"Machen Sie auch so etwas"

'Machen Sie auch so etwas'

Von Nina Ernst

Baden-Baden - "Was man an solchen Trainingstagen zurückbekommt, ist unglaublich", resümierte am Mittwoch Rainer Weinbrecht vom Tennisclub (TC) Grün-Weiss sichtlich gerührt. In der Sitzung des Schul- und Sportausschusses stellten verschiedene Beteiligte vor, welche Projekte in der Stadt für und mit Menschen mit Behinderung umgesetzt werden - und, wohin die Reise gehen soll.

Als positives, schon durchgeführtes Praxisbeispiel diente dafür das Inklusionsprojekt des TC in Kooperation mit der Lebenshilfe Baden-Baden/Bühl/Achern. Im Juni 2018 seien die ersten Kontakte mit Menschen mit Behinderung und den Sportlern geknüpft worden, blickte Peter Schaufler, der mit Weinbrecht Initiator der Aktion beim TC ist, zurück. Seitdem hätten gemeinsame Tennisspiele und ein Tennisnachmittag stattgefunden, immer mehr Mitglieder würden sich erfreulicherweise in dem Bereich nun engagieren, so Schaufler. Er könne jedem nur sagen: "Machen Sie auch so etwas." Dem TC machten die Aktionen viel Freude und die Herzlichkeit der Teilnehmer sei unvergleichbar.

Auch die Behindertenbeauftragte Beate Wirth hat einiges auf die Beine gestellt, berichtete stellvertretend Annemarie Harrer, Fachgebietsleiterin Schule und Sport. Unter anderem sind dies die regelmäßigen Rundgänge mit dem Arbeitskreis "Barrierefreies Baden-Baden", ein Runder Tisch für Menschen mit Behinderung und das Mobilitätstraining. Wirth wünsche sich außerdem, einen Spiel- und Sport-Nachmittag einzuführen, sei dafür aber noch auf der Suche nach einem Sportverein, der sich engagiert.

Markus Tolksdorf, neuer Geschäftsführer der Lebenshilfe Baden-Baden/Bühl/Achern, stellte hinsichtlich des regionalen "Netzwerks Inklusion im und durch Sport" heraus: "Wer mit ein bisschen Fingerspitzengefühl an die Sache herangeht, wird schnell merken, welche Bereicherung das ein kann." Ziel des Netzwerks sei es, dass sich Sportvereine für Menschen mit Behinderung öffnen, zudem sollen "Barrieren in den Köpfen" abgebaut werden, und gezeigt werden dass Menschen mit Behinderung die Gesellschaft bereichern.

Laura Braun vom Badischen Behinderten- und Rehabilitationssportverband (BBS) mit Sitz in Sandweier stellte die "Inklusionsoffensive in die Sportvereine" vor, mit der es gelingen soll, dass "Menschen mit Behinderung an Sportangeboten teilnehmen können". Die Offensive bestehe aus Beratungen, Aus- und Fortbildungen, dem Sportabzeichen auch für Menschen mit Behinderung, einem "Inklusions-Starterpaket" (kostenlos ausleihbar für einen bestimmten Zeitraum) und kostenlosen Vereinsbesuchen. Dabei gehe es darum, einen Perspektivwechsel zu erleben und Grenzen kennenzulernen. Dies geschieht unter anderem mit kostenfreien Rollstuhlbasketball-Übungsstunden. Und beim Budo-Kai Bühlertal wurden zudem Einheiten mit sogenannten Simulationsbrillen durchgeführt. Die Vereine, die bereits Angebote angenommen haben, zeigten sich durchweg begeistert, fasste Braun zusammen.

Bürgermeister Roland Kaiser rief dazu auf, die kurzen Wege - Südbadische Sportschule, Lebenshilfe und BBS direkt vor der Haustüre - zu nutzen, und gemeinsam in Richtung Inklusion zu gehen. Auch Armin Zeitvogel, Präsident des Sportausschusses, bot den Anwesenden an, gemeinsam Dinge umsetzen zu können.

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