Gedämpfte Stimmung zum Fest
Gedämpfte Stimmung zum Fest
Von Gerold Hammes

Bühl - In der Auto- und Zulieferindustrie ist Druck im Kessel. Die völlig verunsicherte Branche mit hoher Volatilität in den Produktionsabläufen und schwindender Nachfrage nach Antriebsaggregaten vor allem für Dieselfahrzeuge beschert den rund 5 500 Schaeffler-Mitarbeitern an den Standorten Bühl, Sasbach und Kappelrodeck eine - im Vergleich zu den Vorjahren - verlängerte Weihnachtspause.

Die sogenannten Schließtage beginnen am Donnerstag, 20. Dezember, und enden am Montag, 7. Januar. Die Stimmung im Haus, berichtet ein Mitarbeiter salopp, sei "gedämpft".

Nach BT-Informationen ist die Auftragslage äußerst komplex, von weltweiten Besonderheiten abhängig und erfordert vom Management und von den Mitarbeitern in der Produktion gute Nerven und hohe Flexibilität. Die Kundennachfrage ist vor allem beim Zweimassenschwungrad, das bei Dieselfahrzeugen zum Einsatz kommt, einigermaßen eingebrochen. Dies betrifft in erster Linie den deutschen und französischen Markt. Als Kontrastprogramm laufen hingegen die CVT-Ketten für den Otto-Motor vor allem in Nordamerika und in Asien ungebremst auf hohem Niveau.

Zur unübersichtlichen Lage zählt auch der Umstand, dass von den Schließtagen nicht alle Abteilungen betroffen sind. Für die Bereiche E-Mobilität und Entwicklung, so ein LuKianer, stehen "die Ampeln eher auf Grün". Auch die zuletzt eingeleitete Reduzierung von drei auf zwei Schichten gelte nicht für alle Abteilungen.

Über die aktuelle Situation informierte bei einer Betriebsversammlung vergangenen Sonntag in der Bühler Großsporthalle Matthias Zink, Vorstand Automotive der Schaeffler AG. Wie Pressesprecherin Petra Wolf auf Anfrage mitteilte, werden die Schließtage mit Überstunden der Mitarbeiter kompensiert. Wo diese nicht ausreichen oder angefallen sind, werden die Arbeitszeitkonten mit den Fehlstunden belastet. Diese Vorgehensweise sei auch schon in der Vergangenheit praktiziert worden. Manche Schaeffler-Produkte liefen in den vergangenen Monaten "eben hoch, manche runter". Die "Schichtanpassungen" seien betrieblichen Erfordernissen geschuldet und gängige Praxis. "Viele Faktoren spielen hier eine Rolle", betont Wolf. Dazu zählten auch "weltpolitische Geschehnisse".

Generell aber sei der Automotiv-Unternehmensbereich mit E-Mobilität, autonomem Fahren und Digitalisierung "richtig gut unterwegs". Die Autobauer wie die Zulieferer befänden sich inmitten einer "Mobilitäts-Transformation". Allerdings: Die anhaltende Dieseldiskussion helfe niemandem. Vielmehr gelte: "Bei einer stürmischen See braucht es eine klare Navigation."

Norbert Göbelsmann, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Offenburg, führte in seiner Rede bei der Betriebsversammlung die Absatzprobleme auch auf die neuen, realitätsnäheren Abgas-Prüfungen nach WLTP-Maßgabe zurück, der manche Autobauer nicht zeitnah nachkommen konnten und es deshalb zu Produktionseinschränkungen kam, die wiederum Zulieferer wir Schaeffler zu spüren bekamen. Vor allem die Leiharbeiter und befristet Beschäftigten seien die Leidtragenden, weil sie ihren Arbeitsplatz verloren hätten. Ihre Zahl am Standort Bühl ist in den vergangenen Monaten mehr als halbiert worden.

Auch die permanent verschärften Emissions-Grenzwerten sieht Göbelsmann als wenig hilfreich und realistisch. Der moderne Diesel schneide in der Ökobilanz nämlich immer noch besser ab als "voll betriebene Elektrofahrzeuge".

Der IG-Metaller weiß aber auch: Die Veränderungen in der Antriebstechnik "kommen schneller als gedacht". Die Automobil- und Zulieferindustrie befänden sich mitten in einer "Aufholjagd". Er legt den Schaeffler-Mitarbeitern über das BT-Gespräch aber auch ein verbales, Mut machendes Geschenk unter den Weihnachtsbaum: "Der Trend sieht positiv aus. Wir rechnen 2019 nicht mit Beschäftigungsproblemen."

Apropos

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