Riesige Geburtstagstorte

Riesige Geburtstagstorte

Von Conny Hecker-Stock

Baden-Baden - Seit über 17 Jahren ist Thomas Adam aus dem Stadtteil Cité stolzer Besitzer eines Mini Cooper. Im Grund aus der Not geboren, denn nach einem Unfall mit Totalschaden hatte er kein Fahrzeug mehr, das er jedoch während seiner Ausbildung dringend brauchte. Ein Mini war grad günstig im Angebot, doch als später bei dem jungen Familienvater der Nachwuchs durchs Haus tobte, stand das Fahrzeug erst einmal eingemottet zehn Jahre in der Garage.

Über einen ganzseitigen BT-Bericht wurde er im Juni auf die große Feier im englischen Bristol unter dem Motto "60 Jahre Mini Cooper" aufmerksam. Gemeinsam mit seiner Frau Sarah war die Teilnahme rasch beschlossene Sache. Thomas Adam holte seinen kleinen Flitzer aus dem Dornröschenschlaf, und nach der langen Zeit gab es erst mal einiges zu schrauben. Er wechselte die defekte Wasserpumpe, richtete die Bremsen und nahm einen Ölwechsel vor. Nervenstärke bewies er beim weiteren Timing. Einen Tag vor der Abfahrt am 7. August erfolgten nachmittags die Zulassung und TÜV-Abnahme, und dann konnte es losgehen.

Das Paar war mit Freunden des nächstgelegenen Mini-Clubs Freudenstadt mit 14 Minis aus der Region unterwegs. Im Konvoi wurde die Strecke bis Calais zurückgelegt. Dort trafen so nach und nach 7 500 Mini Cooper aus über 50 Ländern ein, teils per Container verschifft aus Japan, Russland oder der Türkei. Ein stolzer Besitzer aus Chile gewinnt bei den alljährlichen Mini-Treffen, die immer woanders stattfinden und nur alle fünf Jahre in Großbritannien, stets den Preis für die weiteste Anreise. Für die Adams war der Weg das Ziel, sie ließen sich Zeit und fuhren ganz gemütlich. In Calais und später natürlich von Dover bis Bristol dominierten die verschiedenen Spielarten der Minis komplett das Straßenbild, schwelgen die beiden in Erinnerungen.

"Trotz der hohen Anzahl war fast jedes Fahrzeug ein Unikat", erzählt Thomas Adam mit leuchtenden Augen. Während beim Mini Clubman die hinteren Flügeltüren auffallen, waren andere eine Mischung Marke Eigenbau aus hinzugefügten abgeflexten Teilen kaputter Fahrzeuge, die aus dem nicht eben riesigen Mini schon mal einen kleinen Wohnwagen zauberten. Unter den Fahrern sind viele Schrauber, die etwa einen Heckträger bauen und ihr Moped mit auf die Reise nehmen, das Fahrzeug in eine Grill- oder Zapfstation verwandeln, selbst Pick Ups wurden aus den Minis gezaubert. Ein Tscheche transportierte eine weithin sichtbare, überdimensionale Geburtstagstorte auf seinem Fahrzeug, erinnert sich Sarah Adam. Dachten beide zuerst an ein Oldtimertreffen, fanden sie vor Ort sämtliche Jahrgangsklassen vor. Was ebenso auf die Teilnehmer zutraf: "Es gibt da keine Tuning-Szene, von gestandenen Senioren bis zu jungen Familien war alles dabei."

In Bristol fand das Mini-Treffen als Festival auf einer riesigen Wiese statt, mit Musik fast rund um die Uhr und sehr gut organisiert, wie die beiden bescheinigen. Die Adams nächtigten in einem Hotel, doch viele Teilnehmer zelteten direkt auf dem Festareal, wo den einzelnen angemeldeten Clubs ihre eigenen abgegrenzten Plätze zugewiesen wurden. Es gab außer den Bands kein großartiges Programm, vielmehr wurde gefachsimpelt, und es wurden Bekanntschaften geschlossen. Unter anderem mit Mr. Bean, der wie gewohnt nahezu wortlos agierte, dafür jedoch in Mimik und Gestik ausdrucksstark kommunizierte.

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