Stabsvogt der Bauherr

Stabsvogt der Bauherr

Sinzheim (vsa) - Das unter Denkmalschutz stehende Vinzenz-Gebäude an der Hauptstraße in Sinzheim ist vom ehemaligen Stabsvogt Franz Link erbaut worden. Davon war Alois Huck bei seinem Vortrag "Die Geschichte des Hauses St. Vinzenz" überzeugt. Der Förderverein Sinzheimer Brauchtum hatte dazu in das Begegnungszentrum St. Vinzenz eingeladen. Groß war das Interesse: Rund 150 Personen interessierten sich für den Vortrag. Etwa 150 Fotos untermauerten seine interessanten Ausführungen.





Die Vinzenzschwestern hatten dem Förderverein vor ihrem Weggang Ende 1985 etliche Fotoalben zu treuen Händen übergeben. In einem davon fand Alois Huck eine dreiseitige Niederschrift über die Geschichte des Hauses ab 1886. In dem Jahr hatte der Orden der Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul das Anwesen erworben. Chronologisch geordnet waren darin wichtige Daten und Ereignisse aufgeführt.

Was Alois Huck aber keine Ruhe ließ, war die Geschichte des Hauses vor 1886. Vor allem die Frage, wer das Haus gebaut hat, ließ ihn los. Sein Besuch im Generallandesarchiv in Karlsruhe vor zwei Jahren brachte ihn auf eine Spur, die sich vor wenigen Tagen als richtig erwies, wie er beim Vortrag freudestrahlend erläuterte.

Patrick Götz vom stadtgeschichtlichen Institut Bühl in Neusatz war mit ihm zusammen im Grundbucharchiv des Sinzheimer Rathauses nach stundenlanger Suche fündig geworden. In den handgeschriebenen, schwer zu lesenden alten Schriften fanden sie einen Eintrag aus dem Jahr 1799, bei dem "Franz Link, Grünbaumwirt" bei Grundstückskäufen eingetragen war. Franz Link war demnach bereits 1799 Gastwirt. Weitere Eintragungen über Grundstückkäufe von Franz Link in den folgenden Jahren hatte Huck schon vor zwei Jahren "ausgegraben". Doch nun bekam das Puzzle ein Gesicht.

Alois Huck ist überzeugt, dass der Sinzheimer Stabsvogt (Bürgermeister) das Gebäude mit dem Gasthaus "Grüner Baum" 1817 erstellen ließ, das später ein weiteres Stockwerk erhielt. Das große Anwesen mit Stallungen, Ökonomiegebäuden und großen landwirtschaftlichen Flächen war damals der größte landwirtschaftliche Betrieb in Sinzheim.

Das Anwesen ging dann auf seinen Sohn Georg Friedrich über, und von ihm auf Gustav Link. Dessen Witwe Magdalena Link veräußerte 1886 den gesamten Besitz an den Orden St. Vinzenz. Dass dabei der damalige Pfarrer Josef Huber als "Vermittler" tätig war, ist sehr wahrscheinlich, denn er wollte, dass in Sinzheim eine Kleinkinderschule und eine Knabenanstalt (Waisenhaus) entstehen. Schon bald nach dem Einzug der Schwestern wurden diese Wünsche Wirklichkeit. Ein halbes Jahr später war das "Vinzenz", wie es in Sinzheim genannt wurde, Heimat für 22 "Zöglinge", und die "Kinderschule" besuchten 80 Kinder.

Pferdestall wird



zur Kapelle

Aus dem ehemaligen Pferdestall war eine Kapelle mit kleinem Glockenturm geworden und die nächsten 100 Jahre, waren geprägt von Abrissen, Neubauten (Kindergarten 1935), Umbauten, Renovierungen und Modernisierungen. Ein neuer Kindergarten (1964), die Verlagerung der Landwirtschaft in den neu gebauten St.-Vinzenz-Hof in Richtung Halberstung, ein großes Kinderheim mit kleinem Hallenbad, ein Refektorium mit Küche und Waschküche, die Erweiterung des Kindergartens und die Einrichtung einer neuen Kapelle sind nur die wichtigsten Maßnahmen gewesen. Der Vortrag endete mit der Veräußerung des "Klostergartens", auf dem das Seniorenzentrum entstand, und mit dem Verkauf des Anwesens in der Ortsmitte an die Gemeinde Sinzheim.

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