https://www.badisches-tagblatt.de/weihnachtsabo/index.html
http://www.badisches-tagblatt.de/weihnachtsabo/index.html
Beim Kicken im Wohnzimmer geht vieles zu Bruch
02.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Veruschka Rechel

Sinzheim - Sympathie hat einen Namen: Claudemir Jerônimo Barreto, genannt Cacau, ehemaliger brasilianischer Fußball-Nationalspieler. Sein Vortrag war das Highlight der insgesamt fünf Veranstaltungen, mit denen sich die Gemeinde Sinzheim zum zweiten Mal an den deutschlandweiten "Interkulturellen Wochen" beteiligte. Sie trug auf diese Weise dazu bei, dass sich Menschen unterschiedlicher Kulturen kennenlernen und mehr Verständnis und Wertschätzung füreinander entstehen.

Cacau lebt mit seiner Familie in Korb bei Stuttgart und hatte es sich nicht nehmen lassen, trotz Erkältung nach Sinzheim in die Fremersberghalle zu kommen, um aus seinem Leben und seiner spannenden Karriere zu erzählen.

Rund 400 Schüler der Lothar-von-Kübel-Realschule mit ihrem Schulleiter Christoph Hagel empfingen ihn mit frenetischem Applaus. Kein Wunder: "Er ist einfach ungeheuer sympathisch", sagte Volker Kottkamp. Der ehemalige ARD-Sportreporter lebt in Sinzheim und hatte damals auch einige Fußballspiele mit Cacau kommentiert.

Dieser spielte von 2009 bis 2012 für die deutsche Nationalmannschaft und wurde mit ihr bei der Fußball-WM 2010 Dritter. Seit Ende 2016 ist er Integrationsbeauftragter für den Deutschen Fußball-Bund (DFB), besucht unter anderem Integrationsprojekte, Amateurvereine und Flüchtlingskampagnen. Der Kicker weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig der Sport für eine gelungene Integration sein kann. "Ich bewundere seinen Mut und seinen Durchsetzungswillen", lobte Erik Ernst, Bürgermeister von Sinzheim.

Cacau wuchs mit zwei Brüdern unter ärmlichen Verhältnissen nahe São Paulo auf, seine Mutter ging putzen, sein Vater war Alkoholiker. Schon als Kinder kickten sie, bei Sonne draußen, bei Regen im Wohnzimmer. Cacau: "Dort ging dann viel zu Bruch, und unsere Mutter war stocksauer, aber im Nachhinein hat es sich ja gelohnt." Mit sieben Jahren begann er bei einem Vorstadtklub mit dem Fußballspielen, und mit 18 entschied er, sein Glück als Fußballer in Deutschland zu suchen. Zunächst spielte er in der fünften Liga, sprach kein Wort Deutsch. Er war fremd, allein - und wollte doch genau das Gegenteil.

Als er Karriere beim VfB Stuttgart machte, stürmte er sich mit seiner sympathischen Ausstrahlung, seiner Bescheidenheit und Bodenständigkeit in die Herzen der Fans. 2009 wurde er eingebürgert, und noch im selben Jahr machte er das erste seiner insgesamt 23 Spiele für die deutsche Nationalmannschaft. In insgesamt 337 Spielen beim VfB Stuttgart schoss Cacau 109 Tore und war damit neben Mario Gomez der erfolgreichste Stürmer des Vereins. Er beendete seinen Vortrag mit dem Appell an alle Schüler, ihre Möglichkeiten zu nutzen: "Wenn einer sagt, Du schaffst es nicht, glaubt ihm nicht, glaubt an Euch."

Danach antwortete er mit viel Humor auf Fragen der Schüler. Mit manchen Antworten brachte er sie vor Begeisterung aus dem Häuschen, und es gab immer wieder Zwischenapplaus. Zum Beispiel: "Wir Fußballer sind Vorbilder für viele Kinder, und sie glauben alles, was wir ihnen erzählen. Deshalb müssen wir auch danach leben, sonst verlieren wir unsere Glaubwürdigkeit."

Der Brasilianer Claudemir Jerônimo Barreto ist der beste Beweis dafür, dass Fußball die Menschen über alle Unterschiede hinweg verbindet.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Gaggenau
Auf der Suche nach dem Mann fürs Leben

21.09.2019
Auf Suche nach dem Richtigen
Gaggenau (galu) - "Ich habe wirklich nicht damit gerechnet, dass gerade ich ausgewählt werde", erzählt Giovanna Russo. Die 29-jährige Fleischereifachverkäuferin war Kandidatin in der RTL-Datingshow "Take me out". Ansonsten arbeitet sie in ihrem Heimatstadtteil Ottenau (Foto: L. Gangl). »-Mehr
Ötigheim
Tollkühne Reise des Lügenbarons um die Welt

24.06.2019
"Münchhausen" als opulenter Spaß
Ötigheim (red) - Mitunter knallt′s gewaltig: Die tollkühnen Abenteuer Münchhausens bringen viel Aufruhr und Vergnügen auf die Freilichtbühne der Volksschauspiele. Brecht-Tochter Johanna Schall hat das Sommerstück der Ötigheimer mit Sebastian Kreutz opulent inszeniert (Foto: Klenk). »-Mehr
Umfrage

Viele Bürger empfinden die Verwaltungssprache als zu kompliziert. Würden auch Sie sich einfachere Formulierungen auf Ämtern wünschen?

Ja, oft.
Ja, manchmal.
Nein.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1