Wildschweine scheuen Straßennähe nicht

Wildschweine scheuen Straßennähe nicht

Von Henning Zorn

Baden-Baden - Auch vor stärker frequentierten Straßen haben die Wildschweine aus dem Baden-Badener Stadtwald wenig Scheu. Dies zeigte sich kürzlich wieder einmal deutlich.

Autofahrer, die in der vergangenen Woche auf der Schlossberg-Tangente unterwegs waren, blickten zuweilen etwas irritiert auf die Grünstreifen und Bankette neben der Fahrbahn. Dort sah es nämlich aus, als hätte sich eine wildgewordene Gärtnerschar mit Spitzhacken und Schaufeln ausgetobt. Das Grün war tüchtig untergepflügt worden, manche dunklen Erdbrocken landeten sogar am Straßenrand.

Nun, mit Landschaftspflege hatte das Ganze natürlich nichts zu tun, aber eine wilde Horde war hier durchaus am Werk. Denn eine Wildschweinrotte hat das "Begleitgrün" an der Schlossberg-Tangente mit einer geradezu flächendeckenden Gründlichkeit durchwühlt.

Beim städtischen Bauhof hat man das Treiben der Schwarzkittel mit einem Aufseufzen registriert, denn dort ist man auch zuständig für eine möglichst rasche Beseitigung der Folgen der "schweinischen" Wühlaktion. Schmutz auf der Fahrbahn kann nämlich besonders für Motorradfahrer gefährlich werden.

Dass die Borstentiere ihre "Grünpflegeaktionen" in waldnahen Gärten und Anlagen betreiben, ist man ja auch in der Kurstadt durchaus gewohnt. Doch laut Auskunft von Stadt-Pressesprecher Roland Seiter kommen die Tiere durchschnittlich etwa zehnmal im Jahr auch den Straßen - neben der Schlossberg-Tangente vor allem im Bereich Waldseestraße/Hofgut Fremersberg - besonders im Frühjahr und Herbst sehr nahe. Beim Durchpflügen des Bodens suchen die Wildschweine besonders Regenwürmer, die mit ihrem hohen Eiweißanteil als besondere Leckerbissen gelten.

Grundsätzlich, so erklärt Roland Seiter im BT-Gespräch, weisen die Wildschweinbestände im Baden-Badener Stadtwald weiter ein hohes Niveau auf. Trotz vermehrter Abschüsse nimmt die Zahl der Borstentiere immer noch leicht zu.

Ein wichtiger Grund dafür, so Seiter, ist der reich gedeckte Tisch, den die Wildschweine im Wald vorfinden. Auch der letzte Winter war wieder relativ mild, "und einige Frosttage bringen die Schwarzkittel nicht aus der Bahn". Durch die insgesamt nicht sehr tiefen Temperaturen und die eher geringen Schneefälle weisen viele Waldbäume hohe Fruchtbestände auf - gerade die Buchen, Eichen und Kastanien. Und da fällt natürlich viel auf den Waldboden, was sich die Wildschweine dann genussvoll schmecken lassen können.

Daher wird ihr jüngster Besuch an der Schlossberg-Tangente auch nicht der letzte gewesen sein.

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