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Kleiner Wettlauf nach a-Moll
15.01.2020 - 00:00 Uhr
Von Franz Vollmer

Baden-Baden - Das PlongPlong hat kurz Pause. Denn Hellmut Ruder hat eine Frage und die ist nicht so einfach, wie sie scheint. Zumindest für Drittklässler. "Klingt das traurig oder fröhlich?", fragt der Gitarrenpädagoge und zieht die Augenbrauen hoch. Zwei Minuten später dürfen die jungen Möchtegernklampfer selbst in die Saiten greifen und ein trauriges a-Moll oder ein fröhliches F-Dur in die Luft zaubern. Plong-Plong schallt es wieder durchs Klassenzimmer. Rhythmisch noch etwas ungeordnet, aber mit so manchem Lerneffekt. "Man kann den ersten Finger am ersten Bund ja einfach liegen lassen", stellt die aufmerksame Anna in vorderster Reihe erfreut fest. Der erste Aha-Effekt an diesem Dienstag.

Seit September läuft das Ukulele-Pilotprojekt an der Grundschule Ebersteinburg. Einmal die Woche dürfen neun Kinder unter fachlicher Anleitung der Clara-Schumann-Musikschule erste Gehversuche an der handlichen Hawaii-Gitarre machen - letztlich über zwei Schuljahre hinweg. Was für Schulleiterin und Klassenlehrerin Anne Brant Martorell nicht nur der Schärfung des Musikprofils dient, sondern auch Herzensangelegenheit ist. "Uns ist es einfach wichtig, den Kindern einen Input zu geben und sie mit einem positiven Erlebnis langfristig an die Musik heranzuführen. Was für die dann später daraus wird, ist erstmal Nebensache", betont die Pädagogin.

Im Rahmen des Stundendeputats - der offizielle Lehrplan sieht lediglich eine Musikstunde pro Woche vor - hat sie eine zusätzliche Randstunde nach dem Regelunterricht herausgeschaufelt, konkret ist es die sechste Schulstunde am Dienstag, in der der halben Klasse ("Die andern neun haben parallel Musiktheorie") Grundkenntnisse an der Ukulele vermittelt werden. Entsprechenden Instrumente wurden von der Schule angeschafft.

Brant Martorell, die selbst neben Musik noch Deutsch und Französisch unterrichtet, hatte im Vorjahr den damaligen Zweitklässlern Basics vermittelt. Seit September spielt nun mit Gitarrenpädagoge Hellmut Ruder eine Fachkraft der Musikschule den Dompteur. "Das wird natürlich sofort professioneller", freut sich Brant Martorell, die von einem echten Glücksfall spricht.

Und die Kinder ziehen eifrig mit. Ruder lässt sie das Tongeschlecht raten, macht ein musikalisches Wettrennen ("Wer findet am schnellsten G-Dur"), malt Griffbilder an die Tafel, korrigiert, wenn der zweite statt dem dritten Finger auf dem Griffbrett landet. Und wer findet zuerst G-Dur? Amien ist der Schnellste, doch leider nicht ganz sauber. Halber Punkt. Bei F-Dur hat Stina die Nase vorn. Sehr gut. Volle Punktzahl. "Ziel ist es, die Akkorde sicher und fließend umzusetzen", so Ruder. "Das Ganze lebt von Wiederholungen. Zuviel Input wäre für die Kinder ein Overload."

Möglich ist das Ganze nicht zuletzt durch die Unterstützung der Kunst- und Bildungsstiftung Murielle Zeidler, einer im vorigen Jahr gegründeten privaten Initiative mit dem Ziel, gerade benachteiligte Kinder und Jugendliche mit Kunsterziehungsprojekten langfristig zu fördern, wie Stiftungsgründer Klaus Zeidler erklärt. Im Portfolio der Stiftung sind in Bälde auch Malkurse an einer Realschule im Rahmen von Kulturtagen. Eine Unterstützung, die sich im Ukulele-Fall auf 1 800 Euro pro Jahr beläuft und die Brant Martorell zu schätzen weiß. "Immerhin kommt nicht mehr jedes Kind in der Familie mit einem Instrument in Kontakt", weiß die Pädagogin.

Für die Clara-Schumann-Musikschule wiederum ist das Ganze die nötige Arbeit an und mit der Basis. "Für uns ist die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern zentrales Anliegen. Und dazu gehören neben Kindergärten und Vereinen natürlich auch die Grundschulen", betont Ralf Eisler, Leiter der Musikschule, die in ähnlicher Form auch in anderen Schulen (Sandweier, Theodor-Heuss, Vincenti, Cité) mit ihrem Know-how präsent ist. Im Zentrum stehe das gemeinsame Musizieren, die Kunst, aufeinander zu achten, und das sensibilisierte Zuhören, so Eisler . Aber natürlich vor allem der Spaß und die Motivation.

Das sehen auch die Kinder so. Während der eine schon von der großen Karriere als zweiter Max Giesinger träumt, finden es Stina und Anna "einfach schön, dass man so ein Instrument mal selbst spielen kann", denn das ist ja bestimmt teuer. "Außerdem kann man dann schon halb Gitarre", ahnt Neven. Ob es zum Auftritt etwa am Schuljahresende vor den Eltern reicht, wird man sehen. Das Modell soll jedenfalls ausgebaut werden. Der nächste Jahrgang, sprich Klasse zwei, ist bereits zugange, allerdings mit Flöte. Das ist dann mehr Füüt-Füüt als Plong-Plong.

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