Lautes Grollen in der Stiftskirche

Spannen einen weiten musikalischen Bogen über die Jahrhunderte (von links): Uwe Serr (Organist), Holger Bronner (Trompete) und Alex Vaughan (Posaune). Foto: Gareus-Kugel

Von Veronika Gareus-Kugel

Baden-Baden - Mit einem musikalischen Feuerwerk in der Stiftskirche Liebfrauen verabschiedeten am Sonntagabend die Solisten Holger Bronner (Trompete), Alex Vaughan (Posaune), Uwe Serr (Stiftskirchenorganist) und ein großes Publikum das alte Jahr. Eingeladen hatte das Trio zum "Festlichen Konzert am Silvesterabend" und zu einer Premiere. Erst nach opulentem Beifall und Zugabe durfte das Ensemble die Empore der Kirche verlassen.

Das traditionelle Festkonzert zum Ende des Jahres sorgt immer wieder für eine voll besetzte Stiftskirche, einen festlichen Jahresausklang sowie für beste Unterhaltung. Es könnte jedoch vorläufig das letzte Konzert gewesen sein, wie Uwe Serr im Rahmen der Begrüßung ausführte. Für die Stiftskirche stehen umfangreiche Sanierungsarbeiten an, weshalb das Gebäude vermutlich ab der Jahresmitte für einen unbestimmten Zeitraum geschlossen werden wird.

Im Spannungsfeld zwischen Alt und Neu, Tradition und Moderne war "das letzte Konzert am letzten Tag des Jahres", so Serr, angesiedelt. Die Musiker spannten dafür einen weiten musikalischen Bogen über Jahrhunderte hinweg.

Neben festlicher und von Opulenz geprägter Musik eines Heinrich Schütz, Georg Friedrich Händel oder Georg Philipp Telemann aus der Barockzeit, waren auch Klänge der Romantik und der Neuzeit zu hören.

Der Baldreit-Stipendiat und in Sydney geborene Alex Vaughan erarbeitete im Auftrag der Stiftskirche ein Werk für drei Solisten, das an diesem Abend seine Uraufführung erlebte. Rund acht Minuten ist das Musikstück "Haupt", geschrieben für Orgel, Trompete und Posaune, lang. Pate stand dafür das alte Kirchenlied "O Haupt voll Blut und Wunden". Die Melodienfolge des Liedes war jedoch nur in Fragmenten zu erahnen. Vaughan ließ sich besonders von den klanglichen Möglichkeiten der Orgel inspirieren. Die große Faszination der Komposition liegt darin begründet, dass sie die unterschiedlichsten Windgeräusche, die vor dem Anspielen einer mechanischen Orgel hörbar werden, nutzt und diese mit Trompeten- und Posaunenklängen zu einer Klangcollage verbindet.

Das Spektrum umspannt dabei flatternde Orgeltöne, die der Organist bis zu einem wahrscheinlich in der Stiftskirche bisher noch nie gehörten lauten Grollen aufbaute. Mit kraftvollem Nachdruck brachte Serr Orgel und Raum zum Vibrieren, so dass man fast um das Instrument fürchten konnte. Es war ein musikalischer Höhepunkt mit aufs Beste korrespondierenden Instrumenten, der zum Schluss mit üppigem Beifall honoriert wurde.

Auch die anderen Musikbeiträge fanden den Anklang des Publikums. Die "Fanfare", erhabene Klänge, geschrieben von Paul Dukas, markierten den Konzertbeginn. Es folgte die andachtsvoll und spritzig zugleich intonierte Suite für Trompete, Posaune und Orgel von Arancgelo Corelli und im Anschluss daran die Canzona in C für Posaune und Orgel von Heinrich Schütz. Danach sorgte die an Figuren reichhaltige und vortrefflich gespielte Suite in D-Dur von Georg Friedrich Händel für Trompete und Orgel für Musikgenuss.

Weitere Akzente setzte Organist Serr mit den drei Sätzen Choral, Prière an Notre Dame und dem Menuet gothique aus der Suite gothique von Léon Boëllmann sowie mit dem Choral Nr. 3 a-moll für Orgel von Cesar Franck.

Zum Schluss klang noch einmal mit der Sonata in D-Dur von Georg Philipp Telemann und der Zugabe einer kurzen Sequenz aus der Feuerwerksmusik von Händel Barockmusik von der Empore.

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