"Geheimprojekt": Junger Wilder auf dem alten Marktplatz

'Geheimprojekt': Junger Wilder auf dem alten Marktplatz

Von Veruschka Rechel

Baden-Baden - "Die Kulisse der Stiftskirche eignet sich hervorragend für die Inszenierung von Schillers packendem Drama aus der düsteren Zeit der Inquisition", betont Regisseur Maximilian von Mayenburg. Mit ihm engagierte das Theater Baden-Baden einen der jungen Wilden in seinem Genre.

Schon zu Beginn seines Studiums an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" in Berlin verpflichtete ihn 2004 der Regisseur Christoph Schlingensief als Sänger und Darsteller für die Produktion "Kunst und Gemüse, A. Hipler" an der Berliner Volksbühne. Im Alter von 28 Jahren war der gebürtige Münchner bereits auf dem Olymp der deutschen Opernwelt angekommen: bei den Bayreuther Festspielen 2011 mit seiner Inszenierung von Richard Wagners Opernzyklus "Der Ring des Nibelungen" in einer eigenen Fassung für Kinder. 2012 gewann er den Regiewettbewerb der Deutsche-Bank-Stiftung "Akademie Musiktheater Heute" in Kooperation mit den Berliner Philharmonikern und dem Festspielhaus Baden-Baden. Dort inszenierte er die Kammeroper "Cendrillon" von Pauline Viardot im Rahmen der Osterfestspiele. Seit der Spielzeit 2013/14 arbeitet Maximilian von Mayenburg freischaffend als Regisseur.

Es ist jetzt sein drittes Engagement in der Kurstadt und sein geheimes Nebenprojekt, wie er schmunzelnd verrät. "Da ich Opernregisseur bin, freue ich mich, dass ich zwischendurch Schauspiel machen kann." Wie für den Bühnen- und Kostümbildner Ralph Zeger ist es auch für den Regisseur die erste Freilichtaufführung. Die Entfernungen auf so einem Platz seien wesentlich größer als auf einer Bühne, dementsprechend auch die Herausforderungen an die Regie. "So kommt es auf die richtige Akustik an, damit die Intimität, die in dem Stück immer wieder eine große Rolle spielt, nicht verloren geht", erklärt von Mayenburg. Deshalb bekämen die Schauspieler kleine, drahtlose Mikrofone am Oberkörper oder Kopf befestigt, damit die Zuschauer auch Flüsterstimmen verstehen können.

Was hält der Inszenator grundsätzlich von dem Stück? "Ich war von Anfang an begeistert, dass ich es hier mit sehr viel Text zu tun habe, denn bei der Oper steht die Musik im Vordergrund." Überhaupt zeige "Don Karlos" wunderbar, wie Privates und Politik miteinander vermischt werden. "Es ist wie im richtigen Leben. Schillers Drama beinhaltet viele Zukunftsvisionen, die sich zum Teil inzwischen bewahrheitet haben." Es habe sich bis heute nichts geändert. "Der Mensch will Frieden, führt aber Kriege, angeblich um des Friedens willen." Der Ehrgeiz des gebürtigen Münchners liegt darin, für jedes Stück eine eigene Sprache zu finden. "Dank meiner Jugend kann ich selbst bei alten Stücken wie Don Karlos etwas Neues ausprobieren. Diese wunderbare Kirche kommt uns natürlich sehr entgegen."

Inzwischen sind die Darsteller dabei, alles, was sie bis jetzt auf der Probebühne des Theaters in Oos vorbereitet haben, auf das Bühnengerüst zu adaptieren. Gottlob ist Michael Laricchia alias König Philipp schwindelfrei. Dadurch kann er sich problemlos auf der vierten Ebene in etwa acht Meter Höhe bewegen. "Durch seine Höhe demonstriert der König die Einsamkeit, die Macht mit sich bringt", erläutert von Mayenburg. Das Gerüst ermögliche eine viel bildhaftere Sprache, als es eine normale Bühne je könnte.

Wer sich davon überzeugen möchte, bekommt bei der Matinee im Theater am Sonntag, 16. Juni, 11 Uhr, bei freiem Eintritt einen Vorgeschmack und kann vom 22. Juni bis zum 12. Juli eine der Freilichtaufführungen auf dem Marktplatz besuchen.

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