Glückliches Ende einer jahrelangen Wackelpartie
Vertreter von Landkreisverwaltung, Kreistag, Regierungspräsidium und der Gemeinde Rheinmünster geben den 1,4 Millionen Euro teuren Radweg frei. Foto: Siebnich
Rheinmünster (sie) - Es hört sich nicht gerade nach einem Prestigeprojekt an: ein neuer Radweg, der das kleine Schwarzach auf einer Länge von rund 1,2 Kilometern mit dem noch kleineren Hildmannsfeld entlang der Kreisstraße 3762 verbindet. Trotzdem war bei Eröffnung gestern die geballte Politikprominenz des Landkreises zugegen. Denn die Freigabe setzte den Schlusspunkt hinter ein Vorhaben, das alle Beteiligten jahrelang beschäftigte - und das auf der Zielgeraden fast noch gescheitert wäre.

Landrat Jürgen Bäuerle erinnerte an den Beginn der Planungen im Jahr 2012. Rheinmünsters Bürgermeister Helmut Pautler datierte den Ursprung des Wunschs nach einem Radweg an dieser Stelle sogar zurück in die 90er Jahre, als sich schon sein Vorgänger darum bemüht habe.

Dass von der Planung bis zur Freigabe noch einmal sechs Jahre vergehen sollten, lag unter anderem an PFC-Funden entlang der Trasse. Ursprünglich war vorgesehen, das Projekt bereits im Frühjahr 2017 zu realisieren.

Doch dann stellte sich heraus, dass Teile des Bodens mit PFC belastet sind. Der Landkreis sah deshalb enorme Entsorgungskosten für das Material auf sich zukommen. Die Gesamtrechnung hätte sich mit rund 1,8 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Deshalb wurde das Projekt zunächst auf Eis gelegt.

Ende September vergangenen Jahres präsentierte Landrat Jürgen Bäuerle im Ausschuss für Umwelt, Bau und Planung eine Neukonzeption, die mehrere hunderttausend Euro einsparte und durch die das Vorhaben gerettet werden konnte. Der Untergrund verblieb nun doch weitgehend an Ort und Stelle. Um ihm die notwendige Stabilität zu verleihen, wurde er mit einem Bindemittel aus Kalk und Zement durchmischt, eingeebnet und verdichtet. Allerdings fiel nichtsdestotrotz ein wenig Aushubmaterial an. Dessen Entsorgung ist noch ungeklärt. Die Deponien im Landkreis sind nicht geeignet, um den belasteten Boden aufzunehmen. "Wir suchen nach Möglichkeiten", erklärte Landrat Bäuerle und ergänzte: "Ich habe erst heute Morgen ein vielversprechendes Gespräch geführt."

Er wollte deshalb auch nicht ausschließen, dass am Ende noch "der eine oder andere Euro" auf der Schlussrechnung hinzukomme. Diese liegt bei rund 1,4 Millionen Euro, wovon das Land knapp 400000 Euro als Zuschuss trägt. "Von finanzieller Seite haben wir damit unser Planziel erreicht", sagte Bäuerle, der sich auch freute, dass der Weg pünktlich zum Start des neuen Schuljahres fertiggestellt wurde.

An die große Bedeutung des kleinen Abschnitts nicht nur für die Realschule Schwarzach mit ihrem enormen Einzugsgebiet, sondern auch für das regionale Radwegenetz erinnerte Bürgermeister Pautler. Die Strecke sei Bestandteil der Verbindung zwischen der Rheinfähre "Drusus" und Baden-Baden. Dass der Lückenschluss nicht parallel über die L85 geführt wurde, die vor vier Jahren saniert worden war, habe Kostengründe: "Dort wäre ein aufwendiges Planfeststellungsverfahren notwendig gewesen", erklärte Pautler. Dem Landrat gab er noch "zwei Anregungen" mit auf den Weg: den Bau eines straßenbegleiteten Radwegs auch zwischen Schwarzach und Stollhofen und auch von Stollhofen in den Baden-Airpark.

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