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Philosophie der kurzen Wege
Philosophie der kurzen Wege
09.10.2019 - 06:35 Uhr
Von Franz Vollmer

Baden-Baden - Mittelfeldplatz - das ist die mehr als respektable Position, die die Stadt Baden-Baden in Sachen Kinderbetreuung im Stadt- und Landkreis-Vergleich einnimmt. Das ergab der Sachstandsbericht, den die Verwaltung am Montag in der Gemeinderatssitzung vorlegte. Damit man die Position langfristig festigen oder gar ausbauen kann, werden zur Bedarfsdeckung und um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein, vorsorglich 100 000 Euro an Planungskosten im Doppelhaushalt 2020/21 bereitgestellt. Das entschied der Gemeinderat unisono.

Die "kleine" Unbekannte bei den Eventualitäten für die kommenden Jahre ist die exakte Steigerungsrate bei den Kinderzahlen und die somit womöglich hohe Nachfrage an Betreuungsplätzen. "Nach aktueller Schätzung darf man davon ausgehen, dass 2021 der Höchststand in Sachen demografischer Entwicklung erreicht ist. Er dürfte dann vorerst auf diesem hohem Niveau bleiben", umriss Sachbearbeiter Steffen Miller die Lage und gewährte Einblick in die Zahlen.

Aktuell werden im Stadtkreis 1 783 Kinder an insgesamt 32 Tageseinrichtungen von neun Trägern in Kindergärten oder in der Kindertagespflege betreut (Stichtag 1. März 2019). Daran beteiligt sind insgesamt 300 Fachkräfte. Und die Tendenz, sprich Nachfrage bleibt steigend. So sind die Kinderzahlen allein im U 3-Bereich in den letzten fünf Jahren von 1 085 auf aktuell 1381 gestiegen. Auch die Ü 3-Sparte hat eine Steigerungsrate von 1146 auf derzeit 1278 zu verzeichnen. Im Vorjahresvergleich kamen bei der U 3 insgesamt 59, bei Ü 3 neue 93 Kinder hinzu.

Als Reaktion hierauf hat die Stadt bereits in der Vergangenheit 231 neue Betreuungsplätze auf den Weg gebracht, davon sind mit der Einweihung des katholischen Kindergartens Regenbogen in Steinbach (Mai 2019) 63 bereits in Betrieb. Weitere 168 Plätze kommen bis Ende 2020/21 hinzu. Letztes Projekt ist der Kita Campuspark in Oos. Er soll Ende 2020 an den Start gehen. Durch die Umsetzung der Maßnahmen soll eine Betreuungsquote von 37,8 Prozent im Kleinkindbereich und 97,5 im Ü 3-Bereich erreicht werden. Aktuell liegt diese im U 3-Bereich bei 31,6 Prozent sowie 90,3 Prozent bei Ü 3. Unterschiede weisen auch die Sozialräume auf. Den größten Anteil von Kindergartenkindern an der Gesamtbevölkerung verzeichnet mit 5,8 Prozent der Sozialraum 2 (Weststadt, Oos). Der städtische Durchschnitt liegt bei 5,1 Prozent.

"Besonders stolz" sei man, so Miller, auf den Ausbau der Betreuungsquote in der Kindertagespflege um 2,3 Prozent: Hier liegt Baden-Baden mit 7,4 Prozent gar an zweiter Stelle im Land. Auch besondere pädagogische Angebote wie Naturgruppen kommen bei den Eltern gut an. Alles in allem für Miller ein Indiz, "dass die Maßnahmen angenommen werden und sich der massive Ausbau in den vergangenen zehn Jahren gelohnt hat". Um für eine zunehmend steigende Nachfrage gewappnet zu sein, sondiert die Stadt weitere Grundstücke, Gebäude und Flächen. Ziel des Ganzen sei eine "flächendeckend gute und wohnortnahe Versorgung".

Der drohende Leerstand im Falle von geringeren Zuwachsraten könnte, so der Bericht, durch Gruppenumwandlungen zugunsten der Ganztagesbetreuung behoben werden. Zumal Letztere nicht nur zunehme, sondern naturgemäß kleinere Gruppenstärken verlange - womit die Gesamtauslastung gewährleistet bleibt. Dabei hofft man, mit noch mehr Flexibilität auf den Betreuungsbedarf von Eltern eingehen zu können. Wobei auch der Förderbedarf nach Experteneinschätzung zunimmt.

Nicht ins Gewicht fällt die mutmaßliche Vorziehung des Einschulungstermins, die nach Lage der Dinge nur in abgeschwächter Form greift. "Das bewegt sich auf dem Level, der auch für die Unwägbarkeiten durch Zuzug oder Neubaugebiete gilt", gibt Bürgermeister Roland Kaiser zu verstehen.

Bewährt habe sich nicht zuletzt das Online-Meldesystem. Zwar können anders als noch vor zehn Jahren (mit damals nur 70 Prozent Auslastung) nicht alle Wünsche zeitnah berücksichtigt werden, dennoch sei es organisatorisch eine Riesenerleichterung. OB Margret Mergen sieht jedenfalls in der "guten Zusammenarbeit mit den Trägern" die Basis für hohe Varianz und einen bestmöglichen Mix bei den Einrichtungen, was letztlich "mehr Entscheidungsfreiheit für die Familien" bedeute. Ziel sei die Präsenz vor Ort und die Philosophie der kurzen Wege.

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