Einsatz für Denkmalschutz mit viel Herzblut
Einsatz für Denkmalschutz mit viel Herzblut
Von Christiane Lenhardt

Im Europäischen Kulturerbejahr ist auch der Blick auf ehrenamtliche Kulturinitiativen zugunsten materieller und immaterieller Denkmäler in unserer Region gelenkt worden. So hat die Technologie-Region Karlsruhe mit ihrem alle zwei Jahre vergebenen Kulturpreis vier Vereine aus dem Landkreis Rastatt und dem Stadtkreis Baden-Baden, bis hinauf in den Schwarzwald gewürdigt. Der "KULT2018", dotiert mit insgesamt 3 000 Euro, geht an das Forum Gernsbacher Zehntscheuern (1. Preis), den Verein Kulturerbe Schwarzwaldhochstraße (2. Preis), den Historischen Verein Rastatt (3. Preis) und die Brahmsgesellschaft Baden-Baden (Sonderpreis).

"Sie alle haben sich besonders für den Erhalt und die gesellschaftliche Vermittlung unserer Denkmale eingesetzt", würdigte Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup gestern bei der Verleihung auf der Durlacher Turmbergterrasse das bürgerschaftliche Engagement. Es sei wichtig, nicht nur die wertvollen Kulturschätze zu ehren, sondern sich auch für unser starkes, kulturelles, historisches Erbe einzusetzen und so Geschichte sichtbar zu machen. "Denn nur wer fest verwurzelt ist, kann richtig stehen", so Mentrup. Rund 30 Bewerbungen habe es für den "KULT2018" gegeben - "ein beeindruckendes Bild".

Für die Juryvorsitzende, Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen, zeigt sich daran, "wie reich unsere Region ist an Denkmalschätzen." Die Preisträger seien ausgewählt worden, weil ihre Initiativen öffentlich sichtbar, konkret und vorbildlich seien, lobte Mergen. "Hinter jeder Bewerbung stecken Menschen, die ihr Herzblut, viel Zeit und Engagement in den Erhalt und die Pflege ihres Denkmals investieren", fügte sie hinzu.

Das Forum Gernsbacher Zehntscheuern, 2007 als Verein gegründet, versucht, die Gebäude aus dem späten 17. Jahrhundert auf der Stadtmauer vor dem Verfall zu retten - hat dabei nicht nur die bauliche Anlage gemeinsam mit Denkmalschützern vor dem Verfall gerettet und dazu selbst rund 30 000 Euro gesammelt, sondern betreibt auch die Vermittlung des kulturellen Erbes als Vorzeigeprojekt in der Gemeinde. Der rund 200 Mitglieder starke Verein erläutert in regelmäßigen Führungen die Geschichte der Fachwerkhäuser in der Altstadt, wo einst der Zehnt, die Naturaliensteuer, gelagert wurde. "Neben dem Alten Rathaus mit seiner Prachtfassade haben wir nun ein weiteres herausragende historisches Gebäude", sagte der Vereinsvorsitzende Peter Oetker. Die Gernsbacher Zehntscheuern sollen im Sommer 2019 zum 800. Stadtgeburtstag soweit nutzbar sein.

Den Verein Kulturerbe Schwarzwald gibt es erst seit fünfeinhalb Jahren, wie sein Vorsitzender Hansjörg Willig erklärte - hat aber schon 120 Mitglieder und ein Vorzeigeprojekt: Die Alte Kirche Herrenwies wurde gerettet, mit gemeinsamen Kräften saniert und als Kulturzentrum etabliert. Aber besonders würdigt der Kulturpreis den Einsatz des Vereins für die reiche Geschichte der Schwarzwaldhochstraße, die er bei Führungen, durch Hinweisschilder an Wanderwegen und ehrenamtlich wiederhergestellte Walddenkmale im Höhengebiet wieder erfahrbar macht. Von der einstigen Prachtstraße, wo bedeutende Hotels wie an einer Perlenschnur aufgereiht waren, ist nicht mehr viel übrig - heute sind diese Edelherbergen geschlossen, teils verfallen. Doch seit 2017 wird an einem Masterplan zwischen der Ortenau, Baden-Baden und Freudenstadt gearbeitet, damit an Deutschlands berühmtester Panoramastraße wieder Aufbruchstimmung herrscht. "Der Verein hat sich dabei hoch verdient gemacht", lobte Landrat Jürgen Bäuerle des Landkreises Rastatt als Laudator des Vereins Kulturerbe Schwarzwald.

Der Historische Verein Rastatt setzt sich seit 1982 tatkräftig für den Erhalt der Reste der Rastatter Festungsanlagen sowie den Westwallbunker ein - 2019 soll noch das einstige Festungsgefängnis Cavalier 1, wo prominente Revolutionäre gefangen gehalten wurden, zugänglich sein. "Wir haben hier Originalschauplätze der Ereignisse der Badischen Revolution von 1848, an denen bereits für die Ideale unserer heutigen Demokratie gekämpft wurde", betonte Irmgard Stamm, die ehemalige Rastatter Kreisarchivarin, und eine von zwölf engagierten Vereinsmitgliedern, die die Geschichte der Festung bei Führungen und Festungsfesten vermitteln.

Die Brahmsgesellschaft Baden-Baden ist der ehrwürdigste Verein unter den Geehrten - und als besonderes, international wirkendes Schätzchen der Technologie-Region Karlsruhe einen Sonderpreis wert. Vor über 50 Jahren hat diese Bürgerinitiative die einstige Sommerresidenz von Johannes Brahms vor dem Verfall gerettet. Heute ist das Brahmshaus als einzige noch erhaltene Wohnstätte des Komponisten und Musikers ein Anziehungspunkt für die Musikwelt, bedeutende Musiker und Dirigenten pilgern hierher ins Brahms-Museum, junge Komponisten erhalten Stipendienaufenthalte. Die Brahmstage sind in den 25 Jahren ihres Bestehens zum renommierten Festival geworden. Alles wird getragen - ideell und finanziell - von der Brahmsgesellschaft, wie ihr Präsident, Christof Maisch, betonte.

Als Dank für ihr Engagement bekamen die Vereinsvertreter gestern auf der Turmbergterrasse am Ende den neu geschaffenen Preis, eine von der Majolika Manufaktur entworfene Fliese, überreicht.

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