Momentaufnahmen und Spontanes aus der Kurstadt
Sichert ihre Erinnerungen in einem Bildband: Margarete Schicks Fotostreifzug durch die Kurstadt füllt ein Buch. Foto: Gareus-Kugel
Von Veronika Gareus-Kugel

Baden-Baden - Margarete Schick ist fasziniert vom Augenblick, von jenen kurzen Momenten, die sie mit ihrer Kamera zur Ewigkeit werden lässt. Seit vielen Jahrzehnten ist der Fotoapparat ihr ständiger Begleiter. Kürzlich veröffentlichte sie ihren zweiten Bildband über Baden-Baden: "Stars der Straßen - ein Fotostreifzug durch Baden-Baden" mit Bildern von 1971 bis 2017.

Mit Stars der Straßen sind mitnichten all die Stars und Sternchen oder Politiker gemeint, die bisher in Baden-Baden Station machten, sondern ganz normale Menschen, zuweilen Originale, Denkmäler oder Baumschönheiten, fotografiert mit zielsicherem Auge und großem persönlichen Einsatz. Rund eineinhalb Jahre brachte die Wahl-Gernsbacherin damit zu, die Bilder auszuwählen, zu digitalisieren und zusammen mit einem Grafiker zu einem Fotoband von 144Seiten zusammenzustellen. Die Bilder sind zwar nicht immer perfekt, aber oft von berührender Eindrücklichkeit. Es ist eine lebendige Bilderfolge in tiefgründigem Schwarzweiß oder bunter Vielfalt. Aufnahmen von Menschen, denen die Fotografin auf ihren Streifzügen durch die Kurstadt begegnete oder Perspektiven, die sich ihr plötzlich auftaten. Einige der Bilder können schon als historisch bezeichnet werden. Denn sie zeigen, wie sich die Weltstadt an der Oos, in den letzten 46 Jahren veränderte. Schick hat nie die Postkartenansichten der Kurstadt im Sinn, wenn sie auf Schusters Rappen, auf einer der 639 Straßen und Wege, der Stadt unterwegs ist. Ein Auto habe sie nie besessen, sagt die fast 80-Jährige, die BT-Lesern auch als freie Mitarbeiterin der Redaktion bekannt sein dürfte.

Ihre Bilder prägen eine gewisse Spontanität. Weshalb sich die Bildautorin schon einmal ganz spontan eine Kamera kaufte, um Schönes, Geheimnisvolles oder einfach nur das Leben in der Kurstadt festzuhalten. "Ich bin auf der Suche und finde hin und wieder etwas", so Schick. Auf viele Bilder zeigt sie sich stolz, wie das von Fee Schlapper, eine bekannte Baden-Badener Fotografin, oder das von Marie Sophie Hildegard Gräfin von Schwerin im Hof des Neuen Schlosses, mit der sie zum Interview verabredet war, oder ihr Lieblingsbild, die Trinkhalle im Novemberlicht. Im Übrigen sind dies drei Schwarz-Weiß-Aufnahmen, aufgenommen mit einer Hasselblad. Sie fotografierte Parkwächter die Pause machten, Liebende, Künstler oder Fenster mit von Mäusen zerfressenem Vorhang. Den Einband ziert das Bild einer Volkstanzgruppe aus Jerusalem bei ihrem Auftritt vor dem Renaissance-Bau des Neuen Schlosses im August 1981 anlässlich der Landesgartenschau. Augenblicke im Meer der Zeit. "Augenblick", von Andreas Gryphius heißt auch ihr Lieblingsgedicht. Dort heißt es: "...; der Augenblick ist mein, und nehm ich den in acht so ist er mein, der Zeit und Ewigkeit gemacht." Auch die Texte zu einigen Bildern stammen aus der Feder Schicks.

Unzählige Dias, Negative und Papierbilder schlummerten in einem Keller vor sich hin, bis Margarete Schick zu der Überzeugung kam, dass es die Erinnerungen verdient haben, gesichert zu werden. Es ist bereits der zweite Bildband, der von ihr veröffentlicht wird. Um diesen finanzieren zu können, gab sie ihre Wohnung in Baden-Baden auf und zog nach Gernsbach in ihre kleine Ferienwohnung.

Margarete Schick, geboren 1939, arbeitete nach dem Wirtschaftsabitur in Reutlingen in der Herstellungsabteilung des Rainer Wunderlich Verlag Hermann Leins in Tübingen, bevor sie sich bei baden-württembergischen Tageszeitungen zur Redakteurin ausbilden ließ. Als alleinerziehende Mutter einer Tochter erweiterte sie ihr Arbeitsspektrum, arbeitete als Fremdsprachensekretärin, PR-Sachbearbeiterin und Werbeleiterin in industriellen Betrieben sowie in einer Werbeagentur. Zuletzt war sie als Protokollantin bei der Stadt Baden-Baden angestellt. Erhältlich ist der Fotoband in der Buchhandlung Josua Straß.

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