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Kontraste ziehen den Intendanten an
Kontraste ziehen den Intendanten an
16.01.2020 - 00:00 Uhr
Von Ulrich Philipp

Baden-Baden - Der Presse-Club Baden-Baden hatte am Dienstagabend den neuen Intendanten des Festspielhauses, Benedikt Stampa, zu Gast. Etwa 45 Zuhörer nahmen die Gelegenheit wahr, Stampa im Kaminzimmer des Parkhotels Atlantic von der ersten Reihe aus zu erleben, als dieser sich den Fragen von Detlev Gawron und Roland Seiter stellte.

"13 Jahre Dortmund waren genug", antwortete Stampa zum Einstieg auf die Frage Gawrons, warum er nach Baden-Baden gewechselt ist. "Wer mich kennt, weiß, dass Kontraste mich anziehen, der größte Saal in der kleinsten Stadt, mehr Kontrast geht nicht", ergänzte er mit Blick auf das mit 2 500 Zuschauerplätzen größte Opern- und Konzerthaus Deutschlands. In Europa herrsche ein starker Konkurrenzkampf unter den Opernhäusern, und Baden-Baden müsse auch mit Paris oder New York mithalten können, erwiderte Stampa auf die Frage, welche Stars er gerne an die Oos holen wolle. Daher sei er mit renommierten Künstlern wie Cecilia Bartoli, Anna Netrebko oder Lang Lang in Kontakt. Aber, so der Intendant weiter, wichtiger sei das Gesamtportfolio. Denn drei Stars könnten zwar an drei Abenden den Saal füllen, aber nicht an 365 Tagen des Jahres. Zudem gebe es heute nicht mehr so viele Stars wie etwa noch vor 20 Jahren.

Zu den Eintrittspreisen von teilweise mehr als 300 Euro befragt, verwies Stampa auf die private Finanzierung des Spielbetriebes und erklärte: "Wenn man das Versprechen auf erstklassige Musik nicht halten könnte, könnte man auch nicht diese Preise aufrufen." Bei dieser Diskussion werde zudem vergessen, dass bereits ab 30 Euro Karten zu haben seien. Im Übrigen habe auch er Interesse an einem voll besetzten Haus, denn nur dann sei es auch stimmungsvoll.

Auf die Frage nach seinem Lieblingskomponisten antwortete der 55-Jährige ohne zu zögern: Johann Sebastian Bach. Er sei der "Größte der Großen", an ihm bewundere er seine unglaubliche Bescheidenheit, sein praktiziertes "Gott zur Ehre", die Vielfalt seiner Ausdrucksmöglichkeiten und die darin enthaltene Transzendenz. Gleich danach komme für ihn Frédéric Chopin, er sei der Unterschätzteste seiner Zunft. "Seine Musik ist sein Leiden an der Welt", sagte Stampa.

Ob er damit rechne, weitere Mäzene gewinnen zu können, wollte Seiter von ihm wissen, worauf der Intendant antwortete, er sehe eine seiner Aufgaben darin, hier den Generationenwechsel zu organisieren. Das Baden-Badener Modell mit dem Freundeskreis Festspielhaus sei einzigartig in Europa: "Eine Million (Euro) ist mir von jeder Altersgruppe recht."

Gefragt nach seinen Lieblingsplätzen in der Stadt, antwortete Stampa, den Weg über die Sophienstraße zu seinem Haus am Annaberg beziehungsweise zum Festspielhaus, finde er sehr schön. "Können wir in Zukunft mit mehr Jazzkonzerten im Festspielhaus rechnen?", wollte eine Zuhörerin aus dem Publikum wissen, worauf der Intendant erklärte: "Jazz läuft gut, aber nur wenige Jazzmusiker füllen den Saal."

Und zum Thema Urlaub antwortete Stampa, er sei kein Fernreisender, sondern lieber mit dem Wohnmobil unterwegs. Zum Beispiel in Dänemark, aber vornehmlich in südlichen Ländern. Weite und Ruhe gefielen ihm dabei besonders, genau wie eher heiße Temperaturen und der dort zu bekommende Rotwein.

Nach dem Gespräch applaudierten die Zuhörer und bedankten sich für interessante Einblicke in die Arbeit des Intendanten. Seiter überreichte ihm den Presseraben, eine Zeichnung des Künstlers Armin Hott und traditionelles Geschenk an "Menschen, die etwas zu sagen haben".

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