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Ein Topfset als kleiner "Luxus" zum Fest der Liebe
05.12.2019 - 00:00 Uhr
Von Nina Ernst

Baden-Baden - Zu Beginn ein fester Händedruck, zum Schluss eine Umarmung. Dazwischen viel Herzlichkeit und vor allem Dankbarkeit. Dankbar ist Ursula Stark dafür, dass seit Jahren bei der Aktion "BT-Leser bereiten Weihnachtsfreude" an sie gedacht wird - und sie sich dadurch mal einen Wunsch erfüllen kann, der sonst unerfüllt bleiben müsste.


Ihre Wünsche sind ganz profan. Eine Heißluftfritteuse, einen Staubsauger, eine Kaffeepad-Maschine - das hat sie sich für die Spende schon "gegönnt". Während ein Normalverdiener auch unterm Jahr solche Anschaffungen tätigen kann, hat Ursula Stark diesen "Luxus" nicht. Für sie ist das Geld jährlich ein Bonbon zu Weihnachten, ein Highlight im Jahr, verrät sie. Dieses Jahr steht ein Topfset auf ihrer Wunschliste. Mit ziemlicher Sicherheit wird sie sich auch bald wieder über eine Spende freuen können, denn Ursula Stark ist dauerhaft auf soziale Unterstützung von der Stadt angewiesen. Witwen- und Erwerbsminderungsrente reichen zum Leben nicht aus - bleiben ihr doch nur rund 50 Euro Haushaltsgeld pro Woche übrig. Das muss für sie und ihr Ein und Alles, ihre schwarze Katze Kitty, reichen. Mit ihr hat sie es sich in der kleinen Wohnung in der Danziger Straße heimelig gemacht. Unübersehbar ist dort ihr Faible für Plüschtiere und für Katzen - und doch zeugen auch etliche Medikamentenschächtelchen auf dem Wohnzimmertisch und in den Regalen an den Wänden von Krankheiten, die Ursula Stark gebeutelt haben.

Sie hatte es in ihrem Leben nicht leicht und musste - muss bis heute - ihrem Nachnamen alle Ehre machen. Die echte Baden-Badenerin ("Im Kurhaus habe ich laufen gelernt") ist mittlerweile nur noch schwer zu Fuß, braucht einen Rollator, der Gang vor die Türe fällt ihr zunehmend schwerer. "Gestern bin ich am Schweigrother Platz umgefallen", erzählt sie beim BT-Besuch. Man habe ihr aufhelfen müssen, allein hätte sie es nicht geschafft. Und nicht nur in solchen Situationen kann sich Ursula Stark nicht selbst helfen und braucht Unterstützung. Diese erfährt sie eben auch einmal jährlich vom Verein "BT-Leser bereiten Weihnachtsfreude", der seit 1958 bedürftige Baden-Badener unterstützt.

Als regelmäßige Stütze hat sie Guido Glasstetter vom Betreuungsverein des Sozialdiensts katholischer Frauen als rechtlichen Betreuer an ihrer Seite. Er greife ihr vor allem bei "Behördensachen" unter die Arme, erzählt er, eine Haushaltshilfe helfe ihr bei alltäglichen Arbeiten. Ansonsten sei sie eine "recht gut organisierte Betreute", die "sehr selbstständig lebt", sagt Glasstetter.

Soweit es denn geht. Denn mit nicht einmal zehn Jahren erlitt Ursula Stark eine Hirnhautentzündung, 1973 einen Wirbelbruch, mittlerweile hat sie vier Bandscheibenvorfälle hinter sich, sie leidet unter Bluthochdruck, Blutarmut und immer wieder unter Asthmaanfällen. Zudem haben ihr erst vor Kurzem die Ärzte eröffnet, dass ihr Herz dreimal so groß wie normal und ihre rechte Lunge angegriffen sei. So war es Ursula Stark nach Kindergarten und Förderschule nicht möglich, eine Ausbildung zu machen. Gearbeitet hat sie trotzdem, erzählt sie. Im ehemaligen Pflegeheim "Haus am Berg" hat sie als Küchenhilfe, im Service und als Reinigungskraft ihr Geld verdient. Und nicht nur körperlich hat es die 63-Jährige schwer getroffen. Zwei Mal hat sie ihren Lebenspartner verloren: Vor sieben Jahren hat sie ihren Ehemann tot in der Wohnung gefunden, vor zwei Jahren ereilte sie das gleiche Schicksal mit ihrem Freund. Das macht ihr zu schaffen: "Ich konnte mich nicht von meinem Mann verabschieden und auch nicht von meinem Freund." Nun teilt sie ihre Mietwohnung nur mit Katze Kitty, ihr neuer Freund - "ein ganz lieber Kerl" - kommt an den Wochenenden zu Besuch.

Mit Kitty und ihrem Freund will sie in diesem Jahr den Heiligen Abend verbringen. Und sie wird es in diesem Jahr endlich einmal wieder zum Weihnachtsfest der Diakonie schaffen. Oft habe sie absagen müssen, da es für sie mit dem Bus einfach nicht machbar gewesen sei. Nun ist das Fest nicht am Wochenende, sondern unter der Woche, und die Busverbindungen sind damit besser - was Ursula Stark ein zufriedenes Lächeln entlockt.

Wer die BT-Aktion unterstützen möchte, kann das mit einer Spende auf eines der folgenden Konten tun: Sparkasse Baden-Baden/Gaggenau, IBAN: DE52 6625 0030 0000 0564 57 oder Volksbank Baden-Baden/Rastatt, IBAN: DE10 6629 0000 0001 3022 05

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