Lokalmatador bringt Saal zum Beben

Lokalmatador bringt Saal zum Beben

Von Veruschka Rechel

Baden-Baden - Mick Jagger macht es, Peter Maffay macht es, und Elmar Hohmann macht es auch: in reifem Alter auf der Bühne singen. Nur mit dem Unterschied, dass die beiden Erstgenannten schon in jungen Jahren öffentlich gesungen haben, während Elmar Hohmann erst im Rentenalter damit angefangen hat. Es ist unglaublich, aber wahr: Was Ende März dieses Jahres im Kaminzimmer des Parkhotels Atlantic in kleinem Kreis begonnen hat, fand jetzt auf Drängen seiner wachsenden Fangemeinde im Runden Saal des Kurhauses in großem Rahmen seine Fortsetzung: die Sangeskarriere von Elmar Hohmann.

Er ist der Beweis dafür, dass man in späten Lebensjahren nicht nur singen, sondern damit auch noch Erfolg haben kann. "Es gibt Menschen, die singen, und es gibt Sänger. Elmar Hohmann ist Sänger", betonte seine Gesangslehrerin Anja Schlenker-Rapke kurz und bündig. Dabei war der gebürtige Hamburger Unternehmer und zuletzt Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank, bis er in den Ruhestand ging. Also ein nüchterner, pragmatischer Zahlenmensch, sollte man meinen. Ist der chevalereske Hanseat auch. Aber das ist nur die eine Seite von ihm. Die andere dagegen ist gefühlvoll, romantisch und leidenschaftlich, und die lebt er in seinem Gesang aus.

Der Neu-Künstler entführte seine rund 200 Besucher in die bunte Welt des "Schubidu", wie er es selbst gerne bezeichnet. Doch das ist zu lapidar ausgedrückt und wird ihm keinesfalls gerecht. Auch wenn man sich bei Liedern aus den 1950er und 1960er Jahren wie "Junge, komm bald wieder" von Freddy Quinn und "Strangers in the Night" von Frank Sinatra darüber streiten kann, ob es Kunst oder Kitsch ist. Aber die mussten sein, denn schließlich hieß das Programm "Von Freddy bis Franky". Es sind Songs, bei denen sich manche, vor allem die Jüngeren, nicht trauen, zuzugeben, dass sie sie eigentlich gerne hören. Das gilt ebenso für die "Capri-Fischer", bei denen die Sonne im Meer versinkt.

Doch Hohmanns Gäste trauten sich und sangen sogar den Refrain lauthals mit. Das war auch gut so, denn schließlich sind selbst Schnulzenschlager längst wieder gesellschaftsfähig geworden. Außerdem ist letztendlich entscheidend, wer was wie präsentiert. Dank Anja Schlenker-Rapke, unter anderem Leiterin des Philharmonischen Chors Baden-Baden, und Hohmanns Klavierlehrer von der Clara-Schumann-Musikschule, Helmuth Pfäffle-Steinhoff, der ihn sehr einfühlsam am Flügel begleitete, gewann die Kunst die Oberhand. Mit seinem unverwechselbaren Bassbariton brachte Hohmann mit Evergreens wie "Sweet Caroline", "What a wonderful world" und "Blueberry Hill" den Saal zum Beben. Nicht, weil er so laut war, sondern weil er die Emotionen so stark herüberbrachte, dass sie sich auf das Publikum übertrugen und Bahn brachen. Von Bravorufen bis Zwischenapplaus und Standing Ovations war alles dabei. Ob für "Spanish Eyes", bei dem es keinen akustischen Unterschied zu Al Martino gab, oder für "Unforgettable". Da musste man schon ein Kenner von Nat King Cole sein, um zu hören, dass nicht er auf der Bühne stand. Hohmann hatte vorsichtshalber drei Zugaben vorgesehen, darunter "Send Me the Pillow". "Ich habe nicht damit gerechnet, dass sie alle eingefordert werden", sagte er. Von wegen! Wenn es nach der Begeisterung der Zuhörer gegangen wäre, hätten es doppelt so viele sein können.

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