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Zeit für die Enkel und zum Gitarre spielen
05.11.2019 - 00:00 Uhr
Von Marvin Lauser

Baden-Baden - Das ganze Berufsleben bei einem Arbeitgeber zu verbringen, schaffen nicht viele Menschen. Jochen Gebele ist einer von ihnen. Der 64-Jährige arbeitet seit seinem Zivildienst in verschiedenen Verbänden der Caritas: Von Konstanz hat es ihn nach Horb am Neckar und letztlich nach Baden-Baden verschlagen. Er war sein ganzes Berufsleben dem Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche treu.

Zur Caritas ist Gebele per Zufall gekommen. "Schon in der Oberstufe war es mein Traum Sozialpädagogik zu studieren", sagt Gebele im BT-Gespräch. Doch zuvor musste Gebele Zivildienst leisten. Dazu wollte er raus aus seiner Geburtsstadt Karlsruhe. Es zog ihn im November 1976 an den Bodensee, nach Konstanz. Dort arbeitete Gebele bis Februar 1978 mit Menschen mit Behinderung. Sein erster Arbeitgeber: der Caritasverband Konstanz.

Seinen Studienwunsch konnte sich Gebele anfangs nicht erfüllen. Denn den nötigen Numerus clausus (NC) konnte er mit seinem Abitur nicht vorweisen. Doch dann wurde die Berufsakademie, die heutige duale Hochschule, in Villingen-Schwenningen gegründet. "Da hatte ich der Caritas zum ersten Mal was zu verdanken", blickt Gebele zurück. Für das Studium an dieser Hochschule war nämlich nicht der NC, sondern der Ausbildungsplatz entscheidend. Den bekam er in Konstanz und deshalb konnte Gebele ab Juli 1978 studieren. Anschließend ging es für den Diplomsozialpädagogen nach Horb am Neckar, zum Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Wenig später, am 24. Oktober 1980, läuteten die Kirchenglocken und Gebele heiratete seine Jugendliebe Regina. Beide wollten mit ihrem kleinen Sohn Niklas zurück ins Badische, zu den Großeltern, ziehen. Am 1. Januar 1985 schlug Gebele deshalb seine beruflichen Zelte in Baden-Baden auf. 14 Jahre lang war er dann Leiter der Wohnungslosenhilfe. Seit Februar 1999 ist er Geschäftsführer des kurstädtischen Caritasverbands. Diese Ära geht mit seiner offiziellen Verabschiedung am Donnerstag, 21. November, im Rantastic zu Ende. "Es wird ein sehr, sehr schwerer Abschied, mir graut es schon vor der Rede, die ich halten muss."

Gebele bezeichnet sich selbst als "gläubigen Christen" - das war aber nicht immer so. Er ist zwar von Haus aus Katholik, "das wurde bei uns zu Hause aber nicht so gelebt". Erst durch seine Frau und die Nächstenliebe, die er im Berufskontext erfahren habe, hat sich sein Glaube entwickelt. "Ich wurde schnell zum Überzeugungstäter", erzählt Gebele.

Christliche Nächstenliebe ist seit Jahrzehnten sein Beruf und auch seine Berufung. Damit ist er in seiner Familie aber nicht der Einzige. Seine Ehefrau

arbeitet in einem katholischen Kindergarten in ihrem Wohnort Rheinstetten, sein Sohn Niklas und Schwiegertochter Sabine sind Psychotherapeuten, seine Tochter Leonie und ihr Mann Rouven Sonderschullehrer. Den beiden Enkeln Leo und Linus wurde die soziale Ader quasi in die Wiege gelegt.

"Den Termindruck

werde ich nicht missen"

Gebele, der stets ein Lächeln auf den Lippen hat, haben die vergangen Jahre aber auch belastet, "Ich war als Geschäftsführer mit Verantwortung für 160 Mitarbeiter sicher auch mal zu wenig für meine Frau und meine Kinder da. Den ständigen Termindruck werde ich sicher nicht vermissen", sagt er. "Ich mache jetzt erst mal zwei, drei Monate nichts", dann sei er offen für eine ehrenamtliche Tätigkeit, erklärt Gebele, dem sowohl aus Baden-Baden als auch Rheinstetten schon Anfragen vorliegen.

Einem gängigen Rentnerklischee möchte er aber nicht entsprechen: "Ich bin 35 Jahre lang von meinem Wohnort Rheinstetten nach Baden-Baden gependelt, ich werde jetzt auch im Ruhestand nicht hierher ziehen." Vielmehr möchte er ein Rentner sein, "über den sich manch einer vielleicht lustig macht": Er nennt einen Freund, den er sich zum Vorbild nehmen will: Dieser sei schon Rentner, habe zwischen Fitnessstudio, Gitarrenunterricht und Motorradtouren aber oft keine Zeit. "Ich freue ich mich schon sehr darauf, meine Enkel zu hüten, will mir aber auch Träume verwirklichen und Zeit für mich haben."

Damit fängt Gebele Ende November an. Mit seiner Nachfolgerin Angelika Berger geht es zu einer Tagung nach Münster. Anschließend möchte er dort eine Woche für sich allein sein und sich überlegen, wie es im neuen Lebensabschnitt für ihn weitergehen soll. Auf jeden Fall will er sich mehr Zeit für seine Enkel und seine Familie nehmen. Außerdem will er "trotz Arthrose an den Händen" Gitarrenunterricht nehmen und mit Freunden musizieren. "Ein bisschen besser als gehobenes Lagerfeuerniveau will ich spielen können." Und auch in der Rente geht es sozial weiter: Gebele überlegt, sich einen Hund zuzulegen und diesen zum Begleit- oder Therapiehund auszubilden.

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