Hoher Besuch im Jubiläumsjahr

Hoher Besuch im Jubiläumsjahr

Von Frank Ketterer

Baden-Baden - Das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss, auch wenn es manchmal ein wenig dauert, ehe es kommt. Beim New-Pop-Special am Donnerstagabend haben die Zuschauer im voll besetzten Baden-Badener Festspielhaus bereits satte drei Stunden hinter sich, ehe endlich der Höhepunkt des Abends die Bühne betritt.

Wobei der Höhepunkt in diesem Fall gar nicht nur ein Höhepunkt ist, sondern gleich vier, nämlich die Fantastischen Vier. Mit "Zusammen" entern sie ziemlich genau um 23 Uhr die Bühne, mit ihrem ersten Nummer-Eins-Hit "Sie ist weg" reißen sie das Publikum danach von den Stühlen, aus gegebenem Anlass darf "Troy" nicht fehlen. Seit 30 Jahren gibt es die Fantastischen Vier mittlerweile, das setzt eine Menge "Troye" bei den Fans voraus - und selbstredend nicht weniger Kreativität und Innovationskraft bei den Musikern. Just für dies werden die Fantas noch vor ihrem späten Auftritt mit dem Pioneer-of-Pop-Award ausgezeichnet, den der SWR im Rahmen seines New-Pop-Festivals, das in diesem Jahr zum 25. Mal stattfindet und somit Jubiläum feiert, jährlich vergibt.

Comedian Carolin Kebekus darf die Ehrung vornehmen. Sie macht das charmant und augenzwinkernd - und so erfährt man nicht nur, dass die 39-Jährige mit Zwölf ihr erstes Fanta-Erlebnis gehabt, sondern später zu "Sie ist weg" auch das erste Mal wild geknutscht hat. Zudem lobt sie die Fantas als Band, "die den Musikgeschmack einer ganzen Generation geprägt hat" - und das in zweierlei Hinsicht: Zum einen haben die Jungs aus Stuttgart vor 30 Jahren den Hip-Hop in Deutschland salonfähig gemacht, zum anderen dafür gesorgt, dass die deutsche Sprache in Rock und Pop (wieder) Einzug hielt. "Vor den Fantas hab ich noch nie etwas auf Deutsch gehört. Das hat nur meine Oma getan", stellt Kebekus dazu passend fest.

Dass die Fantastischen Vier mehr als würdige Pioneer-of-Pop-Preisträger sind, steht nicht nur deshalb außer Frage. Dass wiederum Alice Cooper eine echte Rock-Legende ist, kann ebenfalls nicht angezweifelt werden. Der 71-Jährige ist quasi der Erfinder des Schock-Rocks. Sein Name steht für provokante Bühnenshows ebenso wie für exzessives Make-up und Kunstblut, zahlreiche andere Bands wie Ozzy Osbourne, King Diamond oder Marilyn Manson haben Cooper damit nachgeeifert. Dass auch "The Prince of Darkness" plötzlich und noch vor den Fantas auf der Festspielhaus-Bühne steht, ist eine Überraschung, die den New-Pop-Machern wahrlich gelungen ist, ebenso wie die Wahl des Mannes, der ihn am Donnerstag mit dem Lifetime-Award auszeichnet: Der Neu-Baden-Badener Thomas Gottschalk überreicht Cooper den Lebenswerk-Preis. Die beiden, zusammen 140 Jahre alt, wie Gottschalk in seiner unnachahmlichen Art flink zusammenrechnet, kennen sich schon lange. Entsprechend darf man dem blond gelockten Showmaster durchaus glauben, wenn er Cooper privat als gar nicht düster, sondern freundlich und in seiner Freizeit Golf spielend beschreibt.

Einen seiner Songs zum Besten geben darf Cooper am Donnerstag (leider) nicht, ein weiterer Höhepunkt des Abends ist sein Auftritt dennoch.

Begonnen hatte dieser, wie er knapp dreieinhalb Stunden später endete: Die Fantas spendierten den Opener - und zwar mit dem Song, mit dem auch sie einst ihren 25. Geburtstag gefeiert hatten: "Twentyfive Years". Danach durften in loser Folge Mark Forster, Matt Simons, Lena und James Blunt, allesamt New-Pop-Festival-Teilnehmer vergangener Jahre, ein, zwei zum Teil sogar neue Nummern aus ihrem Repertoire präsentieren, bevor sie von Moderator Guido Cantz neben dessen Sofa-Gäste - Schauspieler Michael Kessler, Musiker Sasha, SWR-Talker Pierre M. Krause und Carolin Kebekus - auf die in TV-Sendungen mittlerweile obligatorische Talk-Coach gebeten wurden. Dort wurde über so manch Interessantes und weniger Interessantes, mal witzig und mal weniger witzig geplaudert, auch die den SWR3-Hörern bekannten Quiz-Spielchen durften nicht fehlen. Bisweilen zog sich das und hatte Länge, vielleicht auch deshalb, weil im Hintergrund noch die Bühne für die jeweils nächste Band bereitet werden musste.

Im Fernsehen wird davon nichts zu sehen sein. Selbst dreieinhalb Stunden Live-Show lassen sich dort mühelos auf ein sendetaugliches Maß zurechtschneiden. Zu sehen ist dies am kommenden Freitag, 20. September, ab 23.30 Uhr in der ARD.

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