Wasserfall-Gin soll Geroldsau ein Denkmal setzen

Wasserfall-Gin soll Geroldsau ein Denkmal setzen

Von Conny Hecker-Stock

Baden-Baden - Eine Brennerei in vierter Generation, viel Heimatverbundenheit und dazu eine zündende Idee, das sind die Zutaten für den "Wasserfall-Gin" von Dominik (27) und Caroline (23) Seiler aus Geroldsau. Unter Kennern wird ihr noch junges Produkt bereits sehr geschätzt.



Schon in ganz jungen Jahren waren die beiden Geschwister viel lieber mit ihrem Opa in der Natur unterwegs als im Kindergarten. Sie sammelten mit ihm das Obst auf den Feldern rund um Geroldsau ein wie Äpfel und Mirabellen oder auch Topinambur. Beim Brennen der reinen Obstschnäpse durften sie dem Großvater zusehen und ihm auch mit kleinen Hilfeleistungen zur Hand gehen. Holz holen, Maische anreichen oder Fässer ausputzen, das waren ihre Aufgaben, denen sie mit Eifer nachgingen.

Doch irgendwann war dem Opa aus Altersgründen die Brennerei nicht mehr möglich, ihr eigener Vater hatte aus beruflichen Gründen keine Zeit und auch kein Interesse dafür. So standen die Geschwister vor der Entscheidung, die Brennerei ganz aufzugeben, denn vor drei Jahren wäre das Brennrecht wegen längerer Nichtausübung erloschen.

Doch sie entschieden sich für eine Alternative: die Familientradition wieder aufzunehmen und sich selbst in dem ans Haus grenzenden Wirtschaftsgebäude ganz praktisch mit der Wissenschaft der Schnapsbrennerei zu befassen. Sie versuchten sich zuerst auch an reinen Obstbränden, merkten aber schnell, dass sich hierfür das Interesse in Grenzen hielt, denn wegen der hohen Alkohollastigkeit "ist es nicht so das Hype-Getränk".

Also experimentierten Wirtschaftsingenieur Dominik Seiler und sein Onkel Ralf Baumeister ein gutes Jahr herum. Ende des vorigen Jahres brannten sie so ihren ersten, extrem langsam destillierten Gin.

Dazu wird in die Brennblase der Ansatz eingefüllt, der zuvor gemütlich ziehen durfte - aber nicht bis obenhin, um ein Überschäumen zu verhindern, denn das würde sonst eine ziemlich klebrige "Sauerei" ergeben. Schonend wird nun darunter eingeheizt, über ein "Geistrohr" steigt der Alkoholdampf auf. Der Geist, also der fertige Schnaps, kondensiert im anschießenden Kühler, aus dem unten das fertige Destillat tröpfelt. Die extrem langsame Destillation bewirkt nach Dominik Seilers Überzeugung den guten Geschmack, den er zusätzlich mit ausgesuchten, ausschließlich regionalen Kräutern sowie Zitronen, Orangen und Wacholder verfeinert.

Die garantierte Bio-Qualität seiner Rohstoffe ist ihm extrem wichtig. Dass Geroldsauer Trinkwasser reines, sehr weiches Quellwasser ist, kommt ihm dabei zugute, damit rundet er den Trinkgenuss vollendet ab. Der Name "Wasserfall-Gin" stand schnell im Raum für das fertige Produkt. Zum einen gehört Dominik Seiler den schon legendären Geroldsauer Wasserfall-Springern an. Zudem wollte er gemeinsam mit seiner Schwester Caroline, die als Betriebswirtschafterin für den Bereich Marketing und Rechnungswesen zuständig ist, ihrem schönen Ortsteil ein Denkmal setzen. Optisch haben sie das eindrucksvoll umgesetzt mit einem Bild des Geroldsauer Wasserfalls, der vom Hintergrund durch jede einzelne Gin-Flasche hindurchschimmert.

Bei mehreren Blindverkostungen auf unterschiedlichen Events, bei denen den Teilnehmern nicht bekannt war, was ihnen da kredenzt wurde, schnitt ihr Produkt jeweils sehr gut ab. In seinem ersten Jahr produziert Dominik rund 70 Flaschen pro Brand, jeweils im Beisein eines Zöllners. Das Ganze soll aber immer ein reines Hobby bleiben mit viel Spaß am Experimentieren.

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