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"Ich habe lange mit mir gerungen"
27.09.2019 - 00:00 Uhr
xml:space="preserve" strAlign="left"> Baden-Baden - Bei der Kommunalwahl vor gerade mal vier Monaten erhielt sie 16 779 Stimmen - mehr als jeder andere Bewerber. Nun hat Beate Böhlen angekündigt, ihr Ratsmandat aufzugeben, falls sie im zweiten Anlauf am 9. Oktober im Landtag zur Bürgerbeauftragten gewählt wird (wir berichteten). Der erste Anlauf im Juli war gescheitert, weil Teile der CDU-Fraktion im Landtag ihr die Zustimmung verweigerten, da sie das Ratsmandat und das neue Amt nicht für miteinander vereinbar hielten. Im Gespräch mit BT-Redakteur Harald Holzmann äußert sich die langjährige Grünen-Fraktionschefin. BT: Frau Böhlen, was macht das Amt des Bürgerbeauftragten für Sie persönlich so attraktiv, dass Sie dafür sogar bereit sind, das Direktmandat im Landtag und Ihren Sitz im Gemeinderat aufzugeben?

Beate Böhlen: Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit partizipativer Demokratie. Demokratie lebt davon, dass Menschen mitreden und mitbestimmen. Als langjährige Vorsitzende des Petitionsausschusses habe ich festgestellt, dass der Dialog zwischen Bürgerinnen und Bürgern und der Verwaltung oft schwierig ist - auch, weil Sachverhalte immer komplexer werden. Bei vielen Themen ist ein Auseinanderdriften der Gesellschaft zu bemerken. Als Bürgerbeauftragte sehe ich die Möglichkeit, die Rechte der Bürgerinnen und Bürger gegenüber den Trägern der öffentlichen Verwaltung zu wahren und zu vermitteln. In dieser neuen Funktion kann ich einen wesentlichen Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten.

BT: Sie waren mit weitem Abstand Stimmenkönigin bei der Kommunalwahl. Jetzt wollen Sie auf das Baden-Badener Ratsmandat verzichten. Viele Wähler, denen es wichtig war, Sie zur Stadträtin zu wählen und die Ihnen deshalb bei der Kommunalwahl drei Stimmen gegeben haben, sind jetzt enttäuscht. Was sagen Sie denen?

Böhlen: Für das tolle Wahlergebnis empfinde ich große Dankbarkeit. Ich habe das Ratsmandat 15 Jahre lang ausgeübt - mit Herz und Leidenschaft. Es fällt mir sehr schwer, dieses Ehrenamt niederzulegen. Ich habe lange mit mir gerungen. Mit dem Amt der Bürgerbeauftragten hat sich eine Aufgabe aufgetan, von der ich zutiefst überzeugt bin. Für mich ist diese Aufgabe noch einmal eine Herzensangelegenheit. Und ich hinterlasse ja - wie es so schön heißt - ein gut bestelltes Haus: Die grüne Ratsfraktion ist stark wie nie. Sie setzt sich mit ganzer Kraft für unser liebens- und lebenswertes Baden-Baden ein.

BT: Und was sagen Sie Ihren Parteifreunden in Baden-Baden? Gibt es unter denen auch Enttäuschte?

Böhlen: Meine Parteifreundinnen und -freunde freuen sich für mich, dass ich für diese große und herausfordernde Aufgabe vorgeschlagen bin und dafür die volle Unterstützung der Landesregierung habe. Natürlich bedauern sie auch, dass ich nun meine Mandate niederlege - dies aber immer in Verbindung mit einer großen Wertschätzung für meine bisher geleistete Arbeit.

BT: Einige Ihrer politischen Gegner im Landtag und im Stadtrat werden sich über die Aussicht freuen, künftig nicht mehr mit Ihnen zu tun zu haben. Was sagen Sie denen?

Böhlen: Ich kann nur für mich sprechen: Ich schätze meine politischen Gegnerinnen und Gegner und danke ihnen für das überwiegend konstruktive Miteinander in all den Jahren. Natürlich waren wir oft gegensätzlicher Meinung und haben oft um die besten Lösungen gerungen. Der Wettstreit um gute Lösungen und zivilisierter Streit - auch das gehört zur Demokratie dazu. Sollte ich als Bürgerbeauftragte gewählt werden, werde ich mich mit vollem Engagement für die Bürgerinnen und Bürger des Landes und Baden-Badens einsetzen.

BT: Sie waren über viele Jahre das Aushängeschild, die starke Frau der Grünen in der Kurstadt. Wer kann aus Ihrer Sicht künftig diese starke politische Rolle bei den Grünen in Baden-Baden übernehmen?

Böhlen: Vielen Dank für das Kompliment. Aber ich muss es an die Grünen-Fraktion weitergeben. Wir sind ein starkes Team. Unsere Inhalte und unsere Ziele haben wir gemeinsam erarbeitet und umgesetzt. In der 30-jährigen Geschichte der Baden-Badener Grünen-Fraktion gab es immer starke Frauen und Männer. Unsere Kontinuität bei der Arbeit und unsere Verlässlichkeit wurde von den Wählerinnen und Wählern im Laufe der Zeit immer mehr honoriert. Diese Kontinuität und Verlässlichkeit wird es weiter geben.

BT: Und wie sehen Sie künftig Ihre persönliche Rolle in der Baden-Badener Partei?

Böhlen: Als Bürgerbeauftragte werde ich auch meine Parteiarbeit ruhen lassen.

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