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Eine Gesellschaft, die auf Lügen basiert
Eine Gesellschaft, die auf Lügen basiert
09.01.2020 - 00:00 Uhr
Von Marvin Lauser

Baden-Baden - "Dit is die Wand" berlinert "Hamlet"-Regisseur Harald Fuhrmann nach dem gestrigen Pressegespräch, als er das Prägendste am Bühnenbild seiner Inszenierung vorstellt. Es handelt sich um eine aus 16 Elementen bestehende Wand mit "schaltbaren Gläsern", wie Timo Dentler es nennt, der gemeinsam mit Okarina Peter für Bühne und Kostüme verantwortlich zeichnet. Sie besteht aus acht großen, hohen und schlanken Elementen und acht kleineren darüber. "Wir können jedes der Elemente einzeln anwählen und die Scheibe entweder durchsichtig oder milchig machen", kündigt Dentler an. Zumindest in der Theorie. Aktuell gehe eines der Elemente nicht, man darf gespannt sein, ob das technische Problem bis zur Premiere behoben werden kann.

Da die Theaterbühne in Baden-Baden aus zwei drehbaren Elementen besteht, lässt sich "die Wand" auch zu einem Tor umfunktionieren, erklärt Dentler, der die schaltbaren Glaselemente im Portugalurlaub in einer Bank gesehen hat und unbedingt in sein "Hamlet"-Bühnenbild einbauen wollte. Diese "Rotationsmaschine" (Dentler) "spuckt" die acht Schauspieler des mit Doppelbesetzungen "im Sinne Shakespeares" (Fuhrmann) arbeitenden kleinen Ensembles in den jeweiligen Szenen "aus". Diese Dynamik soll zeigen: "Die Zeit ist aus den Fugen", wie es Hamlet (Simon Mazouri) in der sehr aktuellen Übersetzung und ziemlich zusammengestrichenen Fassung von Marius von Mayenburg sagt.

Von Mayenburg verzichtet auf das Versmaß, hat aber die gewaltigen Bilder Shakespeares behalten, begründet Fuhrmann seine Entscheidung für diese Fassung vom 28. Dezember 2019.

"Wir haben versucht, einen Raum zu kreieren, der zeitlos ist, aber ganz stark in die heutige Zeit passt", formuliert es Fuhrmann. Er findet Theater am besten, "wenn der Zuschauer bei sich selbst abgeholt wird". Hamlet sei nicht geradlinig, nicht perfekt. Das Publikum habe so die Chance, sich in ihm wiederzufinden. Mit seinen Monologen rammt Hamlet einen Keil ins Rad der Zeit, sagt der Regisseur. Wenn er sich im Stück fragt, warum keiner handelt, lässt sich das auf aktuelle Probleme, wie den menschengemachten Klimawandel beziehen.

Über die Frauendarstellung heutzutage hat sich Fuhrmann auch Gedanken gemacht. So ist Ophelia, gespielt von Mayla Häuser, "kein schüchternes Opfer, sondern durch die Männerwelt so eingeengt, dass sie keine Entfaltungsmöglichkeiten hat", was letztlich in ihrem Freitod endet. Gertrud, gespielt von Stephanie Brehme, ist sehr einsam, gefangen in ihrer Situation, einem verbissenen Kampf um Machterhalt.

"Die Gesellschaft, in der Hamlet lebt, basiert auf Lügen, jeder spielt eine Rolle. Hamlet spielt den Wahnsinnigen, damit die anderen ihre Verstellung fallenlassen", sagt Fuhrmann über das Stück.

"Wir wollen einen Kontrollstaat abbilden", sagt Dentler und ergänzt zum Bühnenbild: "Man muss ständig das Gefühl haben, es ist jemand im Raum." Mehr erfahren können Interessierte bei einer kostenlosen Soiree am Sonntag, 12. Januar, ab 18 Uhr. Premiere der achten Fuhrmann-Inszenierung ist am Samstag, 18. Januar, um 19 Uhr.

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