"Sie sollen Spaß miteinander haben"

'Sie sollen Spaß miteinander haben'

Von Ulrich Philipp

Baden-Baden - "Es reizt mich, auf der Bühne in eine andere Rolle zu schlüpfen und mich in andere hineinzuversetzen", erklärt der Journalist Peter Stephan auf die Frage, warum er am Casting des Theaters teilnimmt. Und er ergänzt: "Außerdem hilft die Routine des immer wieder Übens sicherer zu werden, auch für das Leben."

Mit 27 Mitbewerbern war Stephan am Dienstagabend auf der Probebühne am Heizkraftwerk in der Rotenbachtalstraße gekommen, um sich für einen ehrenamtlichen Statistenjob zu bewerben.

Am 18. Mai hat in der Kurstadt Max Frischs "Biedermann und die Brandstifter" Premiere, und für den Chor, der in dem Klassiker eine wichtige Rolle spielt, wurden Laienschauspieler gesucht. Regisseur André Rößler und Dramaturg Sebastian Brummer nahmen die Männer und Frauen in Empfang, die zunächst in vier Gruppen aufgeteilt wurden und selbst einen Chorleiter bestimmen mussten. Rößler gab dann Sätze vor, die auswendig gelernt und gemeinsam vorzutragen waren: "Eh es zum Löschen zu spät ist" oder "Feuergefährlich ist viel, aber nicht alles, was feuert (ist Schicksal)".

"Jetzt stellt Euch vor, die Menschen, die das hören sollen, sitzen 50 Meter unterhalb von Euch", weist Rößler die Sängerinnen und Sänger an, sich hinter einer imaginären Linie einen Abgrund vorzustellen und kräftiger und lauter zu sprechen. Dazu filmt er die Akteure vor ihm mit einem Smartphone. Zuvor hat er den Gruppen neue Chorleiter aus jeweils anderen Gruppen präsentiert. Deren jeweilige Mitglieder mussten dann ihrem neuen Leiter auch noch diejenigen Sätze beibringen, mit denen sie gerade arbeiteten. Später wurden aus den vier Gruppen zwei gebildet.

"Es geht bei all dem nicht darum, herauszufinden, wer am besten sprechen oder singen kann", erklärt Rößler im Gespräch mit dem Badischen Tagblatt am Ende des Castings, als alle Teilnehmer fotografiert und ihre Anschrift notiert worden waren. "Es geht darum, ein Team zu finden, dessen Mitglieder auf einer Wellenlänge sind und respektvoll miteinander umgehen", sagt Rößler, und Brummer fügt hinzu: "Und das auch bei Stress und Aufregung vor einer Aufführung, sie sollen Spaß miteinander haben, und ein Teamgeist soll sich entwickeln." Außerdem wolle man sehen, ob und wer sich auch einmal etwas sagen lasse, erklärt Rößler den eigentlichen Sinn der Veranstaltung.

"Eine engere Auswahl habe ich schon getroffen", sagt er, insgesamt werden zwischen zehn und 13 Teilnehmer in den kommenden Tagen benachrichtigt, dass sie zu den Auserwählten gehören. Im April beginnen dann die Proben, die ein bis zweimal wöchentlich stattfinden.

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