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"Zweite Zukunft" für Improvisationstalent "Appo"
14.01.2020 - 00:00 Uhr
Von Conny Hecker-Stock

Baden-Baden - Es war schon immer seine Intention, Filme zu drehen. In Syrien hat Abdullah Rajab Almalla Archäologie studiert mit dem Ziel, die Rolle des die Ausgrabungen begleitenden Kameramannes zu übernehmen. Seit 2015 lebt er in der Kurstadt und hat hier bereits etliche Filmprojekte verwirklicht.

Im Sommer beendet Almalla seine Ausbildung zum Mediengestalter beim SWR, doch die bisherigen Filmprojekte sind alle in seiner Freizeit, am Wochenende oder während des Urlaubs entstanden. Von Beginn an zeichnet ihn ein gehöriges Improvisationstalent und unbändige Energie aus. Denn bisher hat er alle seine Filme ohne Budget verwirklicht, anfangs mit geliehener Kamera, aber immer mit großer Überzeugungskraft und gestalterischem Willen. Bereits im Dezember 2015 entstand sein Kurzfilm "Ich bin ein Mensch", in dem sich Vertreter unterschiedlicher Nationalitäten Frieden in der Welt wünschen. Für seinen Dokumentarfilm "Schatten" führte er 2016 Interviews mit den Bewohnern des Flüchtlingsheims in der Schussbachstraße (wir berichteten).

Die Idee zu seinem Projekt "Zweite Zukunft" entstand im Sommer 2017, Drehbeginn war ein Jahr später an Ostern. Es geht darin um Krieg, Flucht, Verlust von Heimat, Familie und Freunden und ein neues Leben in Deutschland, das Hauptdarsteller Amir vor täglich neue Herausforderungen stellt. Nicht jeder meint es gut mit ihm in diesem Deutschland, wo er seine zweite Chance auf ein Leben in Frieden und Sicherheit in einer kleinen Filmfirma sucht. Seine Zukunft hängt von der Aufgabe ab, einen Kurzfilm über Menschen im Zweiten Weltkrieg zu drehen, den er innerhalb nur einer Woche fertigstellen muss. Er will ein Zeichen setzen gegen das Vergessen. Mit der Befragung von Zeitzeugen gestaltet Almalla eine Dokumentation innerhalb des Spielfilms.

Eigentlich war das ganze Projekt als Dokumentarfilm geplant. Doch während der Umsetzung musste er schnell feststellen, dass es nur wenige Menschen zu interviewen gibt: Noch während der Dreharbeiten starben zwei seiner Gesprächspartnerinnen. Er hat immer wieder Rückblicke auf Amirs Flucht und sein Leben in Syrien eingebaut, die entstehen, wenn er durch kleine Begebenheiten hier nachhaltig angeregt wird - so erinnert ihn der Anblick von Wasser an das Gefühl von Ertrinken, wenn ihm syrische Bewacher Wasser ins Gesicht schütteten, Eier lassen Bilder aufkommen, wie das Essen im Gefängnis von Wärtern einfach auf den Zellenboden geworfen wurde.

Auch für dieses Filmprojekt hatte Almalla keinerlei Budget zur Verfügung, aber die Unterstützung etlicher Freunde, die er mit seiner Leidenschaft überzeugen konnte. Von dem begabten Laiendarsteller Zohair Serestou in der Hauptrolle über die Theaterschauspieler Oliver Jacobs, Sebastian Mirow, Nikolaj Alexander Brucker oder Dimetrio-Giovanni Rupp standen alle ohne Gage vor der Kamera.

Der 85-minütige Film war in 19 Tagen in der Kurstadt abgedreht. Er läuft derzeit auf mehreren Filmfestivals und hat am 1. Februar um 19.45 Uhr Premiere im Cineplex, wo Appo, wie seine Freunde den Filmemacher nennen, dann auch für Gespräche zur Verfügung steht. Ein weiterer, in diesem Jahr entstandener und in Mumbai bereits ausgezeichneter Kurzfilm "Merhaba mein Sohn" rankt sich um das Thema Sterbehilfe. Er nimmt sich des ernsten Themas humorvoll an, mit Flaschengeist und fliegendem Teppich, hier ist Berth Wesselmann mit von der Partie. Trotz allen Improvisationstalents ist Almalla auf der Suche nach einer Produktionsfirma für seine weiteren Projekte.

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