Rumäne will Freundin aus Bordell holen und rastet aus

Rumäne will Freundin aus Bordell holen und rastet aus

Von Werner Frasch

Baden-Baden - Zwei Punkte der Anklage gegen einen 44-jährigen Rumänen wurden bei der gestrigen Verhandlung vor dem Amtsgericht fallengelassen: "Über Zuhälterei und räuberische Erpressung sprechen wir heute nicht mehr", verkündete die Richterin zu Beginn des Prozesses.

Die restlichen Vorwürfe, gefährliche Körperverletzung und Sachbeschädigung, reichten für die Verurteilung zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe aus, die mit einigen Auflagen ergänzt wird. Eine Anklage wegen Hausfriedensbruchs war nicht erfolgt, da die "Betreiberin des Bordells", so die Staatsanwaltschaft, keinen Strafantrag gestellt hatte.

Der Angeklagte war nach seiner Schilderung vor neun Jahren erstmals nach Deutschland eingereist und wohnte, bis er in Untersuchungshaft kam, wechselweise einige Monate in seiner rumänischen Heimat und in der Kurstadt. Seinen Lebensunterhalt bestritt er überwiegend durch Tätowierungen und finanzielle Zuwendungen seiner Mutter. "Ich habe mich auf große Formate spezialisiert, Freunde in Rastatt haben mir gesagt, dafür gibt es hier Bedarf", ließ er durch den Dolmetscher erklären.

In seine Wohnung habe er eine Frau aufgenommen, die in einem Bordell arbeitete. Er habe sich um sie gekümmert, da sie hochschwanger war. "Sie hat mir Stress gemacht, jede Nacht musste ich auf sie warten", schilderte er. Offenbar hat die Frau ihm einen falschen Vornamen genannt, wie ihn sein Verteidiger während der Gerichtsverhandlung aufklärte - ihr Familienname war ihm völlig unbekannt. Obwohl sie auf "ihre Arbeit fixiert war und auch ungeschützten Sex machte, um eine Strafe bezahlen zu können", habe er sie geliebt, wollte sie heiraten und sich um das Kind kümmern. Das Baby wurde aber zur Adoption freigegeben und lebe, so der Angeklagte, nun bei einer Familie in der Kurstadt.

Mitte Juli kam es zum Eklat. Am Vormittag des Tattags versuchte der Angeklagte, ausgerüstet mit Schraubendreher und Taschenmesser, sich in das Bordell Eintritt zu verschaffen, um seine Geliebte herauszuholen. Sein Erscheinen hatte er ihr über Telefon und per Whatsapp angekündigt. Dabei sollen Äußerungen wie "ich bringe euch um" gefallen sein. "Diesen Ausdruck verwenden wir in der Gegend, woher ich komme, täglich, gerade auch unter Freunden" erklärte er diese Wortwahl. Gegenüber der Bordellbetreiberin habe er das nicht gesagt, "denn so befreundet waren wir nicht".

Die 45-Jährige, ebenfalls rumänische Staatsangehörige mit Wohnsitz in Frankreich und - so ihre Auskunft - "momentan ohne Arbeit", bekam die Reaktion des Eindringlings auf andere Weise zu spüren. Nachdem er die Glasscheibe der Türe mit der Faust eingeschlagen hatte und so eingestiegen war, verletzte er sie entweder mit dem Taschenmesser oder mit einer Glasscherbe. "Ich hatte Angst und flüchtete in die Bar, dabei bin ich gestürzt", erinnerte sie sich. Sie wehrte sich mit Pfefferspray, konnte den Täter aber nicht völlig außer Gefecht setzen.

Die Schilderungen des Angeklagten und der Zeugen, darunter auch die ermittelnden Polizeibeamten, fasste der Vertreter der Staatsanwaltschaft mit den Worten zusammen: "Wir haben einen Einblick in Bordellszenen bekommen, nachdem sich die dortigen Arbeitskräfte von der Nachtruhe erhoben haben." Dem Angeklagten hielt er zugute, dass er die junge Frau aus dem Bordell holen wollte. Es bleibe aber der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung und der Sachbeschädigung. Trotz des Alkoholgenusses liege keine verminderte Schuldfähigkeit vor. Das bestätigte auch der medizinische Sachverständige.

Das Gericht folgte dem Antrag des Staatsanwalts. Zusätzlich zur Freiheitsstrafe muss der bislang nicht vorbestrafte Verurteilte als Bewährungsauflage dem Gericht innerhalb von zwei Wochen einen festen Wohnsitz melden und 80 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. Noch im Gerichtssaal hat er die Strafe akzeptiert und sich reuig gezeigt.

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