
05.09.2019 - 06:56 Uhr
Von Nora Strupp

Baden-Baden - Dreimal in der Woche hilft Gerold Grimm (74) ehrenamtlich bei der Tafel mit. Er ist die rechte Hand von Lorenz Hettel (62), dem Leiter der Baden-Badener Tafel. Seit elf Jahren ist Grimm dabei - doch ans Aufhören denkt er nicht.

"Damals stand in der Zeitung, dass der Tafelladen in Baden-Baden eröffnet. Eines Nachmittags nahm ich meinen Ausweis, ging dort einkaufen und fragte Lorenz Hettel, ob noch Leute gebraucht werden, die mithelfen. Herr Hettel sagte ,Immer' und am nächsten Tag fing ich an", erinnert sich Grimm. Das war vor elf Jahren. Seitdem ist er ehrenamtlich bei der Tafel aktiv und hilft, wo er kann. "Ich kann dort einspringen, wo es klemmt", erzählt er.

Seit Juli 2008 betreibt der Caritasverband die BadenBadener Tafel im Caritaszentrum Cäcilienberg in Lichtental. Jeden Montag, Mittwoch und Freitag von 14 bis 16.15 Uhr werden Lebensmittel, die nicht mehr für den regulären Verkauf im Supermarkt geeignet, aber immer noch von guter Qualität sind, zu sehr günstigen Preisen an bedürftige Menschen verkauft, die auf Sozialleistungen angewiesen sind oder am Existenzminimum leben.

Das Leben dieser Menschen ein Stückchen leichter zu machen, treibt Grimm an: "Die Tafel ist für mich etwas ganz Besonderes. Es ist schön, Bedürftigen zu helfen und Lebensmittel zu retten. Deswegen hält es mich hier - weil man etwas leisten kann. Das ist ein ganz wichtiger Grund für mich", erklärt er.

Die Arbeit bei der Tafel macht ihm großen Spaß und das sieht man dem 74-Jährigen auch an. "Die Atmosphäre hier ist toll. Es gibt kaum ein böses Wort. Ich komme gerne her. Ich werde gebraucht und ich spüre, dass die Leute viel Vertrauen in mich setzen, wenn der Chef mal nicht da ist."

Sein Chef, Lorenz Hettel, sieht das genauso und ist froh, einen Mitarbeiter wie Grimm zu haben. "Armen Leuten zu helfen, ist eine tolle Sache. Dieses Miteinander und Zwischenmenschliche ist unbezahlbar. Herr Grimm spielt da eine ganz entscheidende Rolle. Er steht einfach parat. Er ist dieses Bindeglied." Außerdem habe Grimm auch ein Händchen für Frauen. "Er ist der Mann, der bei den Damen hier am besten ankommt, weil er einfach diesen Charme hat. Er hat seinen eigenen Fanclub", verrät Hettel mit einem Augenzwinkern. "Wir bleiben wegen ihm extra länger da", sagt eine Tafelhelferin im Vorbeigehen und schmunzelt.

Warum er bei allen so beliebt ist? Er versuche, immer ein bisschen Spaß zu machen und mit lockeren Sprüchen die Leute aufzuheitern. "Es gibt hier so ein Sprichwort: nur nicht verzagen, Herrn Grimm fragen", sagt er und lacht.

Doch auch wenn er möglicherweise einige heimliche Verehrerinnen bei der Tafel hat, so schlägt Grimms Herz nur für eine Frau. Im Dezember ist er 45 Jahre mit seiner Bärbel verheiratet, erzählt der zweifache Vater und Opa von zwei Enkelkindern.

Während seiner langjährigen Tätigkeit bei der Tafel hat Grimm bereits einiges erlebt - viel Schönes, aber auch traurige Momente. "Das Schlimmste ist immer, wenn nette Leute, die man gut hat leiden können, plötzlich schwer krank werden", erzählt er .

Und was war der schönste Moment? "Ich war vor ein paar Jahren mal beim Baumarkt. Da steht plötzlich ein Mann vor mir, küsst mich auf beide Wangen und sagt ,Ich danke Gott, dass es so einen Mann gibt wie Sie, der dafür sorgt, dass wir bei der Tafel einkaufen können.' Da habe ich ihn erkannt. Er war ein Tafelkunde. Ich war sprachlos. Jedesmal, wenn ich die Geschichte erzähle, kriege ich Gänsehaut", sagt Grimm und zeigt auf die sich aufstellenden Härchen an seinem Arm.

All diese besonderen Erlebnisse sind auch der Grund, warum er noch nicht daran denkt. endgültig in den (Un-)Ruhe-stand zu wechseln. "Ich spüre das Alter noch nicht. Ich stehe immer noch gerne jeden Morgen auf", erzählt der aktive Hobbygärtner, der Gurken, Tomaten und Blumen züchtet.

"Nächstes Jahr werde ich 75. Ich habe gesagt, dann höre ich mit allem auf. Aber meine Frau meint immer ,Was machst du dann?'. Solange es also noch Spaß macht und ich gesund bleibe, helfe ich hier. Manchmal ist es anstrengend, aber schön ist es eigentlich immer." Hettel stimmt ihm zu: "Es ist ein Fulltime-Job, aber es macht immer noch Freude." Und dann fügt Hettel, passionierter 1. FC Köln-Fan und Pferdeliebhaber, mit einem Lächeln hinzu: "Wenn Herr Grimm aufhört, höre ich auch auf."

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