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Welterbe-Bewerbung: Wenig Chancen im ersten Anlauf
Welterbe-Bewerbung: Wenig Chancen im ersten Anlauf
10.01.2020 - 00:00 Uhr
Von Henning Zorn

und Nico Fricke

Baden-Baden - Die Bombe platzte eher leise. Fast nebenbei erklärte Oberbürgermeisterin Margret Mergen gestern bei einem Pressegespräch zum Ausblick auf das Jahr 2020, dass die mit viel Aufwand seit etlichen Jahren vorangetriebene Bewerbung der Kurstadt auf Aufnahme ins Unesco-Welterbe zumindest im ersten Anlauf nicht von Erfolg gekrönt sein dürfte.

Bereits seit 2012 träumt Baden-Baden ganz konkret von der außergewöhnlichen Ehre, dem Unesco-Weltkulturerbe anzugehören. Damals hatten sich mehrere europäische Städte zu einer Interessengruppe formiert, um gemeinsam als Kur- und Badeorte Eingang in die Weltkulturerbe-Liste zu erlangen. 2016 entschlossen sich dann elf Städte aus sieben Ländern - Baden-Baden, Bad Ems, Bad Kissingen, Baden bei Wien (Österreich), Karlsbad, Franzensbad, Marienbad (alle Tschechien), Bath (Großbritannien), Spa (Belgien), Vichy (Frankreich) und Montecatini Terme (Italien) - zur gemeinsamen Bewerbung unter dem Titel "Great Spas of Europe".

Der an der Oos mit viel Optimismus begleitete Bewerbungsprozess erforderte viel Engagement. "Da haben wir eine Menge Energie reingesteckt", unterstrich die Oberbürgermeisterin gestern. Groß waren bisher die Erwartungen hinsichtlich der Tagung des Unesco-Welterbekomitees im kommenden Juni oder Juli im chinesischen Fuzhou, wenn auch die Bewerbung der Badestädte auf der Tagesordnung stehen soll.

Im September 2019 war Baden-Baden mehrere Tage lang von einer Experten-Kommission des Internationalen Rats für Denkmalpflege unter die Lupe genommen worden. In der Stadtverwaltung war man danach sehr zuversichtlich, sich aufgrund guter Vorbereitung ausgezeichnet präsentiert zu haben. Doch diese frohe Erwartung hat sich, wie gestern von OB Mergen zu erfahren war, inzwischen beträchtlich reduziert. Die Rathaus-Chefin rechnet nicht mehr damit, dass Baden-Baden bei der Tagung in China zusammen mit den anderen Spas in die Welterbe-Liste aufgenommen wird. Diese Ansicht werde auch von ihren Amtskollegen aus den anderen Bewerberstädten geteilt.

Als Begründung für diese Einschätzung verwies sie auf jüngste Rückfragen aus Unesco-Kreisen, die zeigten, dass man dort das gemeinsame Element der sich bewerbenden Badestädte nicht so richtig erkannt habe. Vielmehr sei bei der Unesco aufgefallen, dass diese Städte doch auch teilweise große Unterschiede aufwiesen. Die Oberbürgermeisterin geht daher davon aus, dass man aufgefordert werde, den Antrag zu überarbeiten, und danach könne er neu eingebracht werden. Es gebe eben bei der Unesco bislang noch nicht so viel Erfahrung mit transnationalen Welterbe-Bewerbungen verschiedener Städte, sagte Mergen.

Sie unterstrich aber auch, dass Baden-Baden auch bei fehlendem Erfolg im ersten Durchgang mit dem Bewerbungsprozess weitermachen werde: "Schließlich sind wir schon so weit gekommen." Eine Einzelbewerbung Baden-Badens hält sie nicht für eine mögliche Alternative. Das wäre, so meint sie, vielleicht vor 20 Jahren möglich gewesen, aber jetzt gebe es einfach zu viele Bewerbungen.

Gewisse Zweifel an der Verleihung des Welterbetitels an die Stadt Baden-Baden im Verbund mit den zehn anderen teilnehmenden Bäderstädten Europas noch in diesem Jahr ließ gestern auch Frank Marrenbach durchblicken. Bei seiner Verabschiedung als geschäftsführender Direktor des Brenners Park-Hotels sagte er: "Ich wünsche mir sehr, dass wir 2020 den Weltkulturerbe-Titel bekommen. Das könnte aber schwierig werden in China." Er hoffe, dass es "aber spätestens 2021 so weit ist", sagte Marrenbach, der sich seit vielen Jahren für die Auszeichnung einsetzt.

Auf einem Symposium zur Welterbe-Bewerbung hatte Marrenbach im Mai 2017 die immense Bedeutung des angestrebten Status' als "Investition für die Zukunftsfähigkeit der Stadt" hervorgehoben. Der Welterbe-Status sei nicht nur für Hotellerie und Tourismus, sondern auch für den gesamten Handel und Wandel der Stadt wirtschaftlich von größter Bedeutung, vom Prestige ganz abgesehen.

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