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Musizieren über die Grenze hinweg
16.11.2019 - 00:00 Uhr
Von Amelie Schnurr

Baden-Baden - Was passiert, wenn 600 Grundschulkinder aus Frankreich und Deutschland im Kurhaus zusammen kommen, einem Konzert lauschen und anschließend in Ateliers mithilfe ihres Körpers Musik machen? Dieses Experiment ist Orchestermanager Arndt Joosten gemeinsam mit der Baden-Badener Philharmonie am Donnerstag im Rahmen der deutsch-französischen Kinderkonzerte eingegangen. Auch die dritte Klasse der Lothar-von-Kübel-Grundschule aus Sinzheim hatte sich diesem Projekt angeschlossen.

Nachdem sich das Kurhausfoyer mit vielen verschiedenen Klassen aus dem Baden-Badener Umkreis und Kindern aus dem Elsass gefüllt hatte und aus allen Ecken deutsche sowie französische Unterhaltungen vernommen werden konnten, begannen im Weinbrennersaal die "deutsch-französischen Kinderkonzerte". Bei diesen Kinderkonzerten sei man immer bemüht, etwas zu schaffen, das in der Form ausschließlich in dieser Region stattfinden könne, sagte Organisator Joosten.

Die Begrüßung wurde wie die gesamte Veranstaltung zweisprachig geführt. Hierfür hatte Joosten einen jungen Dolmetscher. Lukas Trabold, dessen Vater Norbert Trabold Posaunist bei der Philharmonie ist, übernahm gekonnt den französischen Part. Nach und nach baten die beiden Moderatoren die Musiker auf die Bühne, indem sie den jungen Zuhörern die jeweiligen Instrumente vorstellten.

Es traten die Violinen mit ihren großen Schwestern Violen, dem großen Bruder Violoncello und dem Großvater Kontrabass auf. Es erschien die Flöte mit ihrer kleinen Schwester Piccolo, die zarte und hohe Töne spielen kann. Mit dem Anfang der "Marseillaise", was für heitere Stimmung vor allem im französischen Publikum sorgte, traten die Trompeten auf die Bühne. Als alle Instrumente ihren Platz eingenommen und den kleinen Konzertbesuchern jeweils eine kurze Hörprobe gegeben hatten, fehlte nur noch eine Person, bevor das Ko nzert beginnen konnte. Um zu unterstreichen, wie wichtig die Anwesenheit eines Dirigenten ist, sollten die jungen Zuhörer gemeinsam zur selben Zeit klatschen. Das Experiment brachte das vorgesehene Ergebnis: Es brauchte definitiv einen Dirigenten wie Davide Perniceni, um zusammen zum richtigen Zeitpunkt zu klatschen.

Beim ersten Stück "Walking in the air" wurde die Philharmonie von drei jungen Sängerinnen unterstützt, die das dreisprachige Lied mit ihren zarten Stimmen auf Deutsch, Französisch und Englisch sangen. Die Grundschulkinder kannten das Lied alle, da sie dies zuvor im Unterricht einstudiert hatten, und durften im zweiten Durchgang mitsingen. Es entstand ein großer Chor im Weinbrennersaal. Nach dieser Einstimmung wurde der Zeichentrickfilm "Der Schneemann" von Raymond Briggs gestartet, und die Philharmonie nahm das junge Publikum mit auf eine Reise in die Winterwelt des Schneemanns.

Nach einer kurzen Pause ging es für die Grundschulkinder in aufgeteilten Gruppen in die Ateliers. Die Grundschüler aus Sinzheim kamen zusammen mit zwei anderen Grundschulen aus Deutschland und drei Grundschulen aus Frankreich in das durch die französische Moderatorin Magaly Jungbluth und dem Posaunisten Norbert Trabold geleitete Atelier. Es wurden Aufwärm- und Lockerungsübungen gezeigt und zusammen ausprobiert, gesprungen, gesungen und getrommelt. Magaly Jungbluth zeigte den Kindern, wie man nur mit seinem Körper verschiedene Rhythmen erzeugen und damit gemeinsam musizieren kann.

Aus anfänglichem Klatschen in die Hände, auf die Oberschenkel und die Brust entstand bald ein ganz eigener Rhythmus, den Norbert Trabold mit einer Melodie auf seiner Posaune untermalte. Die Kinder bekamen spannende Einblicke, was die Posaune so alles kann. Wie entstehen die tiefen Töne? Und was passiert, wenn man auf einer auseinandergebauten Posaune spielt?

Mit vielen neuen Eindrücken und vielleicht noch dem Rhythmus im Ohr machten sich die Sinzheimer Grundschüler schließlich auf den Heimweg.

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