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"Gesunde nutzen Ausweis von Verwandten"
'Gesunde nutzen Ausweis von Verwandten'
10.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Nora Strupp

Baden-Baden - Knapp 60 Behindertenparkplätze, verteilt an über 30 Standorten, gibt es in der Stadt. Manchmal werden diese jedoch von Autofahrern belegt, die überhaupt keine Behinderung haben. Betroffene sind wütend und fordern härtere Strafen. Nun soll das Bußgeld tatsächlich erhöht werden.

Menschen mit Handicap haben in ihrem Leben mit vielen Hürden zu kämpfen. Behindertenparkplätze vor öffentlichen Gebäuden sollen ihnen das Leben etwas vereinfachen. Diese Parkplätze sind speziell auf ihre Bedürfnisse angepasst: Sie sind größer als üblich, damit Behinderte leichter aus dem Auto aussteigen oder einen Rollstuhl aus dem Kofferraum holen können. Umso wichtiger ist es, dass diese Plätze nicht von Leuten belegt werden, die nicht darauf angewiesen sind. Trotzdem passiert dies immer wieder - was Betroffene sehr ärgert.

"Also in der Regel klappt das gut, aber es kommt natürlich schon hin und wieder vor, dass unberechtigt auf Behindertenparkplätzen geparkt wird", bestätigt die kommunale Behindertenbeauftragte Beate Wirth. "Wenn ich sehe, dass jemand auf einem solchen Parkplatz steht, der dort nicht hingehört, sage ich der Person Bescheid und versuche, es im Guten zu klären. Meistens sind sie einsichtig, manche sagen aber auch ,Stellen Sie sich nicht so an. Das sind doch nur ein paar Minuten'", berichtet Wirth.

Ähnliche Erfahrungen machen auch Betroffene immer wieder: "Manche stellen sich einfach gedankenlos dort hin. Sie entschuldigen sich dann aber und sagen, sie hätten es nicht gesehen. Anderen ist es egal, dass sie dort stehen, und antworten nur, sie hätten es jetzt gerade eilig", erzählt Maria Kabbeck, deren Tochter im Rollstuhl sitzt.

Auch Stella Hilger, die seit ihrer Geburt an einer schweren Seh- und Körperbehinderung leidet, hat schon viel Negatives erlebt: "Wenn man Falschparker anspricht, bekommt man teilweise sehr patzige Antworten. Das macht einen arg wütend. Ich habe auch schon gesehen, dass Gesunde den Behindertenausweis von ihren Verwandten benutzen - das geht gar nicht!"

Dagegen vorzugehen sei allerdings schwierig, meint Wirth. Man müsse das Bewusstsein dafür sensibilisieren, dass es nicht okay ist, sich unberechtigterweise auf einen solchen Platz zu stellen. "Inklusion entsteht im Kopf", sagt Wirth. Sowohl Kabbeck als auch Hilger fordern zumindest härtere Strafen für Falschparker. Derzeit müssen diese nämlich lediglich ein Bußgeld zahlen, wenn sie erwischt werden. Und - im Vergleich mit anderen Ländern - ist der Betrag von 35 Euro noch nicht einmal sonderlich hoch. In den Niederlanden wird man zum Beispiel mit 370 Euro zur Kasse gebeten.

Tatsächlich soll die Bußgeldhöhe hierzulande aber nun geändert werden. "In Zukunft sind höhere Strafen für Falschparker geplant", verrät Wirth. "Von 35 Euro soll das Bußgeld nun auf 55 Euro erhöht werden." Das habe im Brief des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gestanden, den sie kürzlich erhalten habe.

Diese Entscheidung begrüße sie, sagt sie. "Das ist ein Zeichen, dass das Problem erkannt wurde, dass man sich darum kümmert und dass es kein Tabuthema ist. Das ist ein Signal an alle Behinderte." Ein paar Zweifel hat Wirth aber dennoch: "Man wird sehen, ob die Erhöhung des Bußgelds die gewünschte Wirkung zeigt. Denn es ist leider nun einmal so: Wenn jemand diese Einstellung hat, er könne sich überall hinstellen, dann stören ihn auch die 55 Euro nicht." Sie hat trotzdem die Hoffnung, dass die Maßnahme hilft.

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