Olympia-Bilder für vier europäische Länder

Olympia-Bilder für vier europäische Länder

Von Karl Reinbothe

Baden-Baden - DieOlympischen Winterspiele in Pyeongchang sind derzeit in vollem Gange. Bis zum 25.Februar bietet der Wintersport das große TV-Spektakel, das die öffentlich-rechtlichen TV-Sender ARD und ZDF umfassend via Satellit und über ein gemeinsames nationales Sendezentrum in Leipzig aus dem fernen Korea auf die bundesdeutschen Fernsehbildschirme bringen.

Im internationalen Rennen um die Übertragungsrechte haben sich ARD und ZDF mit dem Rechteinhaber Discovery im letzten Moment geeinigt und sich einen vertretbaren Anteil sichern können. Vor 50Jahren war das alles noch ganz anders. Da gab es für internationale Großereignisse die "Eurovision" als Verteiler aktueller Fernsehbilder an alle angeschlossenen europäischen TV-Sender. Der Südwestfunk Baden-Baden war erstmals 1960 der deutsche "Verteiler" für die Olympischen Sommerspiele in Rom. 1962 war es, erstmals unter der Leitung des SWF-Sportchefs Rudi Michel, die Fußball-Weltmeisterschaft in Chile und 1964 waren es die Olympischen Winterspiele in Innsbruck, die über Baden-Baden abgewickelt wurden. Da war es nahezu selbstverständlich, dass der Südwestfunk Baden-Baden auch vom 6. bis 18.Februar 1968 als "Deutsche Eurovisionszentrale" die Olympischen Winterspiele aus Grenoble für ARD und ZDF, aber auch nach Norwegen, Holland und Belgien übertrug.

Die seit 1954 als TV-Sendestudio des SWF genutzte alte Stadthalle an der Leopoldstraße (1969 abgerissen) war der Dreh- und Angelpunkt für die erstmals in Farbe ausgestrahlten olympischen TV-Bilder aus Grenoble. Diese mussten aber zuerst mit einem Transcoder vom französischen Secam- ins deutsche PAL-System umgesetzt werden. Für den technischen Leiter Siegfried Gathmann gab es keine unlösbaren Probleme. Vom frühen Morgen bis tief in die Nacht waren die Techniker tätig, denn neben den Liveübertragungen, der Tätigkeit im Schaltraum und der Senderegie erforderte auch die Magnet-Aufzeichnungsanlage höchste Aufmerksamkeit. Das war nur mit zwei Teams von je einem Dutzend Techniker möglich. Rund 80 Stunden zusätzliche Aufregung bescherten ihnen diese zwei olympischen Wochen, denn die live eingehenden Bilder, die später gesendet werden sollten, mussten auch noch geschnitten und bearbeitet werden.

Ein gemeinsames Redaktions- und Produktionsteam von ARD und ZDF hielt souverän die Fäden in der Hand. Das ARD-Team umfasste 36 Mitarbeiter, davon 22 vom SWF (Hörfunk, Fernsehen und Kamera). Als Ansagerinnen waren Ursula von Manescul und die junge Anne-Marie Sprotte tätig, die ständig in Bereitschaft standen, um bei eventuellen Pannen (die es aber nicht gab) sofort zu übernehmen. Als Chefreporter war vor Ort in Grenoble Heinz Maegerlein im Einsatz, der sich einst mit dem legendären Satz "Sie standen an den Hängen und Pis(s)ten" unvergesslich machte.

Als in Grenoble nach zwölf arbeitsreichen Tagen das Olympische Feuer erlosch und der letzte Beitrag gesendet war, hatte der Südwestfunk als Eurovisionszentrale 69 Stunden lang in Bild und Ton über das Geschehen berichtet. Dazu verzeichnete der Hörfunk weitere 55 Sende-Stunden. Zum Vergleich: Aktuell wollen ARD und ZDF insgesamt 260 TV-Stunden live im täglichen Wechsel aus dem "International Broadcast Center" im koreanischen Pyeongchang senden.

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