Darum ist es am Rhein so schön

Darum ist es am Rhein so schön

Baden-Baden (vgk) - Kaum ein Fluss in Europa ist mit Geschichte und Geschichten so überfrachtet wie der Rhein. Für die einen ist er Schicksalsstrom, für die anderen Gegenstand romantischer Dichtkunst. Die Römer widmeten sich dem Gewässer eher aus strategischen Gründen. Am Samstag nahm Elke Heidenreich, begleitet von Marc Aurel Floros am Klavier, die Spur auf und die Zuhörer im ausverkauften Kristallsaal des Museums LA8 mit auf eine heitere literarische und musikalische Reise.





Zusammen mit dem Fotografen Tom Krausz hatte sich die Schriftstellerin auf den Weg gemacht, bestimmten Fragen nachzuspüren: Warum ist es am Rhein so schön oder nicht? Was hat der Strom, was andere Flüsse nicht haben? Die Antworten fanden auf schriftstellerische und fotografische Weise ihren Niederschlag im Buch "Alles fließt" - auch der Rhein. Veranstaltet wurde die Lesung im Rahmen des Ausstellungsbegleitprogramms "Samstags hinter der Bühne". In diesem Jahr feiert das Museum LA8 seinen zehnten Geburtstag.

Zunächst die Basis: Der Strom, der Europa, zumindest ab Basel unerbittlich in zwei Hälften teilt und von dort aus stur nach Norden fließt, misst insgesamt 1 200 Kilometer. Diese erkundete die Schriftstellerin gemeinsam mit dem Fotografen auf unterschiedlichste Weise, etwa zu Fuß, um den Quellen in den Schweizer Alpen nachzuspüren. Ab Basel nahm das Duo unter anderem das Schiff, das sie bis nach Amsterdam bringen sollte. Die Reise ging vorbei an kilometerlangen Industrieanlagen, und romantischen Burgen. Die beiden besuchten auch die Kaisergräber in Speyer.

In wuchtigen Worten und als Reinfall beschreibt Heidenreich die wirbelnden und schaumgekrönten Wasser des Rheinfalls bei Schaffhausen. Fast liebevoll ist die Beschreibung der beiden kleinen Bäche, die sich in den Schweizer Alpen auf den Weg machen, um einmal den großen mächtigen Vater Rhein zu bilden: Zunächst wird der Bach in einem Kraftwerk zur Kinderarbeit gezwungen, dann verschwindet er als Halbstarker im Bodensee, bevor er fast erwachsen bei Stein am Rhein den See wieder verlässt.

Eine der Erkenntnisse der vergnüglichen dichterischen Exkursion: Nicht zu jeder Zeit ist es am Rhein so schön, interessant aber allemal. Vom reinen sprudelnden Wasser bis zum großen Vater, mit dem der Mensch nicht immer pfleglich umgeht. Eine Menge Ideen, Geschichten und persönliche Eindrücke, gewonnen auch abseits des Stroms, wurden dafür von der Autorin zusammengetragen und zwischen zwei Buchdeckel gepresst, geprägt von großem Humor und Wortwitz.

Mit gewaltigen Klavierklängen machte Floros auf sich aufmerksam - mit seinem Spiel, mal zart tropfend wie das reine Wasser des Babys Rhein oder mit mächtigen Tonfolgen eines Richard Wagners wie ein mitreißender Fluss. Auf diese Weise spürte er dem Rheingold, den Rheintöchtern und der Nibelungensage nach, gepaart mit Spielwitz als perfekte Ergänzung zu den Erzählungen.

Sowohl Elke Heidenreich als auch Marc Aurel Floros verstanden es ebenso in musikalischer Hinsicht wie auch im Wortvortrag aufs Beste, mit der Reise entlang des Rheins zu unterhalten und die Frage, warum es am Rhein so schön ist, hinreichend zu beantworten.

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