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Von alten Augen und unplanbaren Tagen
14.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Nina Ernst

Sinzheim - "Ich gucke einfach gern in alte Augen." Diana Donath muss nur ganz kurz ihre Stirn runzeln, um die Antwort auf die Frage nach ihrem täglichen Antrieb zu suchen. Die 49-Jährige ist Pflegedienstleiterin (PDL) im Sinzheimer Seniorenzentrum. Und zwar "mit Herz und Mut", wie ihr die Kollegen bescheinigen.


Und läuft man mit ihr durchs Haus, dann erkennt man sofort, dass nicht nur sie mit viel Herzlichkeit bei der Sache ist. Egal, ob beim Essen geben, beim Bett machen, beim Spritzen oder einfach bei einer Unterhaltung: Die Betreuungskräfte, die Helfer, die examinierten Pflegehelfer und die Pflegefachkräfte scheinen ganz nah dran an den Hausgästen zu sein. Hausgäste? Liebevoll werden in Sinzheim so die Bewohner genannt. 78 Pflegeplätze stehen im Pfarrer-Kiefer-Weg zur Verfügung, 20 Plätze für Betreutes Wohnen, und täglich werden rund 20 Personen in der Tagespflege betreut. 24 Stunden lang, sieben Tage die Woche sind die Mitarbeiter dafür in drei Schichten im Einsatz.

Auf den drei Wohnbereichen beginnt die Frühschicht um 6.30 Uhr, und zwar dann, wenn die Nachtschicht gleich Feierabend (oder sagt man dann Feiermorgen?) macht. Klar, "du hast einen geplanten Tagesablauf, aber es kommt immer etwas dazwischen", berichtet Donath aus der Praxis. Und während sie das erzählt und an ihrem Schreibtisch Verwaltungsaufgaben erledigt, steht auch schon Pflegerin Jessica Graf in der Tür und meint: "Er will nicht mit!" Gemeint ist Gerhard, der gerade für seinen Job in den Werkstätten der Lebenshilfe abgeholt wird. Donath ist zur Stelle und leistet mit Graf gemeinsam Überzeugungsarbeit - bis er dann doch in den Bus steigt. "Dem gefällt's hier so gut, er will nicht mehr fort", meint Donath schmunzelnd über den verhältnismäßig jungen Mann, der erst kürzlich eingezogen ist. Zwischenfälle gebe es täglich: Einmal kollabiere eine Seniorin in ihrem Rollstuhl, ein anderes Mal kote sich jemand ein - "dann bist du erst einmal raus aus der Pflege", sagt Donath, die unter anderem für alle Aufnahmen zuständig, aber auch selbst regelmäßig in der Pflege eingeteilt ist. Und auch die "Klingel geht den ganzen Tag", und der Ruf sei dann immer mit einem Wunsch verbunden: das Fenster schließen, das Bett tiefer stellen, etwas zu Trinken bringen und, und und. Alltagshelden - für die Pflegekräfte scheint der Titel dieser Serie wie geschaffen. Geht es doch darum, den Hausgästen in allen Belangen des Alltags behilflich zu sein. Das beginnt morgens mit dem Richten des Frühstücks, geht weiter mit der Begleitung zur Toilette, beim Helfen des Ankleidens, beim Dokumentieren zahlreicher Abläufe, beim Reichen von Zwischenmahlzeiten, beim Lagern und endet, wenn man das denn so nennen kann, beim Zubettbringen. "Aktivierende Pflege" laute bei jedem Handgriff das Stichwort, erklärt Donath, denn manchmal stehe man auch einfach nur als Stütze daneben. "Jeder Mensch ist mobilisierbar, keiner muss im Bett liegen", gibt die PDL die Marschroute vor, dass jeder Hausgast einmal am Tag aus dem Bett geholt wird.

Die meisten zu Pflegenden seien dankbar für die Betreuung, aber manches Mal bekomme man auch Aggressionen zu spüren. Oft von an Demenz erkrankten Menschen - da werde schon Mal geboxt oder gespuckt. Dann heißt es: aus dem Zimmer gehen und tief durchatmen. "Für Demenzkranke ist jeder Tag anders", erklärt Donath, und das unschöne Verhalten habe der Betroffene auch schnell wieder vergessen - und freue sich beim nächsten Mal vielleicht überschwänglich über die neue Begegnung.

Sowieso: "Langweilig" müsse es im Seniorenzentrum keinem werden. Dass Pflege und Aktivierung in der Einrichtung gleichgestellt, dass Haustiere erlaubt sind und dass der Mehrgenerationenpark mit großem Spielplatz direkt vor der Haustür liegt, würde viel zur Lebensqualität beitragen. Donath: "Das macht es hier aus!"

Der Job so nah dran am Menschen bringt neben den körperlichen Belastungen - ständig auf den Beinen, schwere Gewichte heben - aber auch psychische mit sich. Auch, wenn ein Lebensweg zu Ende geht: "Der Tod berührt einen immer", sagt Diana Donath nickend. Auch nach Jahren mit den gleichen Erfahrungen gehöre das Weinen und Trauern dazu: "Mit manchen Leuten gehen wir jahrelang denselben Weg, da baut man eine Bindung auf."

Wie fest die Bindung ist, könne Donath auch zuhause nicht verheimlichen: "Mein Mann merkt sofort, wenn ich oben in der Pflege war. Dann bin ich besser drauf." Vielleicht auch darum, weil sie dann wieder in ganz viele alte Augen schauen konnte. Eben in diese Augen, die so viel Spannendes zu erzählen haben.

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