Auch nach über 40 Jahren gern gemeinsam unterwegs

Auch nach über 40 Jahren gern gemeinsam unterwegs

Von Conny Hecker-Stock

Baden-Baden - Seit über 40 Jahren ist die Radsportgruppe HRP Baden-Baden aktiv. Die Pedalritter haben mit ihren Rennrädern Gebirgspässe und Langstrecken bezwungen und waren dabei in ganz Europa und sogar den USA unterwegs.

Es lässt sich nicht mehr rekonstruieren, wer für die Hobby-Radprofis die Abkürzung HRP erfunden hat. Der heute noch eng zusammengeschmiedete Freundeskreis entwickelte sich aus einer Runde Wintersportler, die alljährlich in Zell am See und am Kitzsteinhorn die Hänge herunterwedelten. Während einer geselligen abendlichen Runde wurde kurzerhand beschlossen, sich diese traumhafte Umgebung auch einmal im Sommer anzuschauen, dann eben per Fahrrad. So wurde aus einer Handvoll Skifahrer eine Gruppe von 14 begeisterten Radsportlern, die um ihren engagierten Teamchef Robert Hartmann fortan intensiv ihrer neuen sportlichen Leidenschaft nachgingen.

Motivieren d wirkten sicherlich auch die Cracks in eigenen Reihen. So galt Ernst Gebauer 1955 als einer der besten Zehnkämpfer Deutschlands, Teammitglied Rolf Walther und sein Bruder starteten einst im Olympia-Kader für Tandemfahrer, Robert Hartmann und Rolf Sauer waren 1979 und 1982 hiesige Stadtmeister im Skilanglauf. Der Schwarzwälder Skimarathon Schonach/ Hinterzarten (60 Kilometer) wurde mehrfach mit guten Platzierungen gelaufen. Anfang der 1970er Jahre waren die meisten der Fahrer bereits jenseits der 30 und kamen aus anderen Sportarten wie Ski, Fußball, Leichtathletik oder Schießen. Der Trainingsaufwand und die Streckenlängen der Pedalsportler steigerten sich rasch immer mehr und lagen nicht selten bei einer Jahresbilanz von 8 000 Kilometern. "An fünf Tagen in der Woche saßen wir im Sattel", schwärmt Martin Buchholz, nach eigenen Worten "Spätberufener" und mit 82 Jahren der Älteste der bis heute noch aktiven acht Radsportler. Seine Frau Maria ergänzt: "Die hatten ihre Freude und wir manchmal Leid", denn die Familienväter waren selten zu Hause.

Im Winter oder bei schlechtem Wetter wurde mit Mountainbikes trainiert. "Konditionell waren wir unvorstellbar gut", sagt Ernst Gebauer nicht ohne Stolz, mehrfach wurde an großen Rundfahrten und radsportlichen Wettbewerben teilgenommen. Diese ausgezeichnete körperliche Verfassung war auch notwendig, denn alljährlich im Juni startete die Gruppe zu einer mehrtägigen Tour, die länderübergreifend durch halb Europa führte. Da war dann schon mal eine Tagesetappe von 268 Kilometern nach Zell am See drin. Bergriesen wie Großglockner, Gotthard, Furka, Grimsel, Sella, die Tour de France-Pässe, die Pyrenäengipfel oder steile Anstiege auf den Ätna, den Teide oder Monte Cinto wurden bezwungen.

"Es gab eine leistungsmäßige Hierarchie in der Gruppe, jeder Anstieg war immer auch ein Rennen untereinander", schmunzelt Gebauer im Rückblick auf die ehrgeizigen Ambitionen. Ein unvergessliches Erlebnis war der Radtrip im Canyonland Nationalpark in Utah auf dem White Rim Trail, doch auch die sonstigen Erlebnisse der HRP könnten Bücher füllen. "Solide waren wir nie", erzählen beide von Gourmetmenüs mit reichlich fließendem Wein in Frankreich, der Matjes-und-Genever-Tour in Holland, ihrem verlorenen Begleitfahrzeug mit Alfred und Emmi Janus in Italien oder den vertauschten Reisetaschen auf Korsika, was Buchholz in den unerwarteten Besitz von Reizwäsche brachte. In den Ardennen musste eine Tour wegen massiven Schneetreibens abgebrochen werden, auf einem Pyrenäengipfel leckten Esel hingebungsvoll ihre Räder ab wegen des Salzes ihres vergossenen Schweißes. So etwas schmiedet zusammen. Inzwischen sind vier HRP-Mitglieder verstorben, einige sind bereits über 80. Doch das lässt sie nur enger zusammenrücken, man trifft sich regelmäßig und unterstützt sich. Und immerhin acht Mann im Alter von 72 bis 82 treten auch heute noch gemeinsam beim regelmäßigen Training in die Pedale.

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