https://www.badisches-tagblatt.de/spielerwahl/index.html
"Ich wollte das Haus niederbrennen"
'Ich wollte das Haus niederbrennen'
22.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Werner Frasch

Baden-Baden - Versuchter Mord in sieben Fällen: Das ist der gravierendste Vorwurf in dem Prozess gegen den 75-jährigen Angeklagten, der gestern an der Schwurgerichtskammer des Landgerichts eröffnet wurde. Der Mann soll am 18. März in einem Mehrfamilienhaus in der Lichtentaler Straße einen Brand gelegt haben. An dem Gebäude entstand ein Sachschaden in Höhe einer halben Million Euro (wir berichteten).

Die Liste der ihm außerdem zur Last gelegten Taten ist lang: Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, schwere Brandstiftung, gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen und weitere vorsätzliche Körperverletzung. Bis jetzt sind im Zeitraum bis Anfang Dezember fünf Verhandlungstermine anberaumt, bei denen zahlreiche Zeugen und ein Sachverständiger zur psychologischen Begutachtung der Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten gehört werden.

Erhebliche Zeit beanspruchte zu Prozessbeginn gestern die Klärung von Verständigungsproblemen, ausgelöst durch Hörschwierigkeiten des Angeklagten und verstärkt durch die nicht optimalen akustischen Bedingungen im Gerichtssaal. Pragmatische Lösung durch den Vorsitzenden Richter: Dem Angeklagten und seinem Verteidiger wurde zeitweise gestattet, während der Vernehmung eines Zeugen direkt daneben auf der Zeugenbank Platz zu nehmen, um sicherzustellen, dass er dessen Aussage akustisch verstehen konnte.

Nicht selbst äußern wollte sich der Angeklagte zu seiner Person. Angaben zum Tatvorwurf behielt er sich für den weiteren Prozessverlauf vor. Nach den an seiner Stelle von seinem Anwalt vorgetragenen vorbereiteten Informationen wohnte der Angeklagte seit etwa 25 Jahren in einer Wohnung im Haus seiner späteren Lebensgefährtin in der Lichtentaler Straße. Dort richtete er eine Malerwerkstatt ein und steckte nach seinen Ausführungen "viel Geld in das Anwesen". Ihm sei, so der Angeklagte in der anwaltlichen Erklärung weiter, von der Lebensgefährtin testamentarisch ein lebenslanges Wohnrecht eingeräumt worden.

In dem Testament, das nach deren Tod 2017, der den Angeklagten noch heute sichtlich mitnimmt, aufgefunden wurde, war davon allerdings keine Rede. Sein Verdacht sei, die Tochter habe eine frühere testamentarische Verfügung mit einer entsprechenden Zusicherung beseitigt. "Da hatte ich Angst, auf der Straße zu landen", so der Angeklagte. Sein Entschluss: "Ich wollte das Haus niederbrennen. Mein Plan war, das Dachgeschoss anzuzünden, das Löschwasser hätte den Rest besorgt."

Weiter kam der Verteidiger mit der Verlesung der vorbereiteten Erklärung nicht. Sein Mandant fiel ihm ins Wort. Die Äußerung "Blödsinn, was Sie da reden", führte auf Antrag des Verteidigers zu einer ersten Unterbrechung der Verhandlung. Nach einstündiger Besprechung mit dem Angeklagten verkündete der Verteidiger, dass sein Mandant an diesem Tag zu keiner weiteren Einlassung bereit sei - weder zu seiner Person noch zur Sache.

Über den Großeinsatz der Feuerwehr am Montag, 18. März, ab 11.30 Uhr sagte der Einsatzführer aus. Beim Eintreffen sei aus einer Wohnung starker schwarzer Rauch entwichen, und er habe auf einem Balkon zwei Personen entdeckt. Eine Person hatte sich, wie er später feststellte, über den Balkon ins Freie gerettet. Im Treppenhaus traf er auf den neben der Tür der Brandwohnung stehenden Angeklagten, der ihn "ganz cool und unaufgeregt" mit den Worten empfing: "Ich bin derjenige, der das Ganze veranstaltet hat." Eine Gasflasche und mehrere zum Teil gefüllte Benzinkanister wurden dem Feuerwehrmann aus der Wohnung gereicht.

Der Prozess wird am 7. November um 9 Uhr fortgesetzt.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Baden-Baden
Ein Antidepressivum in siebenfacher Dosis

09.11.2019
Vom Hobby zur ersten CD
Baden-Baden (red) - Jürgen Junk, Hobby-Gitarrist, passionierter Sänger und ehemaliger Leiter der Gunzenbach Klinik in Baden-Baden, legt mit 73 Jahren seine erste CD vor (Foto: Vollmer). Anlass für die späte musikalische Schaffenskraft war eine ehemalige Patientin. »-Mehr
Umfrage

Eine Milliarde Wildtiere sind bei den Buschbränden in Australien gestorben, zahlreiche wurden verletzt. Nun rufen Zoos zu Spenden auf. Beteiligen Sie sich daran?

Ja, ich habe bereits gespendet.
Ja, ich werde noch spenden.
Nein.
Das weiß ich noch nicht.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1