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Rentnerin erschwindelt 80 000 Euro
Rentnerin erschwindelt 80 000 Euro
29.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Werner Frasch

Baden-Baden - Die Anklage gegen eine 70-jährige Rentnerin hatte es in sich: Im Laufe von wenigen Monaten soll sie von einer jetzt 76-jährigen alleinstehenden Frau insgesamt mehr als 80 000 Euro erschwindelt haben.

Dazu habe sie gegenüber der Geschädigten, der sie freundschaftlich verbunden sei, behauptet, an einer schweren Krankheit zu leiden, für deren Behandlung sie hohe Summen aufbringen müsse. Die Angeklagte habe gewusst, dass sie finanziell nicht in der Lage sein werde, die Rückzahlung zu leisten, so die Anklage.

Gestern wurde die Frau vom Schöffengericht des Amtsgerichts zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren und zur Wiedergutmachung des nach noch bestehenden Restschadens von rund 65 000 Euro in monatlichen Raten verurteilt. Diese muss sie auf ein Bankkonto überweisen, von dem sich - wie der Richter betonte - das Gericht jederzeit durch "Auszüge davon überzeugen können muss, dass die Raten regelmäßig geleistet werden". Veranlassung zu der Bewährungsauflage sah das Gericht wohl in der Frage der Angeklagten, was sie denn machen solle, wenn "meine Freundin die Annahme des Geldes verweigert". Während der Bewährungszeit von fünf Jahren wird der Rentnerin ein Bewährungshelfer zur Seite stehen, vor allem um ihr eigenes finanzielles Desaster in den Griff zu bekommen. Bisher waren die Verurteilungen offenbar nicht mit einer solchen Auflage verbunden gewesen, obwohl das Strafregister der Angeklagten 15 Einträge wegen einschlägiger Straftaten im Laufe von rund 20 Jahren aufwies, die jeweils mit Bewährungsstrafen geahndet worden waren. "Hier hätte schon früher reingegrätscht werden sollen", so der Richter.

Geständnis als

Grundlage für Urteil

Gestützt hat das Gericht sein Urteil vor allem auf ein Geständnis der Angeklagten, das sie in einem auf Anregung der Verteidigerin nichtöffentlich geführten sogenannten Verständigungsgespräch abgelegt hatte. Darin bestätigte sie die Vorwürfe und sah ein, "dass es ein Fehler war, dass ich Geld angenommen habe, obwohl ich wusste, dass ich es nicht zurückzahlen kann." Sie habe mit dem Geld Schulden aus ihrer Selbstständigkeit bezahlt.

Aus der Aussage der Geschädigten wurde indessen nicht eindeutig klar, ob sie die Geldsummen als Geschenk oder als Darlehen verstanden hatte, obwohl im Prozess ein Darlehensvertrag auftauchte. Begonnen hatten die Zahlungen im Mai 2016 mit Beträgen zwischen 700 und 900 Euro. Rasch steigerten sie sich auf bis 4 500 Euro fast im Tagesrhythmus. "Immer wenn meine Freundin Geld brauchte, habe ich ihr etwas gegeben", schilderte die Geschädigte das Verhältnis zwischen ihr und der Angeklagten, die sie wiederholt als "beste Freundin, die sich sehr um mich kümmert" bezeichnete. Erinnerungslücken, die auch bei ihrer Vernehmung zutage traten, seien der Grund, dass ihre Anzeige bei der Polizei falsch sei, sagte sie. "Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich meiner Freundin gegenüber so schlecht benommen habe", war sie über sich selbst entsetzt.

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