Die "Dosennachrückmaschine" der Matrosen

Die 'Dosennachrückmaschine' der Matrosen

Von Sarah Gallenberger

Baden-Baden - Wie bewahre ich eigentlich am besten meine Konserven auf, ohne unnötigen Platz zu verschwenden? Mit dieser Frage beschäftigten sich einige Schüler des Richard-Wagner-Gymnasiums (RWG) und entwickelten hierfür mit ihrer "Dosennachrückmaschine" eine Lösung. Damit belegten sie beim "Junior-Landeswettbewerb" den zweiten Platz.


Seit 14 Jahren beteilige sich das Gymnasium schon bei dem vom "Institut der deutschen Wirtschaft" ausgerichteten Wettbewerb, erklärt Daniel Willemsen, betreuender Lehrer dieses Projekts. Dabei haben angehende Abiturienten aus ganz Baden-Württemberg die Möglichkeit, ihr im Unterricht erlerntes wirtschaftliches Wissen in Form einer selbstständig geführten Firma unter Beweis zu stellen. Das RWG konnte in der Vergangenheit schon mehrere Male den Sieg in die Kurstadt holen und nahm dieses Jahr mit den "Dosenmatrosen" teil.

Bei dem Wettbewerb produzieren die Teilnehmer ihre eigenen Produkte und vermarkten diese selbstständig. Dafür werden wie in einem Unternehmen auch verschiedene Abteilungen benötigt: Vom Marketing über Produktion und Verwaltung bis hinzu den Finanzen. Zur Orientierung dienten direkt zu Beginn des Schuljahrs einzelne Workshops der genannten Fachrichtungen, außerdem bekamen die Beteiligten für jede ihrer Abteilungen einen ausführlichen Leitfaden vom Veranstalter des Wettbewerbs.

Den Vorstand der Gruppe "Dosenmatrosen" bilden Hannah Reiß und Jonathan Hilser. In der Firma müsse sich "jeder einzelne Beteiligte auf den anderen verlassen können", erklären die beiden. Die Idee der RWGler: eine aus einer alten Weinkiste bestehende "Dosennachrückmaschine". Diese gleicht in ihrer Funktion einer Murmelbahn, wie man sie aus Kindheitstagen kennt. Das Innere der Holzkiste enthält mehrere Ebenen, die durch in bestimmten Winkeln angeordnete Platten getrennt werden. Dadurch kann nach der Entnahme einer der Konserven direkt die nächste nachrücken.

"Den Einfall hatte einer unserer Mitschüler", sagt Hannah Reiß. Den Prototyp habe dann ein Vater eines Firmenmitglieds erstellt. Die Produktidee, erläutert Reiß, entwickelte sich seit September vergangenen Jahres immer weiter. Durch Umfragebögen erhielten sie zahlreiche Vorschläge - und entschlossen sich kurzerhand, die Möglichkeit einer Kühlung der Dosen in das Produkt einzubinden. Auch eine Party-Version mit eingebauten LED-Lichtern haben die Jungunternehmer mittlerweile im Programm.

"Die Schüler entwickelten ihre Idee eigenständig", ist Daniel Willemsen stolz. Dabei unterstütze er selbst in Kooperation mit dem "Institut der deutschen Wirtschaft" das Projekt. An Letzteres müsse das junge Unternehmen regelmäßig Dokumentationen über seinen aktuellen Stand einreichen, wodurch gleichzeitig der Punktestand für den Wettbewerb erhöht wurde.

Für einen Sieg wird nach fünf Kategorien beurteilt: Geschäftsbericht, Bühnenpräsentation, Gestaltung des Messestands sowie das dortige Interview und die Geschäftsidee als solche. Aber auch der Entwicklungsprozess der Schüler und deren Umgang mit Problemen tragen zum entscheidenden Punktestand bei. Hannes Keppler, Marketingleiter beim Jungunternehmen, hat vor allem in der Gestaltung der firmeneigenen Website eine große Herausforderung gesehen - so handle es sich schließlich bei den Schülern immer noch um Schüler, nicht um Programmierer. Aber auch diesen Meilenstein zum hart erarbeiteten zweiten Platz des "Junior-Landeswettbewerbs" haben die angehenden Abiturienten mit Bravour gemeistert.

Mit Ende des aktuellen Schuljahres müsse sich auch die Schülerfirma wieder auflösen, erklärt Willemsen. Sollten die Beteiligten allerdings zukünftig das Projekt weiterführen wollen, führt der Schulpate aus, gebe es selbstverständlich die Möglichkeit, das Unternehmen offiziell in das Handelsregister eintragen zu lassen. Und wer weiß, vielleicht entdeckt man die "Dosennachrückmaschine" bald schon bei der nächsten Party?

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