Herbstsonne verwöhnt Reiter und Zuschauer

Herbstsonne verwöhnt Reiter und Zuschauer

Von Christina Nickweiler

Sinzheim - Schick und irgendwie gelassen sieht der Reiter aus, der sich seinen großen beigefarbigen Hut tief ins Gesicht gezogen hat. Die Hufen seines gescheckten Pferdes klackern gemächlich, aber rhythmisch auf dem Asphalt der Leiberstunger Leiboldstraße. Reiter und Pferd sind auf dem Weg zum Sammelplatz südwestlich von Leiberstung und gehören zu den zahlreichen Teilnehmern, die bei strahlender Herbstsonne beim 54. Wendelinusritt mitmischen.

Viele Anwohner haben es sich in ihren Höfen gemütlich gemacht. Bänke und Stühle stehen für Freunde und Nachbarn, aber auch für Gäste aus der Region bereit, um das größte Spektakel im Jahresprogramm der Leiberstunger hautnah mitzuverfolgen. Die Umzugsmeile ist mit Blumengebinden und Fahnen festlich dekoriert. Obwohl in diesem Jahr Kaiserwetter herrscht und das Wendelinusfest einen hohen Stellenwert am Ort genießt, säumen weniger Zuschauer als die Jahre zuvor die Straßen.

Dann erklingen die ersten Marschtakte der Musiker des Musikvereins Sinzheim, mit denen sich der Tross in Bewegung setzt. Vorneweg reiten die beiden Festreiter, Alisa Reinfried und Alexander Panter. Für beide ist es schon seit vielen Jahren Ehrensache, den Umzug anzuführen. Es folgen die Droschken der Ehrengäste. Zuerst die Geistlichkeit, danach die Persönlichkeiten aus der hiesigen Politik. Besonders fein ist das Gespann herausgeputzt, das die auf Hochglanz polierte Kutsche des Schirmherrn, Landrat Jürgen Bäuerle, zieht. Neben ihm sitzen seine Frau sowie Ortsvorsteher Josef Rees und dessen Frau - sie winken den jubelnden Gästen zu.

Einige auswärtige Zuschauer am Straßenrand rätseln, ob das geschwungene Monogramm "GS" auf der Türe der dunkelgrünfarbigen Kutsche, in der Bürgermeister Erik Ernst sowie seine Frau sitzen, wohl Gemeinde Sinzheim heißen könnte. Eine historische Kutsche von 1837 mit dem badischen Wappen ziert ebenso die bunte Parade.

Im Anschluss an die Droschken folgen die Reitergruppen verschiedener Clubs aus der Region. Mit dabei ist auch eine Gruppe, deren Reiter sich als Cowboys verkleidet haben. Hier ist wieder das "Irish-Cob"-Pferd mit dem langen Haarbehang an den Pferdefüßen zu sehen, der irgendwie an die Schlaghosen der 70er Jahre erinnert. Den Abschluss des Umzugs bilden die Fußgruppen, bei der Jugendliche ihre Ponys führen.

Zwischendurch reichen die Vertreter der beteiligten Leiberstunger Vereine den Reitern einen hochprozentigen Satteltrunk. Dieser ist am Ende des Umzugs für jeden Teilnehmer obligatorisch. Nämlich dann, wenn die Reiter und Gespanne an der Wendelinushalle den Segen in Empfang nehmen. Zuvor ziehen die meisten Kutschenfahrer und Reiter respektvoll ihren Hut vor den kirchlichen Repräsentanten. Neben Pfarrer Martin Schlick spricht Diakon Georg Beier für jedes Pferd das Gebet: "Auf die Fürsprache des Heiligen Wendelinus sollen gesegnet sein, die Pferde und alle die damit verbunden sind." Als würde es genau zuhören, dreht ein Pferd leicht seinen Kopf in Richtung Diakon. Der Segen sei abgeschlossen, wenn der Reiter diesen mit "Amen" bestätige, erläutert der Diakon manchen Reitern, die etwas unsicher mit "danke", "schönen Tag noch" oder "Tschüss" antworten.

Bei den Grußworten betont Schirmherr Bäuerle, die Bedeutung von Tradition und Heimatpflege. Sie fördere den Zusammenhalt der Menschen in der Region. Mit feierlichen Klängen beschließen die Parforce-Bläser aus Iffezheim den offiziellen Part.

zurück
1