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Auf femininen Spuren durch Baden-Baden
23.11.2019 - 00:00 Uhr
Von Dagmar Uebel

Baden-Baden - Die Baden-Badener sind stolz auf ihre Stadt. Zu Recht, kann sie sich doch mit namhaften Persönlichkeiten schmücken. Beispielsweise erblickte Max von Baden, 1918 der letzte Reichskanzler des deutschen Kaiserreichs, hier das Licht der Welt. Max Grundig, der Gründer des gleichnamigen Elekronik-Konzerns, und auch Robert Koch, Mediziner und Entdecker des Tuberkulose-Bakteriums, taten hier ihre letzten Atemzüge. Johannes Brahms und auch Fjodor Dostojewski wohnten sehr gern in Baden-Baden. An Letzteren erinnert ein ganzes Museum. An das Wirken des revolutionären Dichters Georg Herwegh erinnert eine Tafel an seinem ehemaligen Wohnhaus in der Sophienstraße 21. Darunter, weit später angebracht, eine ebensolche, seiner Frau Emma gewidmet.

Da fällt fast zwangsläufig der oft gehörte Spruch "Männer machen Geschichte, Frauen Geschichten" ein. Manchmal ist es aber auch umgekehrt, und Frauen sind es, die mindestens genauso wirksam waren und sind. Aber wie kommt es, dass im Verzeichnis bekannter Baden-Badener Stadtprominenz Frauen weit in der Unterzahl sind?

Dafür interessierte sich die Gernsbacherin Gisela Plätzer und hatte unter dem Motto "Frauengeschichten aus Baden-Baden" einige Gleichgesinnte zu einem Spaziergang durch die Stadt eingeladen. Dabei gelang es ihr, ein paar gängige Vorurteile Frauen gegenüber vom Kopf auf die dazugehörigen Füße zu stellen. Indem sie, fast im Vorüberschlendern, einige Baden-Badener Frauen mit ihren Geschichten und Schicksalen in den Fokus rückte.

Lag doch die erwartete Bedeutung der Frauen jahrhundertelang darin, Kinder zu erziehen, für den Familienunterhalt zu sorgen und sich selbst etwas im Hintergrund zu halten. Nicht ohne Aufbegehren, wie die Dichtergattin und Revolutionärin Emma Herwegh betonte: "Warum soll ich weniger sein als ein Mann?" Und der sogar ihr Mann bescheinigte, "ein Republikaner erster Sorte zu sein".

Robert Schumann soll es nicht gern gesehen haben, wenn sich seine Frau Clara selbst weiterentwickelte und ihr Stern zu hell erstrahlen wollte. Eine Tafel an ihrem damaligen Wohnhaus in der Lichtentaler Hauptstraße 8 erinnert an die Frau, die trotz ihrer sieben Kinder als Pianistin international erfolgreich war.

Auch schon vor Jahrhunderten spielten, wie die Spaziergängerinnen von Plätzer erfuhren, Frauen, mit welchen Talenten und Möglichkeiten auch immer, bedeutsame Rollen. Das Andenken an Irmengard Markgräfin von Baden ist noch heute vor allem in Kirchenkreisen lebendig, gründete sie schon im 13. Jahrhundert ein Frauenkloster des Zisterzienserinnen-Ordens Lichtenthal. Anliegen der Maria Franziska Markgräfin von Baden war es, bei Gründung des "Klosters zum Heiligen Grab" auch eine Mädchenschule anzuschließen: "Zur besseren Instruierung der Jugend."

Pauline Viardot-Garcia s wunderbaren Sopran bewunderten Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur Franz Liszt und der russische Literat Iwan Turgenjew. Im Jahre 1863 zog die Musikerin mit ihrer Familie in die Kurstadt und war so maßgeblich daran beteiligt, dass sich die Kurstadt zur internationalen Kulturstadt entwickelte. Ihre Büste ist am Rande des Fußwegs nahe dem Baden-Badener Stadtmuseum zu finden. Durch die üppige Vegetation der Parkanlage fast etwas verdeckt, wird sie aber bei näherem Herantreten gut sichtbar.

Auch heute noch zu bewundern ist der Komplex der Bühlerhöhe. Von Herta Isenbart im Andenken an ihren Mann als Genesungsheim für Offiziere geplant, galt es noch bis vor wenigen Jahren als ein Hotel der Luxusklasse.

Nicht weniger engagiert, aber ganz anders, weil unter völlig anderen Bedingungen, muss das Engagement der Unternehmerin und Politikerin Leonore Mayer-Katz gesehen werden. Ihr gelang es, mit einer Abordnung des Französischen Roten Kreuzes und später zusammen mit einer Delegation des Internationalen Roten Kreuzes im Mai 1945, nicht nur ihre Mutter und einige Verwandte, sondern noch weitere badische Häftlinge aus dem KZ Theresienstadt nach Hause zu holen. Eine Tafel, die diesen Mut würdigt, befindet sich in der Winterhalter Straße 1, direkt neben dem Eingangstor des Grundstücks.

Von der Unternehmerin Rosel Heim, der Gründerin des ersten Kosmetik-Institituts in der Lange Straße 17, sagen Fachleute anerkennend, sie hätte "sicher mehr zur Emanzipation und Gleichstellung der Frauen beigetragen als manche Politikerin". Ihr zu Ehren wurde eine Büste vor ihrem ehemaligen Wohnhaus, heute das Restaurant "Molkenkur" in der Quettigstraße 19, aufgestellt. Ihr Anspruch an die Fertigung kosmetischer Mittel hieß: "Zum Einfachen kommen, zum Selbstverständlichen, zu dem, was der Natur entspricht." Diesem Motto fühlt sich auch heute noch die Firma "Rosel Heim Naturkosmetik" verpflichtet. Sie wird - jetzt schon in der vierten Generation - von Rosel Heims Nachkommen weitergeführt.

Ob Klostergeschichte, Mädchenbildung, soziales, künstlerisches, geschäftliches oder politisches Engagement: "Alle Baden-Badener Frauen, die in ihrer Zeit hervortraten, haben es verdient, vor dem Vergessen bewahrt zu werden", stellte Plätzer heraus. Und sei es auch nur am Beispiel einer kleinen erlebten Auswahl während eines wunderbaren Spaziergangs durch die Stadt. Dabei konnte nur einiger der für die Stadt bedeutsamen Frauen gedacht werden. Für den in diesem Sinne guten Ruf Baden-Badens sorgten noch wesentlich mehr Frauen, wie das dem Spaziergang zu Grunde liegende Buch "Zwischen Suppenküche und Allee - Geschichten aus Baden-Baden" beweist.

Wer weiß, vielleicht spazierte auch Clara Schumann während ihrer Zeit in Baden-Baden auf gleichen Wegen durch die Lichtenthaler Allee. Und vielleicht hob sie zusammen mit einigen ihrer Kinder bunte Blätter unter denselben Bäumen auf, die auch heute noch die Wege säumen. Diese historisch beladene Möglichkeit verlieh den Spaziergängerinnen aus Gernsbach ein ganz klein bisschen Stolz auf ihre Geschlechtsgenossinnen.

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