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Strahlender Lebemann fasziniert
Strahlender Lebemann fasziniert
23.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Conny Hecker-Stock

Baden-Baden - Was wäre das Spielzeitmotto des Theaters ("Ist das gerecht?") ohne eine richtig satte Kriminalgeschichte? Mit "Der Fall Hau" rollt Regisseur Rudi Gaul einen der spektakulärsten Morde des Kaiserreichs auf, der bis heute als rätselhaft gilt und nach wie vor Anlass zu vielfältigen Spekulationen gibt. Schauplatz eines der berühmtesten Morde seiner Zeit war ausgerechnet das mondäne Baden-Baden, genauer gesagt, die zur Kaiser-Wilhelm-Straße führenden Lindenstaffeln direkt hinter der Büste der Kaiserin Augusta in der Lichtentaler Allee.

Der elegante Lebemann und Jurastudent Carl Hau hatte die dort wohnhafte Josefine Molitor im Mai 1901 auf Korsika kennengelernt, zusammen mit ihren Töchtern Lina und Olga. Altersmäßig zu der jüngeren Olga passend, heiratete er dennoch Lina und reiste mit ihr nach Amerika. Sechs Jahre später wird er angeklagt, seine Schwiegermutter auf dem oben skizzierten Weg ermordet zu haben, Lina begeht darauf Selbstmord. Autor Bernd Schroeder hat sich des Dramas in einem Roman angenommen, aus dem Rudi Gaul die Theaterfassung schuf.

Die akribische Suche nach der Wahrheit spiegelt sich im Bühnenbild von Olga Motta, einem eher surrealen und multifunktionale n Archiv, in dem Familie Molitor mit Rosalinde Renn, Nadine Kettler und Maria Thomas als Archivarinnen und gleichsam Erzählerinnen in Zeugenaussagen und Dokumenten blättert, Mattes Herre spielt den Charmeur Hau. Es gibt immense Widersprüche und verschiedene Wahrheiten, interessant aus Gauls Sicht ist allein schon, dass alle damaligen Dokumente von Männern verfasst wurden.

Dabei rückte Olga schon sehr bald in eine zwielichtige Ecke. War sie doch dabei, als ihre Mutter auf ihrem Weg ermordet wurde - aus nächster Nähe, mit auf den Körper aufgesetzter Pistole. Trotzdem will sie den fliehenden Täter nur von fern gesehen haben.

Carl Hau war an diesem trüben sechsten November in grotesker Verkleidung heimlich in die Kurstadt gereist und in direkter räumlicher und zeitlicher Nähe des Tatorts gesehen worden. Doch bei den Ermittlungen fand sich weder ein Motiv noch ein Geständnis. Der Pöbel stellte sich hinter den faszinierenden Hochstapler Hau, der angeblich aus einer steinreichen Familie stammte, mit einem Vater als Abgeordneten im Reichstag. Dass der in Wahrheit nur ein kleiner Weinbauer war, wollte niemand wissen, man erschuf sich die Realität, an die man glauben wollte.

Diese Großmannssucht im ausgehenden Kaiserreich findet seine Parallelen in der heutigen Zeit mit Boris Johnson und Donald Trump, die beide nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten lügen, erklärte Rudi Gaul seine Faszination für das Thema. Olga, die rote Hexe, war für das Volk lange nicht so faszinierend wie der strahlende Lebemann Hau, obwohl die Indizien gegen ihn erdrückend waren.

Eingespielte Videos unterstreichen den Charakter einer Dokumentation, wobei Gaul sich der ethischen Fragestellung sehr bewusst ist und gar nicht erst den Eindruck vermitteln will, die ganze Wahrheit zu kennen. Er arbeitet als Regisseur für Film und Theater und inszenierte hier unter anderem Yasmina Rezas "Bella Figura".

Am Freitag, 8. November, hat "Der Fall Hau" im Theater Premiere, am kommenden Sonntag, 27. Oktober, gibt es eine Matinee dazu und jeweils 30 Minuten vor Beginn der Aufführungen eine Einführung im Spiegelfoyer.

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