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Appell: Hass über Bord werfen und aufeinander zugehen
28.10.2019 - 00:00 Uhr
Baden-Baden (co/fk) - Rund 300 Menschen waren der Aufforderung gefolgt, im Rahmen einer Kundgebung am Ooser Kreisel am Samstag ein klares Zeichen für ein offenes, tolerantes und friedliches Europa zu setzen. Bis auf eine Anzeige wegen Beleidigung gegen einen Störer verlief die Demonstration ruhig. Auf der anderen Seite wurde die AfD-Fraktionschefin im Bundestag, Alice Weidel, von ihren Anhängern in der Ooser Festhalle mit stehenden Ovationen empfangen. Die Organisatoren der Europäischen Rechten-Fraktion "Identität und Demokratie" sprachen von mehr als 300 Teilnehmern, die Polizei zählte lediglich 160 Besucher.

Innerhalb weniger Tage war es Stadtrat Thomas Gönner (Bündnis 90/ Die Grünen) und seinem Amtskollegen Christian Knäbel aus Rheinmünster gelungen, 15 Organisationen für die Kundgebung mit ins Boot zu holen. Darunter waren neben politischen Parteien zum Beispiel auch "Pulse of Europe", die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen, die Deutsch-Israelische Gesellschaft, Gewerkschaftsvertreter, "Baden-Baden ist bunt" und auch die Europa-Union.

Gönner wertete die trotz der Kurzfristigkeit hohe Zahl an Demonstranten als starken Ausdruck der Zivilgesellschaft, ein klares Zeichen für ein Europa des Friedens, der Demokratie und des Pluralismus zu setzen. "Dass es sich bei "Identität und Demokratie" um eine rechtsextreme Fraktion handelt, muss ich niemandem hier erzählen", so Gönner. Damit kam er zum eigentlichen Thema Europa. Ein Jahr Auslandsaufenthalt während Schulzeit oder Studium zähle heute zur Norm, sprach Gönner das Erasmus-Programm der EU als besten Ansatz für Freundschaft und kulturellen Austausch an und forderte, sich nicht wieder durch Nationalstaaten voneinander abzugrenzen.

Aufforderung zu



Respekt und Toleranz

Christoph Müller von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) trat entschieden gegen das Schüren von Ängsten und Hass sowie jeden Extremismus ein und für eine demokratische Gemeinschaft zum Wohl aller Völker auf der Grundlage von Solidarität, Respekt und Toleranz. Oliver Ehret von "Pulse of Europe" bezeichnete die These der Fraktion "Identität und Demokratie", nationale Parlamente würden sich durch die EU entmachten lassen und zu viele Kompetenzen abtreten, als Polemik: "Alles, was die AfD hier als undemokratisch brandmarkt, wurde demokratisch abgestimmt, daran war auch Deutschland beteiligt." Im Grund stehe im Programm der Partei der Wunsch nach einem deutschen Brexit. "Sie sprechen es nur nicht aus, das ist grad nicht so populär".

Das nationalsozialistische Regime sei eben nicht nur ein "Vogelschiss in unserer Geschichte" spielte die Vorsitzende der Jusos Baden-Baden/ Rastatt, Annabelle Sonn, auf ein umstrittenes Zitat von AfD-Chef Alexander Gauland an. Sie appellierte, Hass über Bord zu werfen und unabhängig von der Nationalität aufeinander zuzugehen.

Diakon Stefan Lutz-Bachmann sprach sich klar gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit aus. Europäer zu sein, stehe für ein "Gemeinschaftsgefühl mit vielen verschiedenen Kulturen" bei gleichzeitiger Wertschätzung eigener regionaler Wurzeln. Er verwies auf die Europäische Union als erfolgreichstes Friedensprojekt der letzten Jahrzehnte, das es zu erhalten gelte. Stadträtin Cornelia von Loga sagte: "Es liegt an uns, Europa mit Freiheit und Liebe zu erfüllen".

In der Festhalle machte sich derweil der Baden-Badener AfD-Europaabgeordnete Joachim Kuhs über die Arbeit der EU lustig und brandmarkte sie mit polemisch anmutenden Beispielen als überflüssig. Alice Weidel ging noch weiter - rhetorisch eloquent, aber nicht weniger polemisch schürte sie Ängste vor den AfD-Schlagwortthemen Zuwanderung, Entchristianisierung, Finanzkrisen, Arbeitslosigkeit et cetera und machte sich über politische Gegner lustig ("Hätte nicht gedacht, dass sie bei der SPD so dumm sind"). Realistische Lösungsansätze blieb sie aber schuldig - ein mit dem BT vereinbartes Interview ließ sie im Anschluss an die Veranstaltung kurzfristig krankheitsbedingt absagen.

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