Im Clinch mit der KV
Im Clinch mit der KV
Von Nico Fricke

Baden-Baden/Rastatt - Obwohl gesundheitlich schwer angeschlagen, gibt Diethard Schlegel den Kampf nicht auf. Den Kampf gegen seine schwere Lungenerkrankung COPD - und die Auseinandersetzung mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Im Januar hat er eine COPD-Selbsthilfegruppe in Baden-Baden gegründet, zu der auch Betroffene aus dem Landkreis Rastatt kommen. Eines ihrer Anliegen: ein weiterer Lungenfacharzt für die Region. Doch die KV sieht "eine gute Versorgungslage".



Das sieht Schlegel anders: In Baden-Baden und Rastatt gebe es nur zwei Lungenfachärzte mit Kassenzulassung. "Zu wenige", moniert Schlegel. Seiner Einschätzung nach lebten allein in Baden-Baden rund 4 000 COPD-Patienten - etwa 200 davon seien bereits auf ein Sauerstoffgerät angewiesen. COPD ist eine Atemwegserkrankung, die sich schleichend entwickelt und für die es bislang keine Heilungsmethoden gebe.

"Exakte Zahlen zur Verbreitung der COPD gibt es nicht, aber Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland zehn bis zwölf Prozent der Erwachsenen über 40 Jahren unter einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung leiden", heißt es beim Lungeninformationsdienst des Helmholtz-Zentrums München.

Patienten hätten nicht nur für einen Termin lange Wartezeiten, manche fühlten sich dann auch durch "kürzere Behandlungszeiten nicht ausreichend behandelt und vor allem über die Krankheit nicht richtig informiert", hatte die Baden-Badener COPD-Selbsthilfegruppe bereits im Sommer ihre Einschätzung zur Versorgungssituation in der Region in einer Pressemitteilung kundgetan. Folglich sei es auch schwierig, eine Zweit-Meinung einzuholen, so Schlegel. Denn auch die nächsten Lungenfachärzte in Offenburg und Karlsruhe seien schon am Limit, sagt der 70-Jährige.

Betroffene "frustriert und deprimiert"

Laut Schreiben der Selbsthilfegruppe gehen die meist älteren und oft kaum noch gehfähigen Betroffenen so weit sie es noch können, zu ihren Untersuchungen in die Uni-Klinik Freiburg oder zur Asthma- und COPD-Ambulanz der Thoraxklinik Heidelberg, wo man auch als Kassenpatient ambulant behandelt wird.

Die Mehrzahl der Betroffenen aber sei frustriert und deprimiert, und nicht gerade wenige, vor allem von zusätzlichem Sauerstoff abhängige, "geben daraufhin schnell auf und bleiben zu Hause auf dem Sofa sitzen." Das sei eine fatale Entwicklung, da dann häufiger Krankheitsschübe die Folge seien.

Unverständlich ist für Schlegel das Verhalten der KV. Eine Medizinerin hatte vergangenes Jahr Interesse an einer Kassenzulassung als Lungenfachärztin bekundet, sei aber schon bei der mündlichen Nachfrage bei der KV über die geringen Aussichten auf Erfolg informiert worden, bestätigt sie im BT-Gespräch.

Von seinem unerfreulichen Schriftwechsel mit der KV berichtet Schlegel. Der Ton habe sich verschärft. Gegenüber dem BT verweist KV-Sprecherin Swantje Middeldorff auf den Bedarfsplan, der die Zahl der Mediziner mit Kassenzulassung regelt. Diese Zahlen sind vom Gesetzgeber festgelegt. Und danach sei die Region Mittlerer Oberrhein bestens versorgt - genaugenommen allerdings mit fachärztlichen Internisten, wozu in der Statistik auch die Pneumologen gezählt werden.

"Die Versorgungsquote liegt bei 219 Prozent", sagt Middeldorff. 105 fachärztliche Internisten seien in der Region tätig - die aber für die KV auch den Stadt- und Landkreis Karlsruhe umfasst. Davon seien zehn Pneumologen. Dass nur zwei im Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden praktizieren, sei für viele Patienten sicherlich ärgerlich, "aber wir können den Ärzten nicht vorschreiben, wo sie ihre Praxis betreiben". Rein rechnerisch sei die Versorgung gut. "Aber jeder einzelne Betroffene, der vielleicht weit fahren muss, sieht das natürlich anders."

Dass die Zahlen für die Bedarfsberechnung aus den 1990er Jahren stammen und dringend überarbeitet gehörten, räumt Middeldorff ein. Gibt es Hoffnung für die COPD-Selbsthilfegruppe Baden-Baden? Eine Verbesserung für Patienten könnte möglicherweise das Terminservice- und Versorgungsgesetz von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bringen, sagt Middeldorff. Dieses soll kommendes Jahr in Kraft treten.

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