4,20 Meter großes Mühlrad soll zum Hingucker werden

4,20 Meter großes Mühlrad soll zum Hingucker werden

Von Harald Holzmann

Baden-Baden - Die Geroldsauer Mühle bekommt demnächst das i-Tüpfelchen aufgesetzt: Im Frühjahr 2020 soll eine Wasserkraftanlage ans Netz gehen. Dann wird auch das Mühlrad installiert, das schon seit der Eröffnung im Logo der Mühle prangt. Zusammen mit der Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach wird dann 70 Prozent der benötigten Energie vor Ort selbst erzeugt.

Schon bei der Eröffnung vor vier Jahren war für Mühlen-Chef Martin Weingärtner, der mit seiner Firma selbst seit Jahren in Geroldsau eine Wasserkraftanlage betreibt, klar: Auch die Geroldsauer Mühle muss ein Mühlrad bekommen, um aus dem Wasser des Grobbachs Öko-Strom zu gewinnen. Bis ins 18. Jahrhundert gab es an ihrer Stelle schließlich ein Sägewerk und eine Kornmühle. "Deren Wasserrechte wollten wir wieder aufleben lassen", sagt er.

Das Genehmigungsverfahren dauerte seine Zeit, doch nun ist es soweit: Weingärtners Söhne Felix und Peter haben ihre Semesterferien geopfert, um mit professioneller Unterstützung den bereits seit Jahrzehnten vorhandenen, aber teilweise verlandeten 350 Meter langen Mühlkanal neu anzulegen und mit Mauersteinen zu befestigen. Dieser Tage haben zudem die vorbereitenden Arbeiten für den Bau der unterirdischen Druckleitung begonnen, die das Wasser vom Mühlkanal zum Kraftwerk führen sollen. Und im Frühjahr wird das Werk, in dem ein sechsstelliger Betrag "und jede Menge Herzblut stecken", wie Martin Weingärtner betont, mit der Montage des Mühlrades gekrönt.

Drei Tonnen schwer ist die Konstruktion aus Lärchenholz mit Speichen aus Eiche und den 1,40 Meter breiten Schaufeln aus Edelstahl. Das Mühlrad mit 4,20 Metern Durchmesser wird extra für die Geroldsauer Mühle in einem Spezialbetrieb in Bayern hergestellt. Ansonsten kommt, wie gewohnt, alles aus der Region: Die Steine, mit denen der Mühlkanal ausgemauert wurde, waren beispielsweise früher in den Grundmauern des alten Mühlengebäudes verbaut, das vor dem Neubau der Mühle auf dem Grundstück am Ortsausgang von Geroldsau stand.

In den kommenden Wochen wird das bestehende Stauwehr saniert, eine Fischtreppe gebaut und dann die Konstruktion errichtet, aus der über eine elf Meter lange Rinne, den sogenannten Käner, das Wasser in einem steten Strom von oben auf das Mühlrad geleitet wird. Und dann dreht sch das Mühlrad am rauschenden Bach sechmal in der Minute um die eigene Achse - und die Besucher und vorbeirauschende Auto- und Motorradfahrer können den Anblick bei Tag und Nacht genießen. Man werde das Mühlrad durch Beleuchtung in Szene setzen, sagt Weingärtner.

Einklang mit Fischern und Naturschutz

Zudem soll 2020 auch die Fußgängerbrücke errichtet werden, die von der Bushaltestelle über den Grobbach zur Mühle führt. Von ihr aus wird man einen Panoramablick auf das nimmermüde Rauschen und Drehen direkt am Biergarten des Wirtshauses haben.

Apropos nimmermüde: Wenn der Grobbach in trockenen Sommerwochen des Fließens müde wird und wenig Wasser führt, wird selbstverständlich auch die neue Wasserkraftanlage abgestellt. Überhaupt sei die Planung für das Projekt im Einklang mit den Fischern und Naturschützern erfolgt, betont Weingärtner. Man wolle ja etwas für die Umwelt tun. Ja, und nimmermüde scheint auch der umtriebige Unternehmer gemeinsam mit seiner Familie am Projekt Geroldsauer Mühle zu hängen. Jetzt, nach gut vier Jahren Betrieb, sei man endlich soweit, "wie wir es damals, bei der Eröffnung, haben wollten", sagt er. Die Mühle sei zu einer authentischen Begegnungsstätte von Jung und Alt, von Auswärtigen und Geroldsauern geworden. Der Ansturm der Besucher sei anfangs überraschend groß gewesen. "Und was wir unterschätzt haben, war auch, wie schwer es wird, ein gutes Team von mehr als 100 Mitarbeitern zusammenzustellen." Eine richtig gute Kernmannschaft habe man jetzt aber gefunden, betont er. "Wir sind voll auf Kurs", freut er sich.

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