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Ein Baden-Badener sagt auf Wiedersehen
11.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Nora Strupp

Baden-Baden - Karl Steurer war 13 Jahre lang Mitglied im Ortschaftsrat Ebersteinburg, ist Gründungsmitglied des Fördervereins des Hospizes Kafarnaum und des "Freundeskreises Festspielhaus". Nun verlässt er Baden-Baden und zieht ins Emsland nach Niedersachsen, um dort nach dem Tod seiner Frau noch einmal ein neues Leben zu beginnen - im Alter von 86 Jahren.



"Wie Sie sehen, bin ich schon ein ziemlich alter Esel", sagt er schmunzelnd über sich selbst. Hinter seinen vielen Lebensjahren verbergen sich allerdings auch so einige Geschichten und Erlebnisse. Steurer ist in Durmersheim geboren und in Baden-Baden aufgewachsen. Nach dem kaufmännischen Studium stieg er ins Rückversicherungsgeschäft ein, wo er sein gesamtes Berufsleben für internationale Firmen tätig war und schließlich Chef der Allianz-Rückversicherung wurde. Steurer war es auch, der den Rückversichererkongress in Baden-Baden etablierte, der bereits seit 49 Jahren in der Kurstadt ausgerichtet wird.

Dass er so erfolgreich in seinem Job war, habe er unter anderem seiner vor einem Jahr verstorbenen Frau zu verdanken, mit der er 63 Jahre verheiratet war. "Sie hat mir immer den Rücken freigehalten und sich um unseren Sohn gekümmert", erzählt der vierfache Opa und fünffache Urgroßvater. Dass er seine geliebte Frau vergangenes Jahr aufgrund eines Krankenhauskeims verlor, kann er bis heute nur schwer begreifen. "Dass sie an etwas gestorben ist, was man hätte vermeiden können, macht mich wütend." Er feierte mit ihr silberne Hochzeit auf den Bahamas in Nassau, goldene Hochzeit in der Kathedrale von Palma auf Mallorca und diamantene Hochzeit in der Stiftskirche in Baden-Baden. "Doch die eiserne Hochzeit nach 65 Ehejahren war uns leider nicht vergönnt", fügt er mit Tränen in den Augen hinzu.

Dieser schmerzliche Verlust ist auch der Grund, warum er seine Heimat Baden-Baden nun verlassen möchte. "Die Erinnerung an meine Frau lässt mich hier einfach nicht zur Ruhe kommen." Deshalb packt er gerade sein gesamtes Leben in Umzugskisten, um ins Emsland nach Niedersachsen zu ziehen. Dort habe er sich ein kleines Schlösschen gekauft. Nächste Woche soll es so weit sein. Dann kommt die Umzugsfirma und es heißt Abschied nehmen. Allerdings nicht für immer, denn Baden-Baden wird er trotzdem regelmäßig einen Besuch abstatten. Das hat er sich fest vorgenommen. "Spätestens zu den nächsten Herbstfestspielen und zur Großen Woche in Iffezheim", verspricht der Pferdeliebhaber, der im Jahr 2008 übrigens zum Baden-Badener des Monats gewählt wurde.

Und wie wird sein Leben in der neuen Heimat aussehen? "Ideen, Pläne und Wünsche habe ich schon noch", sagt der fitte Rentner, der auch mit 86 Jahren noch Tennis und Golf spielt und "wahnsinnig gern" eine flotte Sohle aufs Tanzparkett legt. Nur daheim rumzusitzen kommt für ihn also nicht infrage. Schon in Baden-Baden war er in Vereinen aktiv, hat sich politisch und ehrenamtlich engagiert: So war Steurer 13 Jahre Mitglied im Ortschaftsrat Ebersteinburg, hatte zehn Jahre die Position des Vorsitzenden des CDU-Ortsverbandes inne und ist Gründungsmitglied des "Freundeskreises Festspielhaus" sowie des Jugendclubs Ebersteinburg. Ganz besonders hängt sein Herz jedoch an der Arbeit für das Hospiz Kafarnaum. Ein schlimmes Erlebnis hat ihn damals dazu bewogen, sich für sterbende Menschen stark zu machen. "Meine Sekretärin war an Brustkrebs erkrankt. Als ich sie im Krankenhaus besuchte, fand ich sie abgelegt in einer Besenkammer am Ende des Ganges. Ich dachte nur, das darf nicht sein. Seitdem habe ich mich für ein würdevolles Sterben eingesetzt", so Steurer. 2001 gründete er zusammen mit den ehemaligen Oberbürgermeistern Walter Carlein und Sigrun Lang den Förderverein des Hospizes Kafarnaum und ist bis heute Vorsitzender der Hospizstiftung.

Im Emsland will Karl Steurer ebenfalls ehrenamtlich aktiv sein. "Wenn ich dort ankomme, werde ich zur Ortsverwaltung gehen, mir eine Liste der Vereine geben lasssen und schauen, wo ich helfen kann. Die Feuerwehr kann zum Beispiel mit Sicherheit eine neue Wasserspritze gebrauchen", vermutet er.

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