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"Mein Freund, den ich liebte, wie keinen anderen"
'Mein Freund, den ich liebte, wie keinen anderen'
16.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Anne-Rose Gangl

Baden-Baden - Der 13. September 1819, der Tag, an dem Clara Schumann in Leipzig geboren wurde, war ein Montag. 200 Jahre später, am vergangenen Freitag, tauchten die Besucher im vollbesetzten "Café Lumen" im Kloster Lichtenthal in das Leben dieser bemerkenswerten Musikerpersönlichkeit ein. Es war eine Hommage an Clara Schumann und ihren langjährigen Wegbegleiter und treuen Freund Johannes Brahms, die Autorin Cornelia Bitsch und Schauspieler Berth Wesselmann in ihrem Rollenspiel vortrugen.

Clara Schumann wusste im 19. Jahrhundert noch nicht, was Emanzipation und Frauenbewegung sind, und dennoch war sie bereits eine Frau, die mutig ihr Leben in die Hand nahm. Im Herbst vergangenen Jahres fragte die Brahmsgesellschaft bei Cornelia Bitsch an, ob sie nicht eine Geschichte rund um die Tagebücher von Clara Schumann schreiben würde. Sie sollte in die Veranstaltungsreihe anlässlich ihres 200. Geburtstags eingeflochten werden. Der in Baden-Baden wohnenden Autorin, ehemaligen Schauspielerin am Theater Baden-Baden und Intendantin des Baldreit-Sommertheaters gefiel die Idee, diese ungewöhnliche Frau in authentischen Erzählungen, aufgefrischt mit kleinen, fiktiven Dialogen vorzustellen. Sie blickte zurück auf ihr Leben, insbesondere aber auf die freundschaftliche Verbindung zu Johannes Brahms, den sie 1853 kennenlernte.

"Lies, liebstes Clärchen, lies", sagte mit sanfter Stimme der große Musiker, in dessen Rolle kein anderer als Berth Wesselmann, wie Brahms mit kritischem Blick und imposantem Vollbart, geschlüpft war. "S'ist nicht für deine Ohren bestimmt, mein großer Bär", erwiderte ihm Clara Schumann.

In ausdrucksstarken Verben, oft in Erzählform, erinnerten die beiden Protagonisten an die junge Frau, die schon in der Verlobungszeit ein Kochbuch von ihrem künftigen Ehemann Robert Schumann geschenkt bekam. "Er bat sie, das Klavierspielen und Komponieren in der Ehe zurückzustellen", wusste Berth Wesselmann zu berichten. Cornelia Bitsch fügte in ihren Erinnerungen an Clara Schumann hinzu, dass sie bereits kurz nach ihrer Hochzeit am 12. September 1840 eine Köchin eingestellt hatte.

"Wann hast du das Häuschen in Lichtental gekauft?", fragte Brahms die Frau, in die er 30 Jahre lang unglücklich verliebt war. "Aber das weißt du doch, im Jahre 1862", antwortete ihm Clara Schumann - oder war es Cornelia Bitsch? Fast unbemerkt für den Zuhörer wechselten die Erzählformen, oftmals waren die Dialoge gespickt mit amüsanten Gegebenheiten, die das Publikum erheiterten, Worte aus Briefen sprachen von Liebe und Zärtlichkeit, und nur wenige Male begab sich Cornelia Bitsch in die von Matthias Kornemann geschriebene Biografie von Brahms. "Du warst mein Freund, den ich liebte, wie keinen anderen", sagte die stolze, emanzipierte Frau, Mutter von sieben Kindern, die ihren Mann Robert 40 Jahre überlebte und ein Jahr vor Johannes Brahms im Jahre 1896 verstarb.

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