https://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
"Es gibt noch viel hier zu entdecken"
'Es gibt noch viel hier zu entdecken'
04.10.2019 - 00:00 Uhr
V on Franz Vollmer

Baden-Baden - Ungewöhnliche Lösungen erfordern eine ungewöhnliche Location: Die Idee zum Teilzeit-Jobsharing gärte bei Nicola May schon länger, und sie wurde schließlich bei einer gemeinsamen Pizza zementiert. Die Intendantin des Theaters Baden-Baden wird in der Spielzeit 2020/21 ein Sabbatjahr einlegen und ihre Tätigkeit als Intendantin dann danach bis 2026 fortsetzen; ihr Vertrag wurde von der Stadt entsprechend verlängert. Chefdramaturgin Kekke Schmidt wird in der Saison interimstechnisch einspringen. Für alle Beteiligten ein einzigartiges, aber auch interessantes Modell.

"Der Vertrag ist unterschrieben. Aus der Nummer kommen Sie jetzt nicht mehr raus", scherzte Oberbürgermeisterin Margret Mergen beim Pressetermin im Rathaus, und sie sprach ebenfalls von einer optimalen Lösung. Zumal May, die seit 2004 die Bühnenfäden in Baden-Baden in der Hand hat, weder Abnutzungserscheinungen noch eine etwaige Amtsmüdigkeit verspürt.

"Bei so einer langen Zeit hat man natürlich schon die Sorge, dass man etwas betriebsblind wird. Aber es gibt noch so viel hier zu entdecken", gibt sich die gebürtige Bonnerin neugierig. Sie erhofft sich von der schöpferischen Pause und dem damit verbundenen Abstand jedenfalls jede Menge neuer Impulse und Inspirationen, um manche Dinge vielleicht ganz neu anzupacken. "Ich möchte mich einfach mal umsehen, was andere Häuser so machen - und vielleicht auch mal ein soziologisches Buch in Ruhe lesen", lautet ihr grober Plan. Die Ideen, gerade bei der Generierung von neuen Publikumsschichten oder bei der Öffnung des Theaters für die öffentlichen Räume dürften ihr auch in der dann vierten Amtszeit nicht ausgehen. May: "Mir fällt immer noch was ein, auch was das Bespielen neuer Orte und Ecken angeht."

Zuschauergeschmack

wandelt sich

Davon ist auch die OB überzeugt. Dass man mit May (Jahrgang 1963) noch eine weitere Runde drehen will, stand für Mergen nicht zur Debatte. Grund sei vor allem Mays "enormes Engagement für die Entwicklung des Hauses", nicht zuletzt, was neue Konzepte und die Heranführung junger Menschen ans Theater angeht, wie die diversen Kreationen vom Jugendclub U 22 bis zum Kinderclub U 12 zeigen. Auch das Format "Fit fürs Abi in 5 Tagen" finde bereits großen Anklang und vor allem Nachahmer, so Mergen. Fazit: Eine "wunderbare Zusammenarbeit", die förmlich nach Fortsetzung schreit. Zumal auch die jüngsten Theatertage im Sommer Werbung pur waren. "Das war eine Hinführung zum Theater, wie sie nicht besser sein konnte", findet Mergen. Nicht zuletzt sei die Theaterintendantin bestens vernetzt dank diverser Gremien (Deutscher Bühnenverein, SWR-Rundfunkrat), ganz zu schweigen von den lebendigen Kooperationen mit den Kulturträgern der Stadt und zig Außenprojekten vom Kindergarten bis zur Erwachsenenbildung.

Ihre Hauptaufgabe für die Zukunft sieht May jedenfalls in dem Spagat zwischen einem "zunehmend diversen, sich ständig wandelnden Zuschauergeschmack und der notwendigen Verschlankung des Apparates". Das Geld werde nicht mehr, die Aufgaben aber schon. Auch Themen wie Digitalisierung, Marketing oder der Fachkräftemangel, der bereits das Theater erreicht habe, stehen auf der Agenda oder auch die Frage, wie man fremdsprachige Zuschauer erreichen oder der besonderen Mischung als weltoffener Stadt gerecht werden kann. Mit andern Worten: "Es gibt noch viel zu tun und entdecken", versichert May. Ziel sei jedenfalls, weiterhin die ganze Bandbreite von unterhaltendem Mainstream bis hin zu künstlerisch aufsehenerregendem Experimentiertheater im Portfolio zu haben.

"Ein Schiff

in guter Fahrt"

Kekke Schmidt (Jahrgang 1960), seit drei Jahren Chefdramaturgin in Baden-Baden, zeigt sich "neugierig auf die neue Herausforderung" und versprach, den bewährten Kurs fortzuführen. Bei aller Lust auf neue Akzentuierungen wolle sie das Rad nicht neu erfinden. "Dafür ist das eine Jahr auch zu kurz", so Schmidt. Ihr Job sei es, "ein Schiff zu steuern, das sich bereits in guter Fahrt befindet". Trotz "großem Respekt vor der neuen Rolle" kann sie geballte 30 Jahre Bühnenerfahrung nebst Zusammenarbeit mit namhaften Häusern (Basel, Mannheim, Stuttgart, Hannover, Bochum) vorweisen. "Für mich ist das Ganze ein spannendes Experiment, ein interessanter Pas de deux."

Die Interimslösung fällt im Übrigen kostenneutral aus, "sie kostet die Stadt null", so Mergen. Wer für Schmidt die eine Spielzeit als Chefdramaturgin einspringt, ist noch offen. Bei den Zuschauer-, sprich Abo-Zahlen jedenfalls kann May nach eigenen Angaben weiter "stabile Verhältnisse" in Aussicht stellen, die exakten Zahlen der vorigen Spielzeit sollen in Bälde vorliegen.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Karlsruhe / Straßburg
Mit der Oper Brücken bauen in schwierigen Zeiten

02.10.2019
Gemeinsame Opernkonferenz
Karlsruhe/Straßburg (red) - Die Straßburger Rheinoper und das Badische Staatstheater Karlsruhe sind Initiatoren einer internationalen Opern-Konferenz (24.-27.10.). Opernhäuser Europas wollen ein Zeichen setzen für verstärkte Zusammenarbeit und Zukunftsfragen erörtern (Foto: Ditfurth). »-Mehr
Baden-Baden
Beim Theaterfest schlägt die Gerechtigkeitswaage aus

23.09.2019
Theaterfest mit Überraschungen
Baden-Baden (co) - Ihre Fantasie scheint nach der Sommerpause frisch und unverbraucht. Wieder ist es Schauspielern und Verantwortli chen gelungen, ein buntes Theaterfest mit Überraschungen auf die Beine zu stellen, das bei Alt und Jung gut ankam (Foto: Hecker-Stock). »-Mehr
Straßburg
Selbsthass zu ruppigen Rhythmen

20.09.2019
Auf den Operntitel folgt "Psychosis"
Straßburg (red) - Mit der aufwühlenden Oper "4.48 Psychosis" nach Sarah Kanes autobiografischem Drama über einen angekündigten Suizid ist die Rheinoper in die neue Spielzeit gestartet. Am Premierenabend erhielt das Straßburger Opernhaus den Titel "Oper des Jahres" (Foto: Beck). »-Mehr
Baden-Baden
´Mein Freund, den ich liebte, wie keinen anderen´

16.09.2019
Erinnerungen an Clara Schumann
Baden-Baden (ar) - Bei einer szenischen Lesung erinnerten Berth Wesselmann und Cornelia Bitsch (Foto: Gangl) an Clara Schumann. Die Musikerin und starke Frau war vor 200 Jahren in Leipzig geboren worden. Sie wohnte viele Jahre ihres Lebens in einem Häuschen in der Kurstadt. »-Mehr
Baden-Baden
Theaterstart: Gedanken bei abwesender OB

28.08.2019
Theater: Erstes Treffen nach Pause
Baden-Baden (hez) - Viele herzliche Umarmungen waren angesagt, als sich das Team des Baden-Badener Theaters jetzt erstmals nach der Sommerpause traf und von Intendantin Nicola May auf eine "spannende und wunderbare" Spielzeit 2019/20 eingeschworen wurde (Foto: Zorn). »-Mehr
Umfrage

Die Leistungen der Schüler im Südwesten sind in den Naturwissenschaften mittelmäßig. Was war Ihr Lieblingsfach?

Naturwissenschaften.
Geisteswissenschaften.
Sport.


https://www.caravanlive.de/
Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1