Trend geht weiter: Weniger Straftaten

Trend geht weiter: Weniger Straftaten

Von Nina Ernst

Baden-Baden - "Sie leben in einer Stadt, in der nicht der Teufel los ist", sagte am Montagabend der Offenburger Polizeipräsident Reinhard Renter in der Sitzung des städtischen Gemeinderats. Er erläuterte in seinem Bericht zur Sicherheitslage, dass im Jahr 2018 im Stadtkreis Baden-Baden mit 4 170 insgesamt wieder weniger Straftaten verzeichnet worden waren als in den Jahren zuvor.

Der Leiter des Baden-Badener Polizeireviers, Lutz Kirchner, führte aus, dass es 2015 noch 4 630 Straftaten waren. Woran der kontinuierliche Rückgang liege, könne man aber pauschal nicht sagen - da spielten viele Faktoren mit. Mit einer Aufklärungsquote von 62,4 Prozent liege man im Landesdurchschnitt (63 Prozent) und ist damit laut Renter "sehr gut unterwegs".

Nach der Analyse der Polizei gebe es im Land nicht mehr Straftaten, vielmehr gelinge es, - gerade bei Sexualdelikten - dass sogenannte Dunkelfeld weiter zu erhellen. Mit 5 300 Straftaten auf 100 000 Einwohner liegt Baden-Württemberg zurzeit auf dem vorletzten Platz, nur Bayern hat weniger. Berlin führt die Liste mit 14 560 an. Dem Bürger gehe es jedoch nicht nur um Zahlen, sondern eher um das subjektive Sicherheitsgefühl. Und es gehe darum, wie ein Bürger beispielsweise psychisch mit einem Wohnungseinbruch umgehe, so der Polizeipräsident. Er könne nur vergleichen: In seinem Zuständigkeitsbereich gebe es Orte, an denen er größere Probleme habe, wie zum Beispiel in Lahr, Kehl oder Offenburg.

Innerhalb der Taten lässt sich erkennen, dass die Aggressionsdelikte im öffentlichen Raum (176 Stück), die Straßenkriminalität (757) und Diebstähle inklusive Einbrüche (1 323) je leicht zugenommen haben, führte Renter aus. Eine Häufung von Aggressionsdelikten im öffentlichen Raum (hierzu zählt auch die Gewaltkriminalität, also unter anderem Raubüberfälle und Körperverletzungen) sei vor allem in der Westlichen Industriestraße und am Waldseeplatz zu verzeichnen - dort, wo Menschen in angespannten Lebenssituationen eng aufeinander säßen. Fahrräder würden hauptsächlich am Bahnhof in Oos, an der Haltestelle in Haueneberstein und am Hardbergbad geklaut, sagte Kirchner. 163 Räder wurden 2018 als gestohlen gemeldet. Auch bei Sexualstraftaten sei ein Anstieg zu verzeichnen (von 37 auf 46). Wie allerdings das Gerücht einer Vergewaltigung in einer Baden-Badener Tiefgarage (siehe Bericht unten) Füße bekommen habe, könne sich Renter nicht erklären: "Es stimmt so nicht." "Jedes einzelne Delikt ist verwerflich", machte der Polizeichef deutlich. In Baden-Baden habe man aber nicht die Situation, dass man an öffentlichen Plätzen Angst haben müsse. Denn: Laut Kirchner gibt es in der Kurstadt keine Brennpunkte, also keine stärkere Konzentration von Gewalt an bestimmten Orten.

Ein Rückgang ist bei Rauschgiftdelikten (Minus 36,8 Prozent), bei Vermögens- und Fälschungsdelikten und bei Unfällen (2017: 1 865, 2018: 1 859) zu verzeichnen. Dies liege auch an einer erhöhten Überwachung - gerade auf der B 500. Es wurden bei Unfällen außerdem weniger Personen verletzt oder getötet. Die Anzahl an Tatverdächtigen insgesamt sei zudem auch zurückgegangen, so Renter.

Zur Personalsituation bei der Polizei merkte Renter an, dass momentan zwar ein niedriger Stand herrsche, viele Anwärter aber in Ausbildung seien und 2022 wieder das Niveau von 2014 erreicht sein werde. "Es geht kontinuierlich nach oben." Für Ausnahmezustände wie am vergangenen Wochenende in Rastatt mit gewaltsamen Ausschreitungen (wir berichteten) sei es trotzdem immer möglich, Sonderstäbe zu bilden und einzugreifen. In Rastatt ist die Polizei nun verstärkt präsent. Renter: "Dort passiert jetzt nichts mehr."

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