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Instrumente erwachen zum Leben
08.11.2019 - 00:00 Uhr
Von Amelie Schnurr

Baden-Baden - Was ist das Theater eigentlich für ein geheimnisvoller Ort und was passiert nach einem Konzert, wenn niemand mehr dort ist? Es wird dunkel im ganzen Raum und die Instrumente, die sonst keinen Einfluss darauf haben, was auf ihnen gespielt wird, dürfen endlich so musizieren, wie sie schon immer wollten.

Das französische Schlagzeugquartett Quatuor Beat (Gabriel Benlolo, Jérôme Guicherd, Hervé Trovel und Laurent Fraiche) brachte genau diese Überlegung mit ihrem szenischen Konzert "Chuuut", das für Kinder geschrieben wurde, am Mittwochnachmittag und Donnerstagmorgen auf die Bühne des Festspielhauses. Um die richtige Atmosphäre für die kleinen Zuschauer zu schaffen, die zahlreich erschienen sind, saß das Publikum - mitten im Geschehen - auf der Bühne. Die Geschichte von "Chuuut" beginnt mit dem Ende eines Konzerts, das mit Vivaldis "Sommer" aus "Die Vier Jahreszeiten", von drei Musikern auf dem Marimbafon gespielt, endet. Die Bühne wird nach dem Applaus des Publikums dunkel, die Musiker ziehen sich um und die Instrumente werden geputzt und verräumt. Dann beginnt das Spektakel: Trommeln fangen an, beliebige Rhythmen zu klopfen, die Triangel beginnt zu spielen, Lichter gehen an und aus, und so erwachen nach und nach alle Instrumente auf der Bühne zum Leben. In "Chuuut" kann man die Musik nicht nur hören, sie wird für das Publikum sichtbar. Auf einen Trommelschlag geht das Licht an, und Geräusche werden durch Lichteffekte untermalt.

Aus dem von einer Triangel gespielten Rhythmus ergibt sich, in Kombination mit Marimbafon, Glockenspiel und verschiedenen hohen Glocken, Tschaikowskys "Tanz der Zuckerfee" aus dem Ballett "Der Nussknacker". Nicht nur die jungen Gäste sind begeistert von dem nach und nach entstehenden bekannten Stück, das mit lustiger Schauspielerei und hoher musikalischer Qualität überzeugte.

Für viel Lachen im Publikum sorgt "Clapamerica", ein eigenes Bühnenstück von Quatuor Beat, das ganz ohne Instrument auskommt. Klatschende und schnipsende Hände, die durch aufgeklebte Augen zum Leben erwachen, sorgen für einen Höhepunkt. Die Handfiguren necken sich, lachen übereinander und streiten sich - dabei entwickelt sich erneut ein beeindruckender Rhythmus, der die kleinen Zuschauer zum Mitwippen bringt.

In die Zeit des Barocks versetzt das Schlagzeugquartett das Publikum mit einem Auszug aus dem Stück "Ricercar" von Johann Sebastian Bach. Hierbei spielt das Ensemble mit aufgesetzten Perücken gleichzeitig auf drei Marimbafonen. Ebenfalls verkleidet zeigen sich die Musiker bei ihrem letzten Stück der Aufführung: Als Mädchen gekleidet tanzen die Schlägel, befestigt an deren Füßen, beim "Säbeltanz" aus Chatschaturjans Ballett "Gayaneh" auf einem Marimbafon.

Die Aufführung endet in einem begeisterten Applaus. Gabriel Benlolo fordert das Publikum zum Klatschen nach seinem Dirigat auf. Dadurch entsteht ein eigener Rhythmus, in den das Schlagzeugensemble mit einer Zugabe einsteigt und nochmals die Zuhörer mit magischen Schlägeln begeistert.

Die Antwort auf die Frage, was nun wirklich nach einer Konzertaufführung passiert, wird wohl niemand jemals wissen, aber "Chuuut" hat gezeigt, dass das Theater ein Ort der Magie ist.

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