"So passend ist das sehr selten"
'So passend ist das sehr selten'
Ottersweier (mig) - Die Gemeinde kann auf mehr Zuschüsse vom Land für ihre flexible Schülerbetreuung hoffen. Das sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann bei ihrem gestrigen Besuch in der Maria-Victoria-Schule in Ottersweier zu. Sie war vom Konzept der Betreuung mit der Schulköchin Erika Velten beeindruckt.

Familiäre Atmosphäre beim vor Ort zubereiteten Mittagessen und die Möglichkeit, einer Betreuerin zu erzählen, was in der Schule los war: Das gehört ebenso zur Schülerbetreuung wie ruhige Zeiten für die Hausaufgaben und das Spielen und Toben danach. Beim Essen gilt es, alles mal zu probieren, und bei den Tischmanieren Restaurantreife zu erlangen. Und vor dem Lernen werden die Kinderköpfe draußen "gelüftet". Das schilderten Andrea Lammert-Ernst und Erika Velten der Ministerin, der Schulleitung, Bürgermeister Jürgen Pfetzer und dem Gemeinderat bei Kaffee und Plätzchen.

Die Ministerin sprach ihre Anerkennung für die passgenaue Ausrichtung der Schülerbetreuung auf den Bedarf der Eltern aus: "So passend ist das sehr selten." Das Ottersweierer Betreuungsmodell sei zum Wohl der Familien, sagte Gemeinderat und Landtagsmitglied Tobias Wald (CDU) und dankte der Ministerin für den Besuch an seiner ehemaligen Schule, die schon immer sehr innovativ sei.

Warum man sich nicht für eine gebundene Ganztagsschule entschieden habe, die vom Land mit Geld und pädagogischen Fachkräften unterstützt werde? Das fragte Eisenmann. Weil es die Eltern nicht wünschen, war die Antwort, mit der sie schon gerechnet hatte. Obwohl sie selbst die gebundene Ganztagsschule für eine gute Sache halte, habe sich gezeigt: Man könne Eltern nicht dazu zwingen. Quer durchs Land und auch in den Städten sei der Wunsch nach einer Betreuung nach Bedarf da.

Seit eineinhalb Jahren werde in der Landesregierung darüber diskutiert und ein Konsens müsse noch gefunden werden. Doch im Januar wolle sie eine mehrheitsfähige Kabinettsvorlage haben, nach der Schulen wie in Ottersweier wieder für ihr Betreuungsangebot gefördert werden können. Es sei eine Fehlentscheidung gewesen, nur noch die Betreuung an gebundenen Ganztagsschulen zu finanzieren.

"Der Staat und das Land dürfen Eltern nicht bevormunden", sagte Bürgermeister Jürgen Pfetzer. Die Gemeinde als Schulträger habe das Betreuungsangebot immer weiter ausgebaut und inzwischen 16 Betreuungskräfte eingestellt. Dafür bekomme man derzeit vom Land 27 000 Euro pro Jahr und produziere ein ständig steigendes Defizit von aktuell rund 120 000 Euro. "Wir gehen wieder in die Pro-Kopf-Förderung", sagte Eisenmann zu. "So klare Aussagen hatte ich heute gar nicht erwartet", staunte CDU-Gemeinderat Linus Maier.

"Flexibilität ist unsere Stärke. Danke, dass unser Motto so bestehen darf", äußerte spontan die Schulköchin Erika Velten, die eine große Berufserfahrung aus der Max-Grundig-Klinik Bühlerhöhe an die Schule mitgebracht hatte.

Damit die Schüler wie gewohnt essen konnten, zog die Delegation ins Musikzimmer der Schule um. Dort stellten Rektor Günter Köninger und Konrektorin Yvonne Zengerle die Werkrealschule Ottersweier/Lauf vor. Für die Begrüßung hatten der Grundschulchor und die Trommel-AG gesorgt. Zum Abschluss erwartete die Kultusministerin eine Unterrichtsstunde wie anno dazumal, präsentiert vom Historischen Bürgerverein.

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