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Nicht sehr elysisch: "Geisterfahrer" auf dem Gehweg
12.11.2019 - 00:00 Uhr
Baden-Baden - Wenn das der gute, alte Ludwig van gewusst hätte, was sich in seiner soliden Beethovenstraße so alles an Raritäten, Kuriositäten und Illegalitäten abspielt. Die Wartezeit an der Roten Ampel jedenfalls wird einem selten sonderlich lang. Schon gar nicht bei den etlichen "Geisterfahrern", die - womöglich nach einem Freude-schöner-Götter-Trunk - einem hier entgegenhuschen.

Da steht man also nichts Böses ahnend und auf Grünes Licht harrend in der Schlange, als plötzlich aus südlicher Richtung, genau gesagt vom Vorhof einer "room-reichen" Hotelanlage einem ein Fahrzeug entgegenkommt. Das allerdings nur zur Hälfte, strenggenommen. Denn weil d er Platz auf der Straße halt leider nicht ganz ausreicht, muss der Fahrer mit der rechten Flanke seines Gefährts schon den halben Gehweg in Anspruch nehmen, was dem Ganzen eine Costa-Concordia-verdächtige Schieflage verleiht, bevor die Nobelkiste schließlich flugs in die nächstgelegene Tiefgarage verschwindet. Parkplatzsuche leicht gemacht und fraglos eine ziemlich schräge Aktion, vor allem aus Fußgängersicht.

Nun, die kritische Stelle ist gerade mal 17 Meter lang, und die Fahrbahn hier mit über fünf Metern Breite wirklich geräumig, aber, sorry, ist das nicht Einbahnstraße hier?, schießt es mir durch den Kopf, noch ganz benebelt vom Adrenalinschub an der unübersichtlich-heiklen Mozartstraßenkreuzung, die ich nur dank obligatorischem Weitwinkelblick (Augen rechts, Augen links, rechts-links, links-rechts und nochmals rechts-links-rechts) halbwegs unfallfrei überquert habe. In der Tat Einbahnstraße. Doch who cares, wenn der "Falschfahrer", anstatt korrekt das ganze Karree via Leopoldstraße und Mozartstraße im großen Bogen zu umfahren (alternativ auch ganz großen Bogen via Balzenbergstraße) - was übrigens knapp eine Minute alias schlappe 500 Meter mehr in Anspruch nehmen würde -, einfach mal den kleinen Dienstweg benutzt?

Es ist jedenfalls kein Einzelfall, aber offenbar eine lässliche Sünde. Aus dem Rathaus heißt es, derlei Fahrmanöver stünden nicht dezidiert auf dem Index. "Streng genommen müsste man natürlich bis zum Verfassungsplatz vorfahren und dort umkehren", weiß Pressesprecher Roland Seiter. Doch frei nach dem Motto "Wo kein Kläger, da kein Richter" wird die Ausnutzung dieser verkehrstechnischen Gesetzeslücke vorerst toleriert - bis dato jedenfalls. Denn Verfassungsplatz hieße gleich mal vier Ampeln mehr oder drei Minuten Umweg. Das für 17 Meter?

Von diesem Schrecken erst einmal erholt, werde ich, ampeltechnisch immer noch von "Rotlicht"-Milieu umgeben, Zeuge eines weiteren fragwürdigen Manövers, diesmal zu meiner Rechten, wo ein ungeduldiger Zeitgenosse die örtliche Tankstelle (ein Shell-m, wer Böses dabei denkt) als Abbiegespur interpretiert und auf diese Art, akuten Tankbedarf fingierend, den Zugang zur ersehnten Lange Straße ebenso kreativ einfach kurzschließt. Semilegal und sicher nicht die feine englische Art. Denn zu allem Übel kommt just im selben Moment aus Richtung Innenstadt ein tatsächlich tankwilliger Zeitgenosse und blockiert - da er ja nicht zur Zapfsäule durchdringt - wiederum die zeitnahe Auflösung meiner Schlange. Die Grün-Phase ist also wieder mal völlig für die Katz'! Na herrlich, sagt sich mein Bleifuß, tritt erneut auf die Bremse und freut sich schon auf das nächste "Gespenst" auf vier Rädern.

Zu meinem vollständigen Glück in solchen Momenten fehlen eigentlich nur ein kleiner Ohnmachtsanfall ob der Spritpreise oder irgendwelche kapitulierenden Rauchzeichen aus jener besagten Tiefgarage, in der manchmal sogar manch edler Porsche vor sich hinkokelt - was übrigens den Einsatz von gleich acht Feuerwehrfahrzeugen nach sich ziehen kann. Wie die durch meinen Stau hier wollen, würde ich mal gerne wissen. Womöglich auch auf dem kleinen Dienstweg? Baden-Baden ist schon ein heißes Pflaster. Da sag' ich mit Herrn Beethoven nur: Nicht sehr elysisch! Nicht sehr elysisch! Franz Vollmer

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